Nornickel dementiert Kosten der verursachten Umweltschäden | Polarjournal
Ende Mai brach bei einem Kraftwerk in der Nähe von Norilsk ein Tank zusammen. Dabei liefen mehr als 21’000 Tonnen Diesel in den Boden und in einen naheliegenden Fluss. Die Naturverschmutzung erstreckte sich am Schluss über hunderte Quadratkilometer und die Kosten stiegen in den dreistelligen Milliardenbereich. Bild: Norilsk Nickel

Bei der Umweltkatastrophe von Norilsk liefen durch einen leckgeschlagenen Treibstofftank mehr als 21’000 Tonnen Treibstoff in die Umwelt. Dadurch wurden Böden, Flüsse und eine See massiv verschmutzt. Die russische Umweltbehörde Rosprirodnadzor untersuchte und klagte gegen die Mutterfirma Nornickel, der die verursachende Gesellschaft NTEK gehört. Doch Nornickel hat nun die Kosten der Umweltschäden, die von der Umweltbehörde berechnet worden sind, zurückgewiesen und eine eigene Aufstellung präsentiert, die weit unter dem Betrag von Rosprirodnadzor liegt.

Die Firma gibt die Kosten für die Umweltschäden mit 21.4 Milliarden Rubel ( € 236 Millionen) an und erklärt in einer Stellungnahme, dass die Verursacherfirma NTEK «nicht die negativen Auswirkungen des Vorfalls bestreitet und bekräftigt ihre uneingeschränkte Verpflichtung, alles Notwendige zu tun, um alle negativen Folgen vollständig zu beseitigen.» Gleichzeitig beklagt sie die von den Umweltbehörde Rosprirodnadzor berechneten Kosten von 148 Milliarden Rubel (€ 1.6 Milliarden) als unverhältnismässig und zu hoch. Die Behörde habe ein unangemessen hohes Vielfaches für das Unternehmen angesetzt, obwohl diese Firma «von der ersten Minute des Vorfalles an sofort und in gutem Glauben gehandelt habe», wie Nornickel in ihrer Mitteilung weiter schreibt. Die Firma schätzt, dass die Kosten für die Aufräum- und Reinigungsarbeiten sich auf weitere 12 Milliarden Rubel (€ 132 Millionen) belaufen werden. Bereits seien zwar 90 Prozent des ausgelaufenen Treibstoffs wieder eingesammelt worden. Doch die Arbeiten werden noch lange andauern.

Nach der Katastrophe hatten zwar hunderte von Arbeitern die Böden abgetragen und Flüsse gereinigt. Doch die Schäden, die aus der Katastrophe entstanden sind, können erst im Nachhinein genauer evaluiert werden. Denn die Langzeitfolgen sind noch gar nicht abschätzbar. Die Umweltbehörden haben Nornickel nun eingeklagt. Bild: Rosmorrechflot

Die Umweltbehörde Rosprirodnadzor zeigt sich von der Meldung wenig beeindruckt. Sie hatte Anfang der Woche eine Klage über die € 1.6 Milliarden eingereicht, nachdem sie zuvor versucht hatte, Nornickel zur freiwilligen Zahlung der Summe zu bewegen. Doch Nornickel lässt es auf einen Kampf ankommen. Ab dem kommenden Montag werden die ersten Anhörungen vor Gericht stattfinden. Nornickel ist sich auch nicht sicher, ob sie die Verhandlung gewinnen wird. Denn die Firma hat bereits den geforderten Betrag zurückgelegt, wie die Nachrichtenagentur Reuters Mitte September berichtet hatte. Für die Firma dürfte dies auch zwar kein finanzielles Problem darstellen, könnte sich aber auf die Bilanz und die Dividenden auswirken und auch auf den Aktienverlauf. Gegenwärtig scheint der Aktienverlauf noch stabil zu sein. Wie sich eine eventuelle Verurteilung auswirken würde, ist aber unsicher.

Die Videoaufnahmen zeigen den geborstenen Tank und die Aufräumarbeiten rund um die Anlage, wo der Treibstoff ausgelaufen ist. Video: Tiger Media

Am 29. Mai brach ein Tank beim Kraftwerk TTP-3 der Nornickel-Tochtergesellschaft NTEK nahe Norilsk auseinander und 21’000 Dieseltreibstoff liefen in den Boden und in den nahen Fluss Ambarnaja. Trotz Ölsperren und Aufräumarbeiten gelangten tausende von Tonnen in einen See und von da aus weiter in die Umwelt Richtung Arktischen Ozean. Greenpeace, die vor Ort später Proben genommen hatte und dabei massiv behindert worden war, verglich die Katastrophe mit dem Unfall der «Exxon Valdez» 1989 vor der Küste Alaskas.

Dr. Michael Wenger, PolarJournal

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