Erstes russisches Atom-U-Boot wird ein Museum | Polarjournal
Die K-3 «Leninsky Komsomol» war das erste Atom-U-Boot der ehemaligen Sowjetunion. Vom Typ war es das Projekt 627 und der Prototyp der im Westen als November-Klasse bekannten U-Boot-Generation. Als Bewaffnung hatte das U-Boot acht Torpedorohre mit 20 Torpedos an Bord. Die Höchstgeschwindigkeit in getauchtem Zustand betrug 56 km/h. Die maximale Tauchtiefe betrug 300 Meter.

Aus den früheren Plänen, das erste Atom-U-Boot K-3 «Leninsky Komsomol» als Museumsschiff neben dem ersten Atom-Eisbrecher «Lenin» in Murmansk zu stationieren, wird wohl nichts. Nun wurde entschieden, dass das U-Boot zu einer Hauptattraktion des geplanten Museum of Naval Glory in Kronstadt wird. Dies teilte Ende Oktober 2020 der Pressedienst der Nerpa-Werft mit. Das Atom-U-Boot K-3 befindet sich seit 2005 bei der Nerpa-Werft in der Region Murmansk.

In der ehemaligen Sowjetunion wurden Höchstleistungen gefeiert und gelegentlich erreichten sie diese Aufmerksamkeit mit der Ausgabe einer Briefmarke.

„Es ist geplant, dass das erste Atom-U-Boot K-3 «Leninsky Komsomol» die Hauptattraktion der Ausstellung des geplanten Museum of Naval Glory in Kronstadt wird.

Der Pressedienst stellte klar, dass die Entscheidung bei einem Treffen unter Beteiligung von Vertretern des technischen Managements der Marine getroffen wurde. Am Tag zuvor besuchten Vertreter der Flotte, Konstruktionsorganisationen und Anlagenspezialisten den Liegeplatz der «Leninsky Komsomol», untersuchten das Innere des Schiffes, bewerteten den Zustand der Rumpfstrukturen und den Umfang der auszuführenden Arbeiten.

„Die Arbeiten zur Restaurierung des Rumpfes des U-Bootes, zur Herstellung von Stützstellen und zur Vorbereitung des Transportes des U-Bootes mit einem Frachtschiff in die Ostsee werden von Spezialisten der Werft durchgeführt. Die herzustellende Dokumentation der «Leninsky Komsomol», für das Museum wird von SPMB Malachite übernommen, wo das U-Boot einst entwickelt wurde“, erklärt der Pressedienst.

Der Autor des Projekts zur Entwicklung des Museums und des historischen Zentrums in Kronstadt ist die unabhängige Nonprofit-Organisation „Insel der Festungen“. Demnach wird die K-3 «Leninsky Komsomol» als Museumsausstellung ab 2023 seine ersten Besucher empfangen können.

Am 17. Juni 1962 erreichte die K-3 den Nordpol. Dies galt zu diesem Zeitpunkt als Meisterleistung.

Mehr über das U-Boot K-3 «Leninsky Komsomol»

Die Entscheidung, mit dem Bau eines Atom-U-Boots in der Sowjetunion zu beginnen, wurde Anfang der 50er Jahre getroffen. Stalin selbst unterzeichnete am 12. September 1952 ein Dekret „Über das Design und den Bau des Objekts 627“. Mit dem Bau des Atom-U-Bootes K-3 «Leninsky Komsomol», wurde am 24. September 1955 in Sewerodwinsk im Werk Nr. 402 (heute Sevmash-Werft) begonnen und am 9. August 1957 fand der Stapellauf statt. Die Inbetriebnahme durch die Marine erfolgte am 4. Juni 1958.

Am 17. Juni 1962 erreichte die K-3 den Nordpol – eine technische Meisterleistung, die fast vier Jahre zuvor dem ersten US-amerikanischen nuklearen U-Boot USS Nautilus gelungen war. Das U-Boot vermochte auch direkt am Pol aufzutauchen.

1991 wurde das U-Boot aus dem Bestand der Nordflotte entlassen und 2005 vom U-Boot Stützpunkt Gremicha in den Hafenbereich der Nerpa-Werft geliefert, wo eine geplante Verschrottung bevorstand.

Das ehemalige Atom-U-Boot K-3 «Leninsky Komsomol» im Trockendock. Der hinter dem Turm befindende Reaktor wurde bereits ausgebaut und durch eine Nachbildung ersetzt.

Die Nerpa-Werft war die Erste, die mit dem Ringen um die Rettung des U-Bootes begann, nachdem sie die Idee zum Ausdruck gebracht hatte, das Boot zu einem Museum zu machen. Im Jahr 2010 traf der Oberbefehlshaber der Marine die endgültige Entscheidung, das erste Atom-U-Boot, die K-3 «Leninsky Komsomol», nicht zu entsorgen und für die Geschichte aufzubewahren.

Das Bild zeigt das 1. Abteil mit den acht Torpedo-Rohre noch vor der Renovation der U-Bootes.

Bevor Nerpa eine grundlegende Entscheidung über die Finanzierung des Umbaus von K-3 zu einem Museum traf, führte die Werft Arbeiten zum Ausschneiden des Reaktorraums durch, um die Strahlungssicherheit des U-Bootes zu gewährleisten. Es wurde ein Nachbau des Reaktorraums als Ersatz für den ausgeschnittenen Reaktorraum gefertigt, um das ursprüngliche Erscheinungsbild des Bootes wiederherzustellen. Am 19. März 2019 wurden die Umbauarbeiten am U-Boot abgeschlossen. Alle Außenbordöffnungen wurden verschweißt. Das Boot liegt nun im Wasserbereich der Nerpa-Werft in Sneschnogorsk, 25 km von Murmansk entfernt. 

Die K-3 «Leninsky Komsomol» wird zum Liegeplatz geschleppt.

Schwerer Zwischenfall des U-Bootes

Am 8. September 1967 begann auf der K-3 in der norwegischen See nordöstlich der Färöer ein Feuer im 1. Abteil, dem Torpedo-Raum. Das Feuer breitete sich auf das 2. Batterie-Abteil aus. Danach begann der Rauch in das 3. Abteil zu strömen.

Die Situation wurde vom Kommandeur des zweiten Abteils, Kapitänleutnant Anatoly Malyar, gerettet, der es vor seinem Tod schaffte, die Luke von innen zu zuschlagen und so die weitere Ausbreitung des Feuers zu verhindern.

Damit rettete er das U-Boot vor dem Untergang. Trotzdem wurden 39 Seeleute Opfer der Tragödie. Das Boot tauchte notfallmässig auf, und das Feuer konnte gelöscht werden. Bald kamen Retter am U-Boot an, aber die Besatzung weigerte sich das Boot zu verlassen.  Die «Leninsky Komsomol» erreichte unabhängig von Hilfen die Basis.

Trotz der großen Anzahl toter Seeleute wurden kritische Stimmen über das U-Boot vermieden, und nach der Renovation wieder in Dienst gestellt.

Nur 45 Jahre später wurde eine umfassende Untersuchung der Umstände des Vorfalls durchgeführt. Als Ergebnis der Arbeit des Expertenrates der russischen Marine im Jahr 2012 wurde bekannt, dass die Unfallursache technisch war. Flüssigkeit aus dem Hydrauliksystem hatten eine elektrische Lampe getroffen. Die Handlungen des Personals verhinderten den Untergang des Bootes und die Entwicklung eines technischen Unfalls zu einer von Menschen verursachten Katastrophe. Anstelle einer Kupferdichtung wurde eine Unterlagsscheibe aus Paronit eingebaut, die nicht für höheren Drucke ausgelegt war.

Mit dem Dekret des Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, vom 1. September 2014 wurden die 39 Seeleute, die beim Unfall umgekommen waren, posthum mit dem Orden des Mutes ausgezeichnet.

Heiner Kubny, PolarJournal

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