Annäherung der USA an Grönland geht weiter | Polarjournal
Die Thule Air Base ist zwar amerikanisch, doch die Verwaltung des gesamten Geländes oblag bis 2014 einer grönländischen Firma (siehe Truck im Vordergrund). Mit einem Kniff tricksten die USA Grönland 2014 aus und seither war die Verwaltung einer in Dänemark sitzenden Ablegerfirma eines der Regierung nahestehenden Unternehmens übertragen worden. Bild: Jim Yungel /NASA

Die USA haben seit den 1950er-Jahren mit der Luftwaffenbasis Pituffik (auch als Thule Air Base bekannt) einen ständigen Fuss in der Türe nach Grönland. Der Ort wurde damals von Dänemark an die USA kostenlos übergeben, die ansässige Bevölkerung zwangsumgesiedelt. Doch mit der Selbstverwaltung Grönlands änderte sich die Lage und die USA und Grönland hatten einen Deal, der die Verwaltung des Geländes einer einheimischen Firma übertrug. In einer sehr fragwürdigen Aktion 2014 änderten die USA diese Praxis, übertrugen die Rechte einer nahestehenden Firma in Dänemark und verärgerten die Regierung in Nuuk. Seither war die Basis ein Zankapfel zwischen Washington und Nuuk. Doch seit letztem Mittwoch ist dieser Punkt bereinigt.

Die USA und Grönland haben einen Deal abgeschlossen, der sicherstellen soll, dass ein Unternehmen, das einen Vertrag über die Wartung des US-Luftwaffenstützpunkts Pituffik im äussersten Nordwesten des Landes abgeschlossen hat, zur grönländischen Wirtschaft beiträgt. Dies bedeutet die Beseitigung eines der grössten Hindernisse für eine engere Zusammenarbeit zwischen Washington und Nuuk in einer Zeit, in der die USA in der Arktis aufholen wollen. Die am Mittwoch unterzeichnete Vereinbarung enthält eine lange Liste von Anforderungen für Unternehmen, die ein Angebot abgeben möchten, wenn der Mehrjahresvertrag zur Verlängerung im Jahr 2024 ansteht. Dazu gehören, dass der Hauptsitz in Grönland liegen muss, der Sitz des Managements dort liegt und eine Mehrheitsbeteiligung der Firma durch Dänische oder Grönländische Hände gewährleistet ist.

Regierungschef Kim Kielsen unterzeichnete den Vertrag am Mittwoch mit einem Lächeln. Denn der für die grönländische Regierung, die Teilhaber der für die Verwaltung eingesetzten Firma ist, fliessen so wieder Millionen in die Staatskasse. Geld, dass die Verwaltung auch dringend braucht, nicht zuletzt aufgrund der Corona-Pandemie. Bild: Naalakkersuisut

«Für Naalakkersuisut, Inatsisartut und die Menschen in Grönland war es wichtig, dass die amerikanische Präsenz echte und greifbare Vorteile hat.»

Kim Kielsen, Regierungschef Grönland

Die Vereinbarung zur Änderung der Regeln ist ein Sieg für Grönland, das Teilhaber desjenigen Unternehmens ist, welches 2017 den Vertrag zur Wartung der Thule Luftwaffenbasis abgeben musste, nachdem es 46 Jahre lang die Verwaltung gehalten hatte. Der Wert des Vertrages wird in seiner aktuellen Lesart auf 250 Millionen dänische Kronen (ca. € 33.5 Millionen) pro Jahr geschätzt. Während der Vertrag in grönländischer Hand war, war er eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes. Kim Kielsen, Grönlands Ministerpräsident, sagte, das Abkommen sei eine Grundlage für engere Beziehungen zu den USA und würde einen grossen Beitrag dazu leisten, dass Washington Grönland in irgendeiner Form für die Nutzung seines Landes entschädigt. «Für Naalakkersuisut (die gewählte Regierung), Inatsisartut (die Nationalversammlung) und die Menschen in Grönland war es wichtig, dass die amerikanische Präsenz echte und greifbare Vorteile hat.»

Auf Twitter schreibt der Nationale Sicherheitsrat NSC über die erfolgreichen Verhandlungen mit der grönländischen Regierung und Kim Kielsen.

Die Änderung des Abkommens erfolgt inmitten der Bemühungen Washingtons, seine Beziehungen zu Grönland in einer Zeit zu stärken, in der Amerika versucht hat, in der Region Fuss zu fassen, um mit Russland Schritt zu halten und das nicht-arktische China daran zu hindern, Einfluss zu gewinnen. In einem Tweet nach der gestrigen Unterzeichnung hob Robert C O’Brien, ein Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates des Weissen Hauses, der den Präsidenten in Fragen der nationalen Sicherheit und Aussenpolitik berät, die Art und Weise hervor, wie Washington in den letzten Jahren versucht hat, Grönland zu hofieren. «Die USA bauen eine strategische Partnerschaft mit Dänemark auf. Wir erweitern auch unsere Partnerschaft mit Grönland durch unser Konsulat in Nuuk, einschliesslich Handel, Investitionen, Bildung und Sicherheit“, heisst es in dem Tweet.

Die Luftwaffenbasis im Nordwesten Grönlands ist seit 1953 in Betrieb und soll sowohl den US-amerikanischen Luftraum wie auch den der NATO-Partner überwachen und schützen. Auch das US-Space Commando für Weltraumverteidigung hat einen Teil seiner Anlagen hier. Pro Jahr starten von hier rund 3’000 Flüge und die 3 km lange Piste kann auch die grössten strategischen Bomber der US-Luftwaffe starten und landen lassen. Bild: Heiner Kubny

«Dies war eine Frage von grundlegender Bedeutung für Grönland, da die amerikanische Basis auf Land liegt, das wir zur Verfügung gestellt haben.»

Steen Lynge, Aussenminister von Grönland

Grönland, ein selbstverwaltendes Land, das Teil des Königreichs Dänemark ist, versucht, sich politisch und wirtschaftlich von Kopenhagen abzusetzen und hat die Aufmerksamkeit begrüsst, die Washington ihm gezeigt hat. Es ist jedoch seit langem klar, dass es eine seiner Hauptprioritäten ist, sicherzustellen, dass Grönland wirtschaftlich von der US-Präsenz in Pituffik profitiert. «Dies war eine Frage von grundlegender Bedeutung für Grönland, da die amerikanische Basis auf Land liegt, das wir zur Verfügung gestellt haben», sagte der grönländische Aussenminister Steen Lynge.

«Dies zeigt, dass Grönland aus US-Sicht sehr wichtig ist.»

John Rabhek-Clemmensen, Danish Defence College

«Mit allem ausser der  Sicherstellung, dass ein grönländisches Unternehmen die Ausschreibung gewinnt, zeigt Washington, dass es die Besorgnis Grönlands über seine Präsenz dort ernst nimmt und gleichzeitig dazu beiträgt, seine Position in der Region zu stärken», meint Jon Rabhek-Clemmensen, ein Akademiker der dänischen Verteidigungsakademie Forsvarsakademiet. «Das Geld müsste sowieso ausgegeben werden, aber hier sorgen sie dafür, dass Grönland etwas daraus macht», sagte er. «Dies zeigt, dass Grönland aus US-Sicht sehr wichtig ist.»

Nahe der Luftwaffenbasis im Nordwesten Grönlands liegt die erste Siedlung Qaanaaq, in die die Bewohner von Pituffik und Dundas, den Orten, die auf dem Gelände der Basis lagen, 1953 zwangsumgesiedelt worden waren. Da die US-Regierung den Kontakt mit den Grönländern als «ungesund» betrachtete, wurden die Bewohner nochmals 100 km weiter nördlich umgesiedelt zum heutigen Qaanaaq. Erst 2003 erhielten die Bewohner eine Entschädigung von der dänischen Regierung für das Unrecht der Umsiedlung. Bild: Michael Wenger

In Übereinstimmung mit der amerikanischen Politik zahlt Washington Grönland keine Entschädigung für die Nutzung des von der Thule Air Base besetzten Landes, das Anfang der 1950er Jahre in dem als Pituffik bekannten Gebiet errichtet wurde, nachdem seine Bewohner gewaltsam umgesiedelt worden waren. Ab 1971 und bis 2017 wurde eine Firma namens Greenland Contractors vom Pentagon bezahlt, um Wartungs- und andere zivile Dienstleistungen auf der Basis zu erbringen. Grönland Contractors stellte nicht nur rund 500 Mitarbeiter für die Arbeit bei Thule ein, sondern bot auch Praktika für junge Grönländer an. Bei der jüngsten Ausschreibung im Jahr 2014 verloren Greenland Contractors jedoch an Vectrus Services, eine dänische Tochtergesellschaft eines amerikanischen Unternehmens, das damals als Exelis bekannt war. Grönland betrachtete die Entscheidung als Verstoss gegen die Bestimmungen einer Vereinbarung, wonach der Vertragsinhaber ein dänisches oder grönländisches Unternehmen sein muss, und setzte sich lange dafür ein, dass die Entscheidung geändert wird. Im Jahr 2015 hatten grönländische Auftragnehmer zusammen mit zwei anderen an der Ausschreibung beteiligten Unternehmen die Angelegenheit vor ein Gericht in den USA gebracht. Nach dem Gewinn vor einem tieferen Gericht wurde das Angebot von einem Bundesberufungsgericht für gültig erklärt, wodurch die Anfechtung beendet wurde. Mit der gestrigen Vereinbarung hat Washington anscheinend zurückgegeben, was weggenommen wurde.

Kevin McGwin, The Rasmussen (Text)

Kevin McGwin ist ein Journalist, der seit 2006 über Grönland und die Arktis schreibt. Zwischen 2013 und 2017 war er Herausgeber von The Arctic Journal. Sein jüngstes Projekt The Rasmussen wird im Geiste von The Arctic Journal fortgesetzt und bietet „regionale Nachrichten mit einer globalen Perspektive“. Darüber hinaus schreibt er regelmässig Beiträge für Arctic Today, gelegentlich Beiträge für die grönländischen Wochenzeitungen Sermitsiaq und AG und hat für eine Vielzahl anderer Websites im Zusammenhang mit der Arktis geschrieben.

Webseite: The Rasmussen

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