Museum auf Südgeorgien öffnet virtuelle Tür | Polarjournal
Das naturhistorische Museum von Südgeorgien öffnet wegen COVID und fehlenden Besuchern seine Türen virtuell für die Öffentlichkeit.

Wer Südgeorgien ansteuert, muss in Grytviken auf jeden Fall einen Stopp einlegen und sich anmelden. Denn in der ehemaligen Walfangstation liegt auch das Verwaltungszentrum und ist somit eigentlich der Hauptort der Insel. Ein Highlight beim Besuch des Ortes ist auf jeden Fall das Museum, das auch als Souvenirshop und Postamt fungiert. Doch auch hier spürt man die Auswirkungen der COVID-Pandemie, denn Besucher werden dieses Jahr aufgrund der abgesagten Antarktissaison ausbleiben. Doch die Verwaltung des Museums nutzt die Gelegenheit und präsentiert sich nun virtuell der Öffentlichkeit.

Das Museum präsentiert sich auf seiner neuen Webseite frisch und innovativ für die interessierten Besucher. Dabei wurde grossen Wert auf einfache Bedienung und offene Darstellung gelegt. In Weiss und Orange gehalten präsentiert die Webseite neben den üblichen Aspekten wie Geschichte des Museums und der angrenzenden Kirche, News und Informationen über die Museumsmitarbeiter vor allem zwei grosse Neuerungen: einen virtuellen Rundgang durch das Museum und ein «Objekt des Monats»-Service.

Beim virtuellen Rundgang, der auf der Webseite www.antarctic.eu von Rolf Stange vorliegt, kann das gesamte Gelände der Walfangstation und des Museums abgelaufen werden. Dabei nutzt die Seite hochaufgelöste Panorama-Bilder von Rolf Stange. Damit kann der Besucher in die Ausstellungen eintauchen. Bild: Screenshot von antarctic.eu

Für den virtuellen Rundgang durch das Museum stehen dem Besucher zwei Möglichkeiten zur Wahl: entweder via interaktivem Plan des Museum, bei dem jeder Ausstellungsraum anklickbar ist und zu einer Bildergalerie der darin enthaltenen Ausstellungsstücke führt; oder via Link zur Webseite von Polarguide und Fotograf Rolf Stange, der mit seinen hochaufgelösten Panorama-Bildern den Besucher auf eine virtuelle Tour durch das Museum mitnimmt. «Wir wollten einen Weg finden, wie jeder bildlich durch die Türen gehen und die fantastischen und breitgefächerten Sammlungen sehen kann», meint Sarah Lurcock, die Museumsdirektorin.

Im Museum sind in den verschiedenen Räume Stücke und Objekte ausgestellt, die teilweise einzigartig sind und von der wechselvollen Geschichte Südgeorgiens zeugen. Besonderes Highlight sind die genaue Nachbildung der James Caird, dem Beiboot von Shackleton, mit dessen Hilfe er nach Südgeorgien gesegelt war, und diverse Ausrüstungsgegenstände der Expedition. Bild: Heiner Kubny

Auch der monatliche Service «Objekt des Monats» ist ein neuer Aspekt, der auf der Museumswebseite die Fans der Insel faszinieren soll. Dabei wird jeden Monat ein spezifisches Objekt aus dem Museum vorgestellt und genauer erklärt werden. Besonders interessant ist dabei auch die Tatsache, dass die Webseite nicht nur die ausgestellten Stücke zeigt, sondern auch hinter die Kulissen blicken lässt und Teile präsentiert, die normalerweise sicher verstaut im Archiv liegen. Die neu ernannte Kuratorin des Museums, Jayne Pierce, ist sehr glücklich über die neuen Möglichkeiten: «Sie gibt uns eine tolle Plattform, um die Menschen über das Museum zu informieren, besonders da es bis September 2021 geschlossen sein wird. Auf der positiven Seite haben wir nun einen Ort, an dem wir innovative Präsentationen testen können.»

Neben den geschichtlichen Aspekten vermittelt das Museum auch Informationen zu den Tieren und Pflanzen, die auf Südgeorgien ein einmalige Ökosystem mit der Umgebung bilden. Dazu gehören auch lebensgrosse Objekte wie ein Seeleopardenschädel oder ein Zahnwal. Bild: Heiner Kubny

Die Idee für eine neue und interaktive Seite ist nicht neu, sondern war aufgrund der abgeschiedenen Lage des Museums schon länger ein Wunsch der Museumsdirektorin. Die Tatsache, dass durch die Pandemie wohl kaum Gäste den Weg nach Südgeorgien finden werden, da die Saison von allen namhaften Reedereien abgesagt worden ist, dürfte aber das Ganze beschleunigt haben. Sowohl der South Georgia Heritage Trust, der für das Museum verantwortlich ist, wie auch die drei am Projekt beteiligten Frauen, Direktorin Sarah Lurcock, Kuratorin Jayne Pierce und Webdesignerin Marie Shaft, hoffen, dass die neue Webseite Anklang finden wird. «Hoffentlich haben wir es geschafft, die neue Webseite spannend zu gestalten, damit die Leute weiterhin vorbeischauen und über Südgeorgien lesen werden. Wir haben die Absicht, eine Online-Ausstellung zu starten – eine grosse Herausforderung für unser kleines Team. Aber eine, die wir mit grossem Enthusiasmus angehen werden.» Die Webseite ist zurzeit nur auf Englisch, aber via Übersetzungsprogramme, die in den Webbrowsern wie Chrome oder Microsoft Edge eingebaut sind, sind auch alle anderen Sprachen möglich.

Dr. Michael Wenger, PolarJournal

Link zur Webseite des Museums: South Georgia Museum

Link zum virtuellen Rundgang durch das Museum und Grytviken auf der Webseite von Rolf Stange
Grytviken & Museum

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