Falklands ab Samstag offiziell Landminen-frei | Polarjournal
Mehr als 38 Jahre lang blieben die Strände rund um die Hauptstadt Port Stanley auf den Falklandinseln ein gefährlicher Ort. Denn die Landminen, die von Argentinien 1982 ausgelegt worden waren, konnten jederzeit hoch gehen. Um Touristen und Bevölkerung zu schützen, wurden Stacheldraht und Schilder aufgestellt. Pinguine hatten aufgrund ihres geringeren Gewichtes kaum Minen ausgelöst. Bild: Michael Wenger

Als Argentinien 1982 die Falklandinseln überraschend besetzte, dachte die damalige militärische Führung in Buenos Aires eigentlich, dass Grossbritannien nicht eine militärische Lösung einschlagen würde. Doch die Regierung in London ging auf vollen Konfrontationskurs und Argentinien legte zum Schutz einer Invasion tausende von Landminen aus, vor allem an den Stränden. Nach Ende des Konflikts blieben diese bis 2009 gesperrt, bis die Gefahr beseitigt würde. Nun hat die mit den Räumungen beauftragte Firma alle Bereiche gesäubert und nur noch eine Mine bleibt übrig. Diese soll am Samstag bei einem offiziellen Festakt gesprengt werden.

Nach 38 Jahren soll die letzte Mine bei Gypsy Cove, nahe Stanley von einem Lotteriegewinner gesprengt werden. Danach darf ein zweiter Glückspilz den Draht offiziell durchschneiden und damit den letzten Strand für die Öffentlichkeit offiziell eröffnen. Ganz nach britischer Manier sollen dann ein Cricket-Spiel und ein Fussballspiel am Strand durchgeführt werden. Wer dies Sprengung lieber vom Wasser aus beobachten möchte, kann dies auch tun, wie die Hafenbehörde bekanntgemacht hat. Abends soll dann noch eine Feier den Jubeltag abschliessen. So sieht es der Plan der Falklandregierung vor, um diesen historischen Moment entsprechend zu feiern. Interessanterweise äusserten die Behörden für den Samstag aber dennoch eine Warnung für die Strandbesucher: Man solle Rücksicht auf die Pinguine nehmen und den Abstand zu den Bauten und den Tieren gewährleisten.

Tausende solcher Landminen gegen Personen und Fahrzeuge hatten die Argentinier 1982 auf den Falklandinseln vergraben. Zwar waren die Gebiete, wo diese Minenfelder lagen, mehr oder weniger bekannt. Doch die Räumungen sind eine kostspielige und sehr gefährliche Angelegenheit, die von Spezialisten durchgeführt werden. Seit 2009 war dafür SafeLane Global auf den Falklandinseln am Werk. Bild: Dynasafe BACTEC Ltd.

„Das ist eine enorme Leistung für die Inseln und wir müssen dem brillianten Team von Minenräumern Respekt zollen.“

Wendy Morton, Ministerin für Europäische Nachbarschaft und Amerika

Auch die britische Regierung ist von der Nachricht, dass ihr Überseegebiet endlich von der Plage der Landminen befreit ist, begeistert. Denn 1997 hatte Grossbritannien die Ottawa-Konvention unterzeichnet. Diese verbietet die Nutzung, Ansammlung, Produktion und Weitergabe von Anti-Personen-Minen. Die Ministerin für Europäische Nachbarschaft und Amerika Wendy Morton meint gegenüber der Presse: «Das ist eine enorme Leistung für die Inseln und wir müssen dem brillianten Team von Minenräumern Respekt zollen, die jeden Tag ihr Leben aufs Spiel setzen, um Landminen zu entfernen und zu zerstören und so die Falklandinseln sicher machen.».

„Für Argentinien hätte dieser Prozess gemeinsam durchgeführt werden müssen.“

Daniel Filmus, argentinischer Minister für die Malwinen, Antarktisgebiete und Südatlantik

Auf der anderen Seite hat Argentinien durch Daniel Filmus, den Minister für die Malwinen, antarktischen Gebiete und Südatlantik öffentlich den Alleingang Grossbritanniens in der Frage der Minen kritisiert. Man hätte dieses Problem gemeinsam lösen sollen. Man habe schliesslich das Problem auch gemeinsam dem Ottawa-Gremium präsentiert. Man habe aber der britischen Regierung jetzt vorgeschlagen, eine gemeinsame Präsentation zur Minenräumung an der nächsten Konferenz der Konventionsstaaten abzuhalten, damit Argentinien auch bestätigt werden würde, seine Verpflichtung der Ottawa-Konvention eingehalten zu haben. Doch eine Antwort aus London sei bisher ausgeblieben, moniert der Minister. „Argentinien strebt an, dass die Abschlusspräsentation gemeinsam durchgeführt werden kann und auf diese Weise dem humanitären Zweck der Minenräumung entspricht“, und gleichzeitig „hört Großbritannien auf die UN-Resolution und den Aufruf der meisten Länder der Welt, die Souveränitätsverhandlungen wieder aufzunehmen“, sagte Minister Filmus.

Die Minen sind seit 2009 von einem Team aus Simbabwe Stück für Stück gesucht, ausgegraben und gesprengt worden. Zwar hatten britische Spezialkräfte einen Teil direkt nach dem Krieg geräumt, aber die dabei entstandenen Verluste waren zu hoch und deshalb suchte man einen besseren Weg. Mit SafeLane Global hatte man 2009 eine Expertenfirma mit der Aufgabe betrauen können. Bild: SafeLane Global

Eigentlich war das Programm am 10. Oktober mit dem Auffinden der letzten Mine beendet. Um aber den historischen Moment richtig begehen zu können, wurde nun noch ein Monat mit Vorbereitungen verbracht. Und das war auch kein Problem, denn die Falklandinseln mussten mehr als 38 Jahre auf diesen Moment warten. Erst 2009 begann die Spezialfirma SafeLane Global mit der Räumung. Dabei kam ein Team aus Simbabwe zum Einsatz. CEO Adam Ainsworth meint dazu: «Als Firma könnten wir nicht stolzer auf unsere Minenräumer sein, die ihr Leben riskiert haben, um die Falklands von dieser explosiven Gefahr zu befreien. Wir werden auch für immer den Menschen auf den Falklandinseln dankbar sein, die uns 11 lange Jahre willkommen geheissen und zu uns geschaut haben, die es brauchte, um über 20’000 Minen sicher zu entsorgen.»

Für die Menschen auf den Falklandinseln können nun wieder bessere Zeiten anbrechen und Abendspaziergänge an einem Strand zur Normalität werden. Für Pinguine hingegen dürften die ruhigen Zeiten vorbei sein. Symbolbild: Michael Wenger

Der Konflikt um die Falklandinseln, der 1982 mit bewaffneten Mitteln ausgetragen worden war, schwelt schon lange zwischen Argentinien und Grossbritannien. Doch vor der Invasion am 2. April 1982 war er rein rhetorischer Natur. Erst der argentinische Angriff liess die britische Regierung mehr Augenmerk auf die Inseln im Südatlantik legen, die Befreiung wurde zur Chefsache und sicherte Margret Thatcher das politische Überleben während es den Sturz der Militärjunta in Argentinien beschleunigte. Zwischen den Fronten standen und stehen immer noch die rund 2’700 Einwohner des Archipels, die den 14. Juni 1982, den Befreiungstag, als wichtigstes Datum in ihrem Kalender sehen. Vielleicht wird der 14. November 2020 mindestens einen ebenso hohen Stellenwert erhalten.

Am Denkmal zum Falklandkrieg in Stanley werden jährlich am 14. Juni, dem Befreiungstag aus argentinischer Besetzung, Kränze niedergelegt. Auf den Schildern stehen die 255 Namen der gefallenen britischen Soldaten. Auf argentinischer Seite verloren 649 Soldaten ihr Leben. Der Konflikt um die Inseln wurde mit der Niederlage Argentiniens aber nicht beendet, sondern wird von der gegenwärtigen argentinischen Regierung wieder rhetorisch angefacht. Bild: Michael Wenger

Dr. Michael Wenger, PolarJournal

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