Permafrost nicht Ursache der Ölkatastrophe in Norilsk | Polarjournal
Durch eine Fehlkonstruktion und ungenügende Wartung kam es am 29. Mai 2020 zu einer der grössten Ölkatastrophen, bei der 21.000 Tonnen Kraftstoff in die Natur floss. (Foto: Denis Kozhevnikov)

Der Grund für die Verschüttung von Dieselkraftstoff der Norilsk-Taimyr Energy Company waren Verstöße während des Baus und des Betriebs der Tankanlage. Zu diesem Ergebnis kam die staatliche technische Überwachungsbehörde «Rostekhnadzor» nach der Prüfung der Ölkatastrophe. Es wurden keine Anzeichen von schmelzendem Permafrost unter dem Fundament des Reservoirs gefunden, aus dem 21.000 Tonnen Kraftstoff ausgelaufen waren.

Ein grosser Teil des ausgelaufenen Dieselkraftstoffes floss in den Fluss Ambarnaya und konnte teilweise aufgefangen werden. (Foto: Marine Rescue Service)

Der Bericht stellt fest, dass die Spezialisten technische und geologische Untersuchungen der Bodenbasis in der Kollapszone durchgeführt haben. Sie entdeckten Konstruktionsschwächen und Mängel beim Bau des Pfahlfundaments des Lagertanks. Infolgedessen ruhten einige der Pfähle nicht auf dem felsigen Untergrund, was zu einer ungleichmäßigen Verteilung der Last führte. Zudem wurden „keine Anzeichen einer Verschlechterung des Permafrosts unter dem Fundament und im angrenzenden Gebiet gefunden.“ heißt es in dem Bericht.

«Rostekhnadzor» stellte fest, dass der Tank im Jahr 2015 zur Reparatur ausser Betrieb genommen wurde und auch nach Beginn seiner Wiederinbetriebnahme im Jahr 2019 nicht kontrolliert worden war, da die Aufsichtsbehörden nicht informiert wurden. Das heisst, dass der Lagertank seit 2015 nicht mehr unter staatlicher Aufsicht stand. Insbesondere die Produktionskontrolle im Unternehmen war unzureichend organisiert. Die regelmäßige technische Prüfung des Fundaments und die geotechnische Beobachtung wurden nicht durchgeführt.

Im weiteren Umkreis des beschädigten Lagertanks musste das Erdreich weiträumig abgetragen werden. (Foto: Kirill Kukhmar)

„Nach vorläufigen Erkenntnissen war der Unfall das Ergebnis von ‘technischen und organisatorischen Verstößen’, die sowohl beim Bau des Lagertanks als auch während seines Betriebs begangen wurden“, heißt es in einer Erklärung des Ministeriums.

Die Untersuchung stellte auch Verstöße in den Aktivitäten der Expertenkommission fest, die mit dem Lagertank arbeitete. Die Kommission genehmigte den Betrieb des Tanks bis September 2022 und gab eine Empfehlung ab, die eine Erhöhung des Füllstands um ein Viertel ermöglichte.

Die Zusammenfassung der Endergebnisse und die Unterzeichnung der technischen Untersuchung des Unfalls erfolgt auf der letzten Sitzung der Kommission in der Jenissei-Abteilung von «Rostechnadzor». Sie findet heute Freitag, den 13. November statt.

Zuvor hatte Norilsk Nickel das Schmelzen von Permafrost unter dem Fundament des Reservoirs als Ursache für den Notfall angekündigt. Infolge des Absinkens der Fundamentstützen des Lagertanks im Mai 2020 liefen 21.000 Tonnen Dieseltreibstoff in Bäche und den Fluss Ambarnaya, sowie in den Boden. «Rosprirodnadzor» hat die Umweltschäden auf 148 Mrd. Rubel (12,6 Milliarden Euro) geschätzt. Norilsk Nickel bestreitet den Umfang und Höhe des Schadens.

Heiner Kubny, PolarJournal

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