Ehrgeiziges Projekt einer Luftbrücke in Chukotka | Polarjournal
Eine Seilbahn soll Anadyr und den Flughafen auf der anderen Seite der Flussmündung zuverlässig verbinden. (Foto: ruscable.ru)

Die Hauptstadt von Chukotka, Anadyr und das Dorf Ugolnyje Kopi, in dem sich der Flughafen befindet, sind durch eine Flussmündung getrennt. Nun soll eine stabile Ganzjahresverbindung zur Sicherung des Verkehrsweges gebaut werden. «Transliman», eine Luftseilbahn soll es richten. Die Planer des Projekts und Vertreter der Regierung stellten die Initiative potenziellen Partnern des Projekts auf einer Investitionssitzung in Moskau vor.

Die Stadt Anadyr liegt im äussersten Osten von Russland und ist 9 Zeitzonen von der Hauptstadt Moskau entfernt. Die Hauptstadt des Autonomen Kreises der Tschuktschen zählt zirka 16.000 Einwohner. (Plan: Heiner Kubny / Google)

Das Haupttransportproblem in der Region ist heute das Fehlen einer zuverlässigen Verbindung zwischen der Stadt Anadyr und dem Flughafen in Ugolnyje Kopi.

Im Winter, d.h. ab zirka Dezember bis April ist die Flussmündung zugefroren. Über eine Eisstrasse ist die Verbindung trotzdem gewährleistet. In eisfreien Monaten verkehren klapprige Fähren. In den Zwischenmonaten ist es gelegentlich schwierig das andere Ufer zu erreichen. Da helfen zeitweise Hubschrauber. Trotz der offensichtlichen Vielfalt der Fahrzeuge bietet keine der Transport-Optionen regelmäßigen Passagier- und Güterverkehr. Gleichzeitig beträgt der Verkehr über die Anadyr-Mündung mehr als 60.000 Menschen pro Jahr, von denen 80% Fluggäste sind.

In den Wintermonaten ist die Stadt Anadyr und der Flughafen über die zugefrorene Flussmündung relativ gut miteinander verbunden. (Foto: Heiner Kubny)

Die Idee der Luftbrücke, die den Flughafen zuverlässig mit der regionalen Hauptstadt verbindet, wurde vom Gouverneur von Tschukotka, Roman Kopin, und den Bundesbehörden unterstützt, die vom bevollmächtigten Vertreter des Präsidenten im fernöstlichen Bundesbezirk, Juri Trutnew, vertreten werden. Die vorherige öffentliche Präsentation des Projekts fand auf der EEF-2019 (Eastern Economic Forum) in Wladiwostok statt. Zu diesem Zeitpunkt betraf die Studie hauptsächlich eine technologische Lösung. Im vergangenen Jahr hat die Initiative erheblich Gestalt angenommen. Heute handelt es sich um ein Konzessionsprojekt mit klarer sozialer Ausrichtung. Mit Hilfe der Seilbahn soll nicht nur das Problem des Transfers von Fluggästen gelöst, sondern auch der Zugang der Bewohner von Ugolnyje Kopi und einiger umliegender Dörfer zur sozialen Infrastruktur von Anadyr vereinfacht werden. „Die Schaffung einer ganzjährigen Verkehrsanbindung bedeutet die Schaffung eines Ballungsraums mit 20.000 Einwohnern“, heißt es in der Präsentation des Projekts.

Heute unzuverlässige Verbindung

Die heutigen Kosten für die Überfahrt reichen von 200 Rubel für ein Ticket auf dem Fährboot bis 2800 für eine Fahrt mit einem Luftkissenfahrzeug. Diese Überfahrten sind aber nur im Sommer möglich und zeitweise sehr unzuverlässig. Der Fahrplan wird meist bei Ankunft eines Flugzeuges eingehalten, mehr Passagiere bringen eben mehr Umsatz. Am Abend und am frühen Morgen ist eine Überfahrt praktisch unmöglich.

Im Sommer verbinden einige klapprige Fährschiffe die Ufer des Anadyr-Flusses. Einen eigentlichen Fahrplan existiert nicht. Im Frühjahr und Herbst, wenn das Eis im Fluss schmilzt und voller treibender Eisschollen ist, ist das einzige Transportmittel zum Flughafen der Hubschrauber. (Foto: Heiner Kubny)

Die Seilbahn «Transliman» muss das ganze Jahr über einen barrierefreien Transport zu einem Ticketpreis von 500 Rubel bieten. Die Linie kann zu jeder Tageszeit verkehren und Passagiere und Fracht transportieren. Es gibt natürlich Wetterbeschränkungen, aber die Toleranz ist viel größer als bei jedem anderen Transportmittel. Der Betrieb ist bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 25 m/s und Temperaturen von bis zu –60 Grad Celsius möglich.

Die Wirtschaftlichkeit von «Transliman» liegt vor allem in einer nicht standardmäßigen technischen Lösung. Bei der Luftseilbahn von Anadyr handelt es sich um eine Konstruktion mit sechs Stützen mit einer Höhe von 80 bis 110 Metern. Deren Spitzen sind durch tragende statisch gespannte Seile verbunden. Der Abstand zwischen den Stützen beträgt etwa einen Kilometer. Vier selbstfahrende Kabinen bewegen sich entlang der Seile, von denen zwei mit Dieselmotoren ausgestattet sind, und zwei weitere – mit elektrischer Traktion. Das Überqueren der Flussmündung dauert etwa 25 Minuten. Die maximale Transportkapazität beträgt 280 Personen pro Stunde oder 20 Tonnen Fracht.

Die Inbetriebnahme der Anlage unter Berücksichtigung der Unzugänglichkeit des Gebietes, der besonderen klimatischen Bedingungen und der Saisonalität der Arbeiten ist für den Winter 2023-2024 geplant. Nach vorläufigen Schätzungen können sich die Investitionskosten für das Projekt auf etwa 2,7 Milliarden Rubel (30 Millionen Euro) belaufen.

Heiner Kubny, PolarJournal

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