Zügelpinguine in der Antarktis neu gezählt | Polarjournal
Auf den vulkanisch aktiven Südsandwichinseln brüten die meisten Zügelpinguine dank der Hänge der Vulkane. Durch die aufsteigende Wärme sind diese Orte fast schneefrei, bieten genügend Nestbaumaterial und die Gewässer rund um den Archipel sind futterreich. Doch Ausbrüche können mit einem Schlag die Population dort dezimieren. Bild: Michael Wenger

Zügelpinguine, auch Kehlstreifenpinguine genannt, gehören zu den prominenten Bewohnern der Antarktis. Die schwarzweissen Vögel mit ihrem charakteristischen Streifen an der Kehle nisten an bekannten Besucherorten wie Half Moon Island und Deception Island. Ausserdem bilden sie auf Zavodovski Island, eine Insel des Südsandwicharchipels die grösste bekannte Pinguinkolonie mit rund 1.5 Millionen Tieren. Eine Untersuchung eines internationalen Teams hat nun gezeigt, dass die Meeresvögel in den vergangenen 30 Jahren vor allem an der antarktischen Halbinsel einen markanten Rückgang erlebt haben könnten.

Die Studie von Doktorand Noah Strycker von der Stony Brook Universität in den USA kommt zum Ergebnis, dass gegenwärtig zwar rund 3.42 Millionen Brutpaare von Zügelpinguinen in 375 Kolonien vorkommen. Doch ein Vergleich mit Zahlen von Kolonien an der antarktischen Halbinsel, die schon länger unter Beobachtung stehen, zeigt, dass bei 45 Prozent aller dieser Kolonien ein Rückgang der Population stattgefunden hat und nur 18 Prozent einen Zuwachs verzeichnen konnten. Die Forscher schreiben aber auch, dass die Zahlen schwierig zu vergleichen ist mit früheren Zahlen der Gesamtpopulation. Denn das Team verwendete neben den üblichen Zählmethoden vor Ort auch neueste Technologien wie hochaufgelöste Satellitenaufnahmen, fix installierte Kameras des Projektes «Penguinwatch» und Drohnenaufnahmen. Damit konnten die Forscher zum ersten Mal eine umfassende Studie über Zügelpinguine erstellen und die Resultate jetzt in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlichen.

Die Karten aus der Studie zeigen auf der einen Seite das gesamte Verbreitungsgebiet der Zügelpinguine (links) und auf der anderen Seite den Populationsverlauf der Kolonien an der antarktischen Halbinsel. Denn hier fanden die Forscher die am längsten verfügbaren Datensätze. Es zeigt sich, dass an den meisten Orten die Kolonien geschrumpft sind. Bild: Strycker et al (2020)

Die meisten Zügelpinguine leben nach Einschätzung der Forscher auf dem Südsandwich-Archipel, wo rund 2.7 Millionen Tiere leben dürften. Allein auf der Insel Zavodovski könnten es etwa 1.5 Millionen sein. Da aber die Inseln erst seit neuestem genauer unter Beobachtung stehen, sind Vergleiche mit früheren Schätzungen nicht möglich. Auf den Südorkney-Inseln schätzen die Forscher noch weitere 1.9 Millionen Tiere insgesamt und auf Elephant Island 0.5 Millionen. Die kleinsten Populationen der markanten Pinguine finden sich auf den abgelegenen Inseln Bouvet im Indischen Ozean und Balleny in der Ostantarktis. Insgesamt 375 von vermuteten 398 Kolonien konnten die Forscher in ihrer Arbeit bestätigen, vor allem dank der Satellitenaufnahmen.

Zügelpinguine sind in erster Linie von Krill als Nahrung abhängig. Das erklärt die massive Verbreitung entlang der antarktischen Halbinsel und den Südsandwich-Inseln. Denn dort liegen auch die grössten Krillgebiete. Doch aufgrund der Wassererwämung auf der Westseite der Halbinsel sind Kolonien wie auf Half Moon Island durch Nahrungsmangel stark gefährdet. Bild: Michael Wenger

Als Grund für den Rückgang der Zügelpinguinkolonien an der Westseite der antarktischen Halbinsel vermuten die Wissenschaftler einen Zusammenhang mit dem reduzierten Krillangebot, das wiederum mit dem schwindenden Meereis zu tun hat. Zügelpinguine sind auf Krill als Nahrung angewiesen, ähnlich wie die verwandten Adéliepinguine. Als zusätzlichen Druck vermuten die Forscher aber auch die zunehmende Krillfischerei, da Zügelpinguine eher in denselben Gebieten auf Nahrungssuche gehen wie die Krillfischerboote. Einen Zusammenhang mit wieder steigenden Wal- und Robbenzahlen als Nahrungskonkurrenten schliesst das Team in ihrer Arbeit eher aus. Auch einen schlechteren Bruterfolg in den Sommermonaten erklärt den Rückgang nicht. Vielmehr soll nach Ansicht der Forscher das Augenmerk auf die Überwinterungsperiode gelegt werden. Denn hier vermuten sie einen wichtigen Faktor. Doch sie hoffen, vor allem in Zukunft auch mehr Daten von den bisher kaum beobachteten Plätzen wie den Südsandwichinseln oder den Südorkneys zu erhalten. Ihre Arbeit sehen sie als eine Art Startlinie für zukünftige Vergleichsstudien, um mehr über Zügelpinguine zu erfahren. Denn diese Art könnte auch ein Zeiger für den Zustand der Antarktis und die Auswirkungen der Klimaveränderungen in der weissen Wildnis sein.

Dr. Michael Wenger, PolarJournal

Link zur Studie: Strycker, N., Wethington, M., Borowicz, A. et al. A global population assessment of the Chinstrap penguin (Pygoscelis antarctica). Sci Rep 10, 19474 (2020). https://doi.org/10.1038/s41598-020-76479-3

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