Ringelrobben bleiben geschützt in den USA | Polarjournal
Ringelrobben sind in der gesamten Arktis verbreitet und kommen in 5 Unterarten vor. Die durchschnittlich nur knapp 70 Kilo schweren und rund 130 cm langen Tiere sind sowohl für Eisbären wie auch für Inuit eine wichtige Nahrungsgrundlage. Aus dem namensgebenden Fell werden zahlreiche Kleidungsteile hergestellt. Ringelrobben gelten, je nach Unterart, als die häufigsten oder seltensten Robben der Arktis. Bild: Michael Wenger

In den USA gehört der Endangered Species Act (EAS) zu den wichtigsten Schutzgesetzen für Tiere. Denn jede Art, die in diesem Gesetz aufgelistet wird, steht unter Bundeschutz. Dazu gehört dann auch der entsprechende Lebensraum, den die Tierart benötigt. Prominentestes Beispiel war der Eisbär, der 2008 und dann endgültig 2013 unter Schutz gestellt worden war. Auch andere Arktisbewohner stehen aufgrund des Klimawandels auf der Liste der ESA, darunter die Ringelrobbe. Eine Gruppe von verschiedenen Organisationen hatten eine Petition bei den Bundesbehörden eingereicht, die Ringelrobbe von der Liste zu nehmen. Diese Petition wurde nun abgelehnt.

Der National Marine Fisheries Service, der zur bekannten NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) gehört, schrieb in einer Erklärung, dass die Petition «keine wesentlichen wissenschaftlichen oder kommerziellen Informationen enthalten, die darauf hinweisen, dass die beantragte Massnahme gerechtfertigt sein könnte». Damit bleibt der Status der Ringelrobben in US-amerikanischem Gebiet weiterhin unverändert und sie bleibt unter dem Schutz des ESA, den die Art seit 2012 geniesst. Das Nachsehen haben die Initianten der Petition, die allesamt aus Alaska stammen und zu denen unter anderem der Leiter der Wildtierschutzabteilung der staatlichen Fisch- und Wildtierbehörde ADFG gehört, wie Arctic Today schreibt.

Die Felle von Ringelrobben werden von den Inuit, die das Recht haben, eine bestimmte Zahl von Robben für den Eigengebrauch zu erlegen, für zahlreiche Kleidungsstücke verwendet. Eine kommerzielle Jagd ist aber unter dem ESA in den USA verboten. Symbolbild: Michael Wenger

Der Entscheid der Behörde trifft bei den Initianten der Petition nicht auf grosses Verständnis. Ihrer Meinung nach wird mit der Auflistung der Art das Existenzrecht der Inuit eingeschränkt und auch die Möglichkeit einer ökonomischen Nutzung verhindert. Damit würden auch Arbeitsplatz- und Einkommenschancen im Staat verringert. Ihrer Meinung nach hätten sie genügend neue Informationen und sogar neueste wissenschaftliche Resultate vorlegen können, die zeigen, dass Ringelrobben nicht bedroht seien. Sie würden den klimatischen Veränderungen eine grössere Anpassungsfähigkeit entgegenbringen, als bisher angenommen, argumentieren die Petitionäre. Ausserdem könne man die die Eisentwicklung im Lebensraum der Ringelrobben nicht derart weit (bis 2100) mit Sicherheit vorhersagen, ist ein weiteres Argument. Während die Initianten der Petition ebenfalls angeben, die Zahl der Ringelrobben sei mit geschätzten zwei Millionen Tieren hoch genug, um sie von der Liste zu nehmen, ist nach Angaben der NOAA auf amerikanischem Gebiet von höchstens 300’000 Tieren auszugehen.

Die Organisationen, die ihre Unterschrift unter die Petition gesetzt haben, gehören auch zu den Befürwortern der Öl- und Gasförderung im ANWR, besonders am North Slope, dem Küstengebiet des ANWR. Auch hier sind Entscheidungen hängig und es herrscht ein Rennen vor dem Machtwechsel in Washington.

Interessanterweise liest sich die Unterschriftsliste der Petitionäre neben den Wildtierbehörden wie ein Who-is-who der Ölförderbefürworter am North Slope. Die Newsplattform Arctic Today listet unter anderem das American Petroleum Institute, die Alaska Gas and Oil Association und die in Kaktovik ansässige Inupiat Community of the Arctic Slope auf. Es ist kein Geheimnis, dass diese Organisationen alle Möglichkeiten ausschöpfen wollen, vor dem Amtsantritt des gewählten Präsidenten Joe Biden noch ihre Agenda der weiteren Aufweichungen der Natur- und Umweltschutzgesetze durchzuboxen. Immerhin: Die National Marine Fisheries Service schreibt, dass man beschlossen habe, den Status der Ringelrobbe genauer untersuchen zu wollen. Diese Untersuchung muss die NOAA alle fünf Jahre für Arten, die unter dem ESA stehen, durchführen und mithilfe wissenschaftlicher Daten feststellen, ob eine Weiterführung des Schutzstatus notwendig ist.

Ringelrobben sind sehr stark auf Eisschollen und Schnee darauf angewiesen, um ihre Jungtiere gebären zu können. Durch den rasanten Verlust dieses Lebensraumes aufgrund des Klimawandels wurden die Tiere auf die Liste des ESA genommen. Umweltgruppen argumentieren, dass diese und andere Bedrohungen die Art bis zum Ende des Jahrhunderts an den Rand des Aussterbens bringen könnte. Bild: Michael Wenger

Umweltverbände und Tierschutzorganisationen loben die Entscheidung der Behörde. Auf die Argumente der Gegner angesprochen, verweisen sie auf zahlreiche wissenschaftliche Daten, die zeigen, dass der Verlust des arktischen Meereises die Robben an den Rand des Aussterbens bringen könnte. In ihren Augen ist diese Entscheidung aber auch nur ein Schritt in die richtige Richtung. Ein Verbot für Bohrtätigkeiten im Lebensraum der Ringelrobben erachten sie als mindestens ebenso wichtig, um sicherzustellen, dass die Robben nicht über den Rand hinausgeschoben werden.

Dr. Michael Wenger, PolarJournal

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