Eisbrecher Polarstern zieht nach Süden | Polarjournal
Nach seiner langen Dienstzeit im arktischen Eis, kam die Polarstern am 12. Oktober in Bremerhaven wieder an. Nach Reparaturen und Wartungsarbeiten wird das Schiff jetzt seine Antarktissaison starten und erst Ende April wieder heimkehren. Bild: AWI / eventfive

Der ganze wissenschaftliche Erfolg der MOSAiC-Expedition wäre nicht möglich gewesen ohne den Forschungseisbrecher Polarstern. Denn das Schiff diente als Arbeitsplattform und als Lebensraum für die Expeditionsteilnehmer. Nach der Rückkehr durfte das Schiff einige Wochen in Bremerhaven «ausruhen». Doch jetzt wird es wieder Ernst: Die Antarktis-Saison des Alfred-Wegener-Instituts startet und das Schiff wird als Transporter und Forschungsplattform dienen. Denn wegen COVID wird auch die Saison anders verlaufen als sonst.

Statt mit dem Flugzeug in Südafrika starten die diesjährigen Antarktis-Expeditionsteilnehmenden ihre Reise in Bremerhaven. Die Polarstern wird sie vom Heimathafen aus am 20. Dezember 2020 Non-Stopp in die Atkabucht in der Antarktis bringen. Vom dortigen Anleger an der Schelfeiskante gelangen Mensch und Material dann mit Pistenraupen und Schneeskootern zur etwa zehn Kilometer entfernten Neumayer-Station III. „Diese direkte Anreise ist dabei nur eine Maßnahme aus einem ganzen Katalog, den wir aufgesetzt haben, um das Einschleppen des Corona-Virus in die Antarktis und an die Neumayer-Station zu verhindern“, sagt Dr. Tim Heitland. Der ehemalige Neumayer-Überwinterer (Üwi) ist in der Logistikabteilung des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) als medizinischer Koordinator und unter anderem für die Ausbildung der Überwinterungsteams zuständig. «Wir glauben, dass wir so den bestmöglichen Weg gefunden haben, die Üwi-Teams auszutauschen und auch technisches und wissenschaftliches Personal zur Wartung und Instandhaltung der Station und der Observatorien in die Antarktis zu bringen», sagt Tim Heitland, der auf dem Weg in die Antarktis die Fahrtleitung auf der Polarstern sowie die Expeditionsleitung an der Neumayer-Station übernehmen wird.

Die deutsche Forschungsstation Neumayer III ist seit 2009 nahe der Atkabucht in der Westantarktis in Betrieb. Normalerweise wir die Station via Kapstadt und der russischen Novo-Airbase mit Flugzeugen versorgt. Doch aufgrund von Corona wird dieses Jahr alles per Schiff erledigt, back to the roots sozusagen. Bild: Stefan Christmann, AWI

Die Anreise und die Versorgung der Station werden dieses Jahr anders ablaufen als sonst. Statt mit Flugzeug via Kapstadt und der russischen Novo-Airbase, wird die Polarstern zum Einsatz kommen, ganz wie früher. «In Kombination mit der vorgeschalteten Quarantäne führt die etwa einmonatige Anreise dazu, dass die Saison für uns lange dauert», berichtet Tim Heitland. Um den 20. Januar 2021 herum ist der Anlauf in der Atkabucht geplant. Dann können die mitfahrenden 25 Menschen an der Neumayer-Station ihre Arbeit aufnehmen: AWI-Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen warten die Observatorien für Luftchemie, Geophysik und Meteorologie und tauschen sich mit den alten und den neuen Überwinterungsteams über die Langzeitmessungen aus. Technikerinnen und Techniker kümmern sich darum, dass die Station als Infrastruktur funktionstüchtig bleibt.

«Trotz aller Vorsorgemaßnahmen bleibt es natürlich immer eine Polarexpedition, und allein die Abgelegenheit verlangt immer von allen Teilnehmenden Respekt und umsichtiges Verhalten.»

Tim Heitland, Expeditionsleiter Antarktissaison

Was bei Expeditionen und den zugehörigen Reisen an coronaspezifischen Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen ist, hat das ganze AWI-Logistik-Team im vergangenen Jahr gelernt, als die Durchführung der MOSAiC-Expedition mit der Polarstern in der zentralen Arktis trotz weltweiter Reisebeschränkungen aufrecht erhalten werden konnte. Ebenso wie im Sommer gehört auch jetzt eine Einzelquarantäne vor Expeditionsbeginn mit mehrfachen Corona-Tests zum Maßnahmenkatalog. Auf dem Forschungsschiff und der Antarktisstation stehen PCR-Testgeräte zur Verfügung und in den Hospitälern und Apotheken wurde der Situation entsprechend mit zusätzlicher Ausrüstung, Medikamenten und medizinischem Sauerstoff für den Notfall nachgerüstet. Tim Heitland: «Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, so dass ich der Antarktis-Saison jetzt mit großer Gelassenheit entgegensehe. Trotz aller Vorsorgemaßnahmen bleibt es natürlich immer eine Polarexpedition, und allein die Abgelegenheit verlangt immer von allen Teilnehmenden Respekt und umsichtiges Verhalten.»

Die Versorgung der Neumayer-III-Station mit der Polarstern geschieht an der Schelfeiskante. Von hier aus werden Güter und Container auf Schlitten zur Station gezogen, die rund 17 km entfernt liegt. Die Höhe der Schelfeiskante ist für den Kran des Schiffes kein Problem. Bild: Frank Roedel / AWI

Und die Polarstern? Das Schiff wird neben der Versorgung der Station noch andere Aufgaben in dieser Saison übernehmen. Erster Punkt wird Port Stanley auf den Falklandinseln sein. Dort löst eine neue Crew die Schiffsbesatzung ab, und ein internationales Wissenschaftsteam für eine Forschungsexpedition mit ozeanographischem Schwerpunkt im Weddellmeer geht an Bord. Auch für all diese Expeditionsteilnehmenden gelten vorherige strenge Schutzkonzepte mit Quarantäne und Tests. Auf dem Rückweg von dieser Expedition in der Antarktis sammelt das Schiff das alte Neumayer-Überwinterungs-, sowie das Technik-Team und die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen wieder ein. Auf dem kurzen Transit zurück nach Port Stanley gibt es dann ebenfalls eine Reminiszenz an alte Zeiten: Zusammenrücken ist angesagt. Um die Fahrgäste von Neumayer mitnehmen zu können, wohnen in den Wissenschaftskammern dann drei statt der heutzutage üblichen zwei Personen. Dafür sind die Kammern seit jeher ausgelegt, und der Großteil der Forschung wird abgeschlossen sein, so dass die wenigen Tage bis zum Anlegen auf den Falklandinseln zu meistern sind. Per Flugzeug geht es von dort für die meisten zurück in die Heimat, während die Polarstern mit einer kleinen Gruppe Forschender die Rückreise nach Bremerhaven antritt, wo die Antarktissaison Ende April endet.

AWI Pressemeldung

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