Schwierige Evakuation aus der Antarktis | Polarjournal
Die Davis Station ist die südlichste australische Forschungsstation in der Antarktis. Die anlässlich des Internationalen Geophysikalischen Jahres ab dem 12. Januar 1957 eingerichtete Station gilt als eine Schlüsselstation im Netzwerk der australischen Forschungsstationen und beherbergt mit 70 Personen die größte Anzahl von Wissenschaftlern während der Sommersaison. In der Regel überwintern 22 Forscher auf dieser Basis. (Foto: Greg Stone, AAD, mit freundlicher Genehmigung der AAD)

Zurzeit ist eine komplexe internationale Medevac-Operation (MEDizinische EVAKuierung) in der Antarktis im Gange. Ein australischer Forscher muss von der Davis-Station mit Hilfe von China und den Vereinigten Staaten evakuiert werden. Das australische Antarktisprogramm teilte am Montag mit, dass zwei separate Eislandebahnen für Flugzeuge als Teil einer komplexen Operation gebaut werden, um den Patienten von der australischen Davis-Forschungsstation zurück nach Australien zu bringen. Der Patient hat ein nicht näher bekanntes medizinisches Leiden, das aber nicht mit Covid-19 in Verbindung steht.

Heute wehen australische und chinesische Flaggen an der Davis-Forschungsstation. (Foto: Dave Knoff, mit freundlicher Genehmigung der AAD)

Kim Ellis, der Direktor der australischen Antarktis-Division, sagte, dass der medizinische Evakuierungsprozess auf die Unterstützung auf fremde Hilfe angewiesen sei. „Diese Operation ist ein Beweis für die starke internationale Zusammenarbeit in der Antarktis, wo sich die Nationen zusammenschließen und sich gegenseitig unterstützen, in einer Umgebung, die feindlich und herausfordernd sein kann“, sagte Ellis. „Wir freuen uns sehr, dass die erste Phase dieser mehrstufigen Operation, an der Hubschrauber, Flugzeuge und Schiffe beteiligt sind, angelaufen ist.“

Ein chinesischer Hubschrauber landet auf der Davis-Forschungsstation als Teil der Medevac-Operation. Der chinesische Eisbrecher «MV Xue Long 2» hat auf dem Weg zur chinesischen Station vor der Davis-Station angehalten und seine Hilfe angeboten. (Foto: Dan Dyer, mit freundlicher Genehmigung der AAD)

In Australien gibt es in diesem Jahr keine Flugzeuge mit Skiausrüstung für Flüge zur Antarktis, da Bedenken hinsichtlich der Einführung des COVID-19 Virus bestehen. Daher muss für eine ordentliche Evakuation zuerst eine Landebahn hinter der Davis-Station gebaut werden. Wenn das Wetter es zulässt, wird ein fünfköpfiges Team mit einem Hubschrauber von der Davis-Station zu einem Skilandeplatz auf dem Eisplateau hinter der Station geflogen. Der Bau des Landeplatzes in der Nähe von Davis wird 3-5 Tage dauern.

Die «Basler BT-67» ist eine modifizierte Version der Douglas DC-3, die von zwei Turboproptriebwerken angetrieben wird. Dieser Flugzeugtyp wird meist in Randregionen bei Spezialeinsätzen zum Einsatz kommen. Weltweit dürften noch etwa 40 Exemplare registriert sein. (Foto: Paul Helleman AAD, mit freundlicher Genehmigung der AAD)
 

1.400 Kilometer entfernt bereitet sich gleichzeitig ein anderes Team vor, die Landebahn auf dem «Wilkins Aerodrome» in der Nähe der Casey-Forschungsstation betriebsbereit zu machen. „Wilkins hat eine größere Landebahn, auf der ein mit Skiern ausgestattetes «Basler»-Flugzeug von der US-Station McMurdo kommend landen kann, bevor es nach Davis weiterfliegt, um den Patienten von der Davis-Station abzuholen und wieder zurück zum «Wilkins Aerodrome» zu bringen.“

Die Start- und Landebahn «Wilkins Aerodrome» liegt bei der australischen Casey-Station und wird regelmässig von einem Airbus A-319 angeflogen. (Foto: Australian Antarctic Division)

Im «Wilkins Aerodrome» angekommen, wird der Patient mit einem Airbus A319 nach Hobart ausgeflogen. „Diese Operation ist komplex und umfasst Schiffe, Flugzeuge und Hubschrauber sowie das Ausrichten von Wetterfenstern in einer notorisch herausfordernden Umgebung. Das Team in Australien und der Antarktis arbeitet rund um die Uhr daran, diesen Medevac rechtzeitig und sicher durchzuführen.“ sagte Kim Ellis zur Erläuterung der herausfordernden Evakuierung.

Während eine «Basler BT-67» von McMurdo zum «Wilkins Airodrome» fliegt, wird mit der Hilfe eines Hubschraubers des chinesischen Eisbrechers «MV Xue Long 2» ausserhalb der Davis-Station eine Landebahn gebaut. Nach Fertigstellung der Eispiste wird die «Basler BT-67» den Patienten von der 1.400 Kilometer entfernten Davis-Station abholen und nach Wilkins zurückbringen. Vom «Wilkins Airodrome» wird der Patient danach mit einer A-319 nach Hobart ausgeflogen. (Grafik: Heiner Kubny)

Zudem werden Vorkehrungen getroffen, um die Einführung von COVID-19 in die Antarktis zu verhindern, einschließlich Quarantänezeiten, Social Distancing und einer gründlichen Reinigung der verwendeten Flugzeuge.

Heiner Kubny, PolarJournal

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