Disney goes Antarktis – Expeditionsangebot für Familien | Polarjournal
Auf der Webseite von Adventures by Disney wird bereits kräftig Werbung für die geplanten Reisen zur antarktischen Halbinsel gemacht. Dabei werden spezielle Angebote für Familien mit Kindern gemacht, die Zielgruppe der Gesellschaft, die bisher sich auf Flussreisen konzentriert hatte. Auch eine Reise auf die Galapagos-Inseln bietet die Gesellschaft an. Bild: Screenshot Webseite www.adventuresbydisney.com

Kreuzfahrtengesellschaften haben sich in den vergangenen Jahren immer neue Ziele suchen müssen. Denn ihre Branche boomte bis zur COVID-Pandemie. Dabei stiegen immer mehr Gesellschaften auch in den Expeditionsreisemarkt ein, da die Nachfrage in diesem Segment besonders hoch war. Auch Flusskreuzfahrtenanbieter stürmten in diese Nische rein. Der neueste Zuzug kommt aber aus einer unerwarteten Ecke: Die zum Disney-Konzern gehörende Adevntures by Disney Flusskreuzfahrtengesellschaft will ab Dezember zwei Antarktisreisen anbieten und zwar vor allem für Familien.

Die Gesellschaft führt die beiden Reisen in Zusammenarbeit mit der französischen Gesellschaft Ponant durch. Diese ist seit Jahren eine der grossen Anbieter für luxuriösere Expeditionsfahrten in die Polarregionen an Bord von Schiffen mit mehr als 200 Passagiere. Im Dezember 2021 und nochmals im Januar/Februar 2022 will Adventures by Disneyseine Gäste an Bord der Le Boréal bzw. Le Lyrial zur auf einer insgesamt 12-tägigen Reise ab Buenos Aires zur antarktischen Halbinsel bringen. Das Angebot der Gesellschaft zielt vor allem auf ihr Kernpublikum ab, Familien mit Kindern. Dafür sollen auch speziell von Disney ausgebildete Guides an Bord der Schiffe Wissenswertes vermitteln und die Gäste auch an Land, wie für Guides üblich, betreuen und für Sicherheit sorgen.

Das Ponant-Schiff Le Boréal war das erste Schiff der französischen Gesellschaft Ponant, welches Gäste ab 2010 auf Expeditionsreisen in die Polarregionen brachte. Das 126 Meter lange und 18 Meter breite Schiff kann maximal 264 Gäste beherbergen und verwöhnt die Reisenden u.a. mit Spa-Bereich und 2 Restaurants. Ein gut ausgebildetes Expeditionsteam sorgt für Wissen und Sicherheit während den Reisen. Bild: Gastón Cuello – Own work, CC BY-SA 4.0

Wer glaubt, dass an Bord Micky, Donald und Co. für Unterhaltung sorgen, wie dies auf anderen Disney-Kreuzfahrtschiffen der Fall ist, wird enttäuscht werden. Der Fokus der Fahrten wird auf der Region und der spannenden und vielseitigen Natur liegen. «Die Natur steht im Mittelpunkt und es gibt unzählige einzigartige Erlebnisse», schreibt die Gesellschaft auf ihrer Webseite. Dabei übertreibt sie doch ein wenig, wenn sie dann auch schreibt: «wenn sie DURCH Pinguinkolonien wandern». Dass die Gäste sich an Besucherregeln halten werden, dafür sorgen die Guides an Bord. Diese sollen neben den üblichen Aufgaben auch speziell von Disney ausgebildet werden, um Wissen über Tiere, Umwelt und auch Naturschutz zielgerecht an die Gäste weitergeben zu können, wie diverse Medien schreiben.

Magical World of Disney trifft Magical Antarctic: Die neueste Ausgabe des beliebten «Lustiges Taschenbuch» von Disney zeigt Donald Duck in der Antarktis inmitten von Pinguinen, um die es sich auch in der Hauptgeschichte dreht. Nur Zufall oder geschicktes Marketing des Disney-Konzerns? Bild: Michael Wenger

Das Angebot startet in Buenos Aires und endet auch dort. Doch, wie in der Branche üblich, sind in den 12 Tagen auch Ankunft- und Abreisetag eingerechnet, während die tatsächliche Fahrt erst am dritten Tag ab Ushuaia startet und am zwölften Tag auch dort wieder endet. Die Reisen werden voraussichtlich an Bord der beiden Schiffe Le Boréal und Le Lyrial durchgeführt, die beide seit viele Jahren Ponant-Gäste in die Polarregionen bringen. Gemäss der Webseite von Adevntures by Disney werden ab dem 19. Januar für spezielle Gäste und ab dem 22. Januar für die Öffentlichkeit Buchungen möglich sein.

Antarktisreisen haben einen unglaublichen Aufschwung erlebt und die Zahl der Gäste und der Schiffe sind in den vergangenen Jahren massiv angestiegen. Dies hat nicht nur zu Freude geführt, sondern auch grosse Bedenken genährt, dass die Region zu einem Massentourismusziel verkommen könnte. Bild: Michael Wenger

Die Ankündigung der Gesellschaft, die unabhängig von der bekannten Kreuzfahrtgesellschaft Disney Cruise Line ist, kommt zu einem Zeitpunkt, in der die Expeditionskreuzfahrtbranche vor gigantischen Herausforderungen steht. Denn neben der gegenwärtigen Pandemie, die praktisch alle Gesellschaften in einen Dornröschenschlaf versetzt hat, sind auch die steigenden Besucher- und Schiffszahlen in der Antarktis von einigen Experten als Problem angesehen worden. Die IAATO, der Verband der antarktischen Touranbieter, weist für die letzte Saison 56 Schiffe und Jachten aus, die insgesamt fast 74’000 Gäste in die ganze Antarktis gebracht haben.

Angesichts der im Moment noch gebauten Schiffe, die in Zukunft noch auf den Markt drängen werden, befürchten viele, dass dies zu Überkapazitäten, Preiskämpfen und Streit um die besten Anlande- und Beobachtungsplätze in der Antarktis führen könnte. Dies wiederum führt zu Bedenken bezüglich Beeinträchtigungen der empfindlichen Ökosysteme der Antarktis. Doch die IAATO und seine Mitglieder werden alles Mögliche unternehmen, um diese Probleme nicht aufkommen zu lassen. Die Herausforderungen werden bereits seit ein paar Jahren regelmässig diskutiert und Lösungen erarbeitet, die auch von den Mitgliedern, darunter auch Ponant, ernsthaft umgesetzt werden. Denn schliesslich haben alle dasselbe Ziel: Die Vielfalt und Schönheit der Antarktis auch nachfolgenden Generationen erhalten und zeigen zu können.

Dr. Michael Wenger, PolarJournal

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