Museum Cerny – bedeutend in Europa | Polarjournal
Ausstellung im Museum Cerny / ᐅᑭᐅᖅᑕᖅᑐᒥᙵᖅᑐᑦ / Stimmen aus der Arktis bis 13. März 2021. (Foto: Museum Cerny)

Mitten in Bern, genauer in der Stadtbachstrasse 8a, liegt ein auf die Arktis spezialisiertes Museum, das in Europa wohl einzigartig ist. Das Museum Cerny. contemporary circumpolar art ist spezialisiert auf die zeitgenössische Kunst des gesamten arktischen Raumes und widmet sich den Fragen des Klimawandels, die in zahlreichen der Objekte dokumentiert sind. Martha und Peter Cerny, Begründer und kreative Köpfe hinter dem Museum, teilen seit mehr als 30 Jahren ihre Leidenschaft für die Arktis. Aus dieser Leidenschaft erwuchs eine Sammlung, die heute für die Öffentlichkeit zugänglich ist und durch internationale Kooperationen eine Bekanntheit weit über die Grenzen der Schweiz hinaus erlangt hat.

Lesende Frau, ca. 2010, Serpentin, H42 x B24 x T24 cm, Oviloo Tunnillie, Kinngait, Nunavut, Kanada. (Foto: Severin Nowacki)

Den Beginn machten einzelne Stücke, die das Interesse soweit wachsen liessen, dass im Jahre 1994 eine Sammlung von 127 Kunstwerken der Inuit erworben wurde. Hauptsächlich aus Nunavik stammend, also Arctic Quebec im Nordosten Kanadas, umfasst diese Sammlung neben Skulpturen auch Drucke und Textilien. Darunter 14 Batiken, die 1973 im Rahmen eines Workshops entstanden waren. Geleitet wurde er von einem aus Malaysia stammenden Künstler, Chinkok Tan. Erst kürzlich, im Dezember 2019, konnte das Museum Cerny von ihm auch weitere Stücke für die Sammlung erhalten, darunter Pakete der Farben, die damals benutzt wurden und ein Canting genanntes Werkzeug, mit dem zur Vorbereitung des Färbens Wachs auf das Textil aufgebracht wird.

Von Mitte März bis September 2021 werden die Batiken erstmals seit ihrem Erwerb vor mehr als 20 Jahren in ihrer Gesamtheit in einer Sonderausstellung am Museum Cerny gezeigt.

Bär und Jäger Legende, 2004, Papier, Tinte, H50 x B36 cm, Luba Eines, Uelen, Chukotka Autonome Region, Russland. (Foto: Museum Cerny)

Dem Erwerb des Gründungsbestandes folgten ausgedehnte Reisen in Kanada, während derer weitere Stücke gesammelt und die Dokumentation der Sammlungen vorangetrieben wurde. Kontakt zu indigenen Kunstschaffenden und Wissensträgern wurde aufgenommen und schnell auch der Fokus der Sammlungen auf andere Gebiete der Arktis ausgedehnt.

Schon 1998 wurden bis heute bestehende Kontakte nach Russland aufgebaut, die in einer umfassenden Sammlung aus Chukotka und Yamal mündeten. Schlussendlich wurde um Stücke aus Grönland und Skandinavien erweitert und so der gesamte Polarkreis in den Sammlungen abgedeckt.

Mann mit Schlitten, 1973, Baumwolle, Tinte, H94 x B113 cm, Quananak Povungnituk, Nunavik, Kanada. (Foto: Museum Cerny)

Unter dem damaligen Namen „Cerny Inuit Collection“ fand im Jahr 2000 die erste Ausstellung unter Beteiligung der Inuitkünstler Oviloo Tunnillie, Kananginak Pootoogook und Pakak Inuksuk statt. Weitere Ausstellungen und Kollaborationen national und international folgten. 2005 schliesslich wurde eine erste Publikation zu den Sammlungen herausgegeben. Der Katalog „Cerny Inuit Collection. Gemeinsame Arktis: eine Ausstellung mit Kunstwerken aus dem hohen Norden“ erschien in vier Sprachen anlässlich des 190. Jahrestages diplomatischer Beziehungen der Schweiz zu Russland 2006.

Hubschrauber Pfeife, 2018, Serpentin, Geweih H7.5 x B5 x L13 cm, Mesut Celebi, Kinngait, Nunavut, Kanada. (Foto: Museum Cerny)

Dann wurden mehrere grosse Schritte genommen – die Cerny Inuit Collection wurde 2016 offiziell zum Museum und durch eine Kooperation mit der York University in Kanada kam die Restauratorin Jessica Kotierk, die selbst Inuit ist, mehrere Monate nach Bern und arbeitete an der Erfassung der Sammlungen aus Kanada in einer Datenbank. 2020 erfolgte die Umbenennung in Museum Cerny. contemporary circumpolar und eine zweite Publikation mit dem Fokus auf Klimawandel wurde publiziert – „Kunst als Spiegel der Wissenschaft“ („Art as a Mirror of Science“ in der Englischen Version) brachte ein internationales Autorenteam zusammen, dessen Artikel sich mit der Verknüpfung von Kunst und Wissenschaft zum Thema Klimawandel befassen. Ein Ausbau der Internetpräsenz und eine Erweiterung der Öffnungszeiten waren durch den Ausbau des Personals möglich. Die kommenden Jahre sollen einen weiteren Ausbau der Beziehungen nach Skandinavien und Russland bringen. Zwei Sonderausstellungen pro Jahr am Museum widmen sich aktuellen Fragen. Derzeit (und noch bis Februar 2021) ist mit „Stimmen aus der Arktis“ die erste Ausstellung in Inuktitut zu sehen, die die Betroffenen aus der kanadischen Arktis selbst zu Wort kommen und über die Folgen des Klimawandels berichten lässt. 

Martin Schultz, Museum Cerny

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