Cape Race – mare’s Plattform im Polarmeer | Polarjournal
Die MS Cape Race ist heutzutage nicht mehr als Fischkutter unterwegs, sondern zeigt den maximal 12 Gästen an Bord die Schönheiten des hohen Nordens, von Schottland bis in den Arktischen Ozean. Dafür wurde das Schiff mit viel Liebe und Sorgfalt umgebaut und «polarfit» gemacht. Bild: mareverlag

Wer sich im deutschsprachigen Raum für das Thema «Meere und Ozeane» interessiert, kommt kaum um den mareverlag herum. Das Verlagshaus ist seit Jahrzehnten ein Garant für spannende, wissenswerte Fakten rund um die salzhaltigen Gewässer der Erde. Neben dem Magazin «mare» sorgen auch eigene TV- und Radiosendungen, ein Buchverlag und andere publizistische Medien dafür, dass Jung und Alt alles über die Meereswelten erfahren. Doch was viele nicht wissen: Der Verlag betreibt auch ein eigenes Schiff, mit dem die Wasserwelten des Nordens hautnah erlebt werden können.

Mareverlagschef und Schiffsbesitzer Nikolaus Gelpke ist stolz auf sein Schmuckstück. Das gerade mal 38 Meter lange Schiff ist seit Ende 2017 im Besitz des mareverlages und wurde bis letztes Jahr in Island mit viel Liebe zum Detail um- und ausgebaut. Dabei ging es vor allem darum, den Charme und die Geschichte der historischen Polarforschung einzufangen und an die Gäste weiterzureichen. «Die Cape Race strahlt in einer besonderen Kombination: nach zweieinhalb Jahren Komplettsanierung entspricht sie einerseits den absolut neuesten Sicherheits- und Umweltstandards; Andererseits haben wir sehr viel Wert daraufgelegt, den Charme der Trampschifffahrt in unzähligen Details zu erhalten. Wir sind sicher und zugleich klassisch altmodisch», erklärt Nikolaus Gelpke gegenüber PolarJournal.

Der Salon der Cape Race ist sehr komfortabel und mit seinem Retro-Charme versetzt er den Gast zurück in die Zeit, als polare Expeditionen noch echte Abenteuer waren. Trotzdem wird Sicherheit an Bord des Schiffes grossgeschrieben. Ein Klick auf das Bild nimmt einem mit auf einen Rundgang durch das Schiff. Bild: mareverlag

«Wir sind sicher und zugleich klassisch altmodisch»

Nikolaus Gelpke, Eigner Cape Race und Besitzer mareverlag

Diese Aussage von Nikolaus Gelpke lässt sich sofort unterschreiben, wenn man durch das Schiff geht. Man wähnt sich eher auf Nansen’s Fram oder auf der Pourquoi pas von Charcot als auf einem alten ehemaligen Fischkutter. Viele Details wie beispielsweise ein voll funktionstüchtiges Klavier (ersetzte früher die Streaming-Dienste), Schwarzweiss-Fotos aus der Zeit der grossen Polarforscher und natürlich Bücher über die Natur, Geschichte und Kulturen des Nordens zieren das Schiff. Und was viele nicht wissen: Schon damals boten die Schiffe gewissen Komfort. Beispielsweise eine Sauna, in der man sich nach den langen Stunden draussen aufwärmen kann. Moderne Technik wurde nicht in Dingen wie 4K-UHD-Fernseher oder ultramoderne Laptops verbaut, sondern in Praktisches wie Unterwasserkameras und Hydrophone, Fotomikroskope und Planktonfänger. Denn darum geht es, wenn man mit der Cape Race und dem mareverlag unterwegs sein will: Das hautnahe Erleben der Meereswelten und der Umgebung. Denn das Ziel einer mare-Expeditionsfahrt ist es, jedem interessierten Gast nicht nur die Papageitaucher, das Walross, den Buckelwal oder den Eisbären zu zeigen und zu erklären, sondern die ganzen Zusammenhänge und das Zusammenspiel der Meereswelten mit den Tieren und Pflanzen aufzuzeigen. «Wir arbeiten mit der Universität Kiel zusammen und wollen auf der Basis unserer Publikation «World Ocean Reviews», die meereswissenschaftliche Zusammenhänge darstellt, den Gästen, ob Gross oder Klein, Einblicke in die faszinierende und gleichzeitig gefährdete Ökologie der Arktis bieten können», erklärt Nikolaus Gelpke weiter.

Fahrten an Bord der Cape Race sollen nicht nur Unterhaltung sein, sondern auch Wissen über die Vielfalt des Arktischen Ozeans vermitteln. Statt mit Fernseher und Laptop bringt das Expeditionsteam das ozeanische Leben den Gästen live näher, oft sogar gemeinsam mit ihnen. Bild: Paolo Verzone

Neben der Umgebung und der Wissensvermittlung stehen die Menschen, das heisst Gäste, Mannschaft und die Bevölkerung der besuchten Orte, im Zentrum der Überlegungen für die Expeditionen von Nikolaus Gelpke. «Kleine Schiffe mit wenigen Passagieren bieten nach meiner Auffassung in jeder Hinsicht mehr für die Gäste. Wir können viel eher auf deren Wünsche und Vorlieben eingehen. Ausserdem kann man als kleines Schiff auch mehr Rücksicht auf die Bevölkerung und die Natur nehmen. Und schliesslich beschäftigen wir auf der Cape Race ausschliesslich Seeleute nach allen Anforderungen der Berufsgenossenschaft «Verkehr» und der Knappschaft «Bahn-See» und versteuern auch ausschließlich in Deutschland. Niedriglöhne und, Einsparungen bei Sozial- und Rentenbeiträgen sind bei uns genauso ausgeschlossen wie der sorglose Umgang mit der Natur», meint Nikolaus Gelpke ernst. Ähnliche Worte hört man zwar auch aus den Reihen von Reedereien, die mit grösseren Schiffen unterwegs sind. Doch die Tatsache, dass neben den maximal 12 Gästen nur noch 7 Besatzungsmitglieder und 1 oder 2 Guides mit an Bord sind, spricht doch dafür, dass man an Bord mehr wie eine grosse Familie ist. Apropos: Eine Kabine ist für Familien angedacht. Und welches Kind würde nicht mal gerne in einer echten Schiffskoje wie die alten Seefahrer schlafen.

Eine der Kabinen ist auf Familien ausgerichtet. Dabei können die Kinder in Kojen wie die Polarforscher aus dem heroischen Zeitalter der Polargeschichte nächtigen. Genügend Platz ist trotzdem gegeben. Bild: mareverlag

Themen wie Schutz der Arktischen Umwelt, Nachhaltigkeit und Klimawandel sind in den mare-Magazinen immer wieder aktuell und der Verlag versucht in allen Bereichen, so nachhaltig und umweltschonend zu operieren, wie es nur geht. Auch bei der Cape Race und den Fahrten spielen diese Überlegungen eine wichtige Rolle. «Wir fahren mit dem extrem umweltfreundlichen GTL-Fuel Treibstoff, der kostspieliger ist als üblicher Auto-Diesel, aber überhaupt keine Schwefel-Emissionen und keine aromatischen Verbindungen aufweist, weniger Stickoxide produziert und leicht biologisch abbaubar ist», meint Nikolaus Gelpke.

«Unsere Massnahmen der Nachhaltigkeit gehen in einigen Punkten sogar über die AECO Anforderungen hinaus»

Nikolaus Gelpke, Eigner Cape Race und Besitzer mareverlag

Dem diplomierten Meeresbiologen ist es auch wichtig, dass die Meere nicht durch das Schiff belastet werden. «Die für die Gäste kostenlos zur Verfügung stehenden Reinigungs- und Kosmetikartikel stammen von OceanWell, einem durch und durch ökologischen Hersteller. Zudem wurde eine umfassende Kläranlage installiert, so dass kein Tropfen Abwasser, oder Spülwasser ungeklärt ins Meer gelangt.». Auch beim Thema Plastik und Müll geht Nikolaus Gelpke bis ans Limit des Möglichen. «Eine Müllpresse oder auch die möglichste Vermeidung von Plastik an Bord, führen dazu, dass wir den Müll konzentriert und getrennt sammeln und an Land entsprechend entsorgen», meint er. Unterstützung diesbezüglich erhält er auch von Birgit Lutz, die als Expeditionsleiterin mit an Bord ist. Sie ist eine ausgewiesene Spezialistin, die auch regelmässig Vorträge über das Thema Plastik und Müll in der Arktis hält. Da die Cape Race auch neu zunächst provisorisches AECO-Mitglied (Association of Arctic Expedition Cruise Operators) ist, werden sämtliche Richtlinien des Verbandes eingehalten. «Unsere Massnahmen der Nachhaltigkeit gehen in einigen Punkten sogar über die AECO Anforderungen hinaus», meint Gelpke stolz.

Die Cape Race wurde 1963 unter demselben Namen als Fischkutter in Kanada gebaut. Später fungierte das Schiff in seiner wechselvollen Geschichte als Muschelfänger, Forschungs- und Expeditionsschiff. Sogar als Basislager für die New Yorker Behörden nach dem Hurrikan Sandy diente es. Ab 2014 wurden nach ersten Umbauten Passagiere in den hohen Norden gefahren. Bild: mareverlag

Damit das Schiff überhaupt als AECO-Mitglied in den arktischen Regionen fahren darf, waren aber einige Anpassungen notwendig. Denn ursprünglich war die Cape Race nicht für die hocharktischen Gebiete gebaut worden. Seine wechselvolle Geschichte startete 1963 in Kanada, wo das Schiff unter dem gleichen Namen als Fischkutter gebaut worden war. Sie war der erste komplett aus Stahl gebaute Trawler und wurde während 14 Jahren in den stürmischen Gewässern des Nordwestatlantiks auf Fischfang geschickt. Ab 1977 bis 2003 diente dann das Schiff als Muschelfänger und wurde 2005 aus dem Register der kanadischen Fischereibehörden gelöscht. Damals wäre die Geschichte der Cape Race beinahe zu Ende gegangen, wenn sie nicht von einem visionären Mann gekauft worden wäre. Milos Simovic erwarb das Schiff und liess es umbauen, um es für Forschungsexpeditionen zu verchartern. Aufträge für die NASA und andere Organisationen brachten das Schiff öfters nach Nordwest und nach Ostgrönland. Immer wieder endete das Schiff aber in New York, wo es 2012 dann als Notfallbasis für die Behörden diente, nachdem der Hurrikan «Sandy» die Stadt verwüstet hatte.

«Es war Liebe auf den ersten Blick»

Nikolaus Gelpke, Eigner Cape Race und Besitzer mareverlag

Zwei Jahre später begann die Karriere als Expeditionsreisenschiff, zuerst unter einer mittlerweile verschwundenen Firma. Im Dezember 2017 kaufte dann Nikolas Gelpke die Cape Race und liess sie in Reykjavik zwei Jahre lang komplett überholen. «Es war Liebe auf den ersten Blick», erinnert sich Nikolaus Gelpke. Genau dieses Gefühl sollen auch die Gäste an Bord erleben, wenn sie mit der Cape Race unterwegs sind, sei es an den Küsten Schottlands, unter den Polarlichtern Nordnorwegens oder an den mächtigen Flanken eines Gletschers auf Svalbard. Dem Charme eines kleinen, hübschen Schiffes kann sich keiner entziehen.

Dr. Michael Wenger, PolarJournal

Link zur Webseite der Cape Race: Hier

Informationen zu den Expeditionsreisen: Hier

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