Das „Wir“ ist, was zählt | Polarjournal
Hand mit Vertrag, 2002, Serpentin, H20 x B22 x T9 cm
Oviloo Tunnillie, Kinngait, Nunavut, Kanada, (Foto: Severin Nowacki)

Von Beginn an, hat das jetzige Museum Cerny sich als Forum für die Bewohner und Belange der Arktis verstanden, nicht als deren Sprachrohr. So wird das Museum auch immer wieder zur Begegnungsstätte der Besucher mit den Künsten der Arktis. Im Jahr 2000 fand die erste Ausstellung statt, damals noch unter dem Namen Cerny Inuit Collection. Zu dieser kamen drei Inuit-Künstlerinnen und Künstler nach Bern, Oviloo Tunnillie (1949-2014), Kananginak Pootoogook (1935-2010) und Pakak Inuksuk (*1956). Alle drei hatten zu diesem Zeitpunkt bereits internationale Bekanntheit erlangt.

Nachtlager, 1985, Papier, Tinte, 21/50, H53 x B76 cm
Kananginak Pootoogook, Kinngait, Nunavut, Kanada, (Foto: Museum Cerny)

Die Bildhauerin Oviloo Tunnillie „hatte eine unvergleichliche Karriere als Steinmetzin. Ihre Arbeit forderte Inuit-Stereotypen heraus und beschäftigte sich mutig mit einer Vielzahl von Themen, darunter Entfremdung, Alkoholismus, Tiermissbrauch und Trauer. 1966 verkaufte sie ihr erstes Stück. Sie schnitzte kontinuierlich von 1972 bis 2012, als sie nach einer zweiten Krebsdiagnose aufhörte. Die Krankheit forderte 2014 ihr Leben.“ (Coward Wight, Darlene: Oviloo Tunnillie, Toronto: Art Canada Institute, Seite 3)

Sedna, 1996, Serpentin, H22 x B40 x L62 cm
Oviloo Tunnille, Kinngait, Nunavut, Kanada, (Foto: Severin Nowacki)

Ihr Werk ist mit 10 Arbeiten in den Sammlungen vertreten, die durch ihre simple Eleganz und Schönheit des Steins bestechen. Einige davon sind in der Dauerausstellung zu bewundern. In Kontrast zu Oviloo und ihren Arbeiten, die die sozialen Probleme der Zeit dokumentieren und häufig autobiographischen Charakter haben, zeigt Kananginak Pootoogook in seinem Werk vor allem Tiere und das Leben im Camp. Er ist nicht nur für Arbeiten in Stein bekannt, sondern fertigte auch Zeichnungen und Drucke an. 19 seiner Werke sind in den Sammlungen des Museum Cerny zu finden. Sein Schwimmender Eisbär und der Moschusochse im Sturm sind Skulpturen, die die Tiere nicht statisch, sondern als Teil ihrer Umgebung zeigen. Wenige Künstler schaffen es, dies so reduziert und gleichzeitig so effektvoll darzustellen. Aus ganz anderer Richtung kommt Pakak Inuksuk, der auch international Bekanntheit erlangte. Er ist Trommler, Lehrer und Schauspieler (unter anderem hatte er eine Rolle in dem Film Atanarjuat).

Schwimmender Eisbär, 1999, Steatit, H34 x B32 x T29 cm
Kananginak Pootoogook, Kinngait, Nunavut, Kanada, (Foto: Museum Cerny)

21 Jahre sind seit dem Besuch der Künstler vergangen. Zahlreiche andere Künstler sind seither durch unsere Türen gekommen, haben nicht nur unsere Sammlungen, sondern vor allem unsere Leben bereichert. Und die der Besucher ebenso. Diese Kooperationen bleiben ein zentrales Anliegen und leisten einen wichtigen Beitrag zur Dokumentation des Klimawandels in den zirkumpolaren Regionen und dessen Vermittlung hier in der Schweiz. 

Moschusochse im Sturm, 1998, Serpentin, H23 x W18 x L30 cm
Kananginak Pootoogook, Kinngait, Nunavut, Kanada, (Foto: Museum Cerny)

Martin Schultz, Museum Cerny

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