Nordost-Passage doch nicht gefahrlos zu befahren | Polarjournal
Nur einen Tag nach der «Christophe de Margerie» startete der zweite LNG-Frachter «Nikolay Yevgenov» in Sabetta die Durchfahrt der Nordost-Passage. Dabei entstand ein Schaden am Antrieb des Schiffes.  (Foto: D. Lobusov)

Die Durchfahrt der Nordost-Passage im Winter scheint noch nicht ohne Probleme über die Bühne zu gehen. Wie bereits Ende Januar bekannt wurde, erlitt der LNG-Frachter «Nikolay Yevgenov» am Azipod einen Schaden. Laut russischen Medienberichten zufolge ist die Antriebseinheit wahrscheinlich am 16. Januar ausgefallen, als sich das Schiff der Beringstraße näherte. Nachdem der Tanker «Nikolay Yevgenov» den ganzen Weg von Sabetta entlang der nördlichen Küste Russlands mit einer Geschwindigkeit von etwa 9 Knoten gefahren war, verlangsamte er sich plötzlich auf 3 Knoten.

Die Durchfahrt der Nordost-Passage in den Wintermonaten stellt besondere Bedingungen an die Besatzung und an das Schiff. (Foto: Gazprom)

Die Durchfahrt des nördlichen Seeweges im Januar galt als Winter-Testlauf und wurde mit zwei LNG-Frachtern durchgeführt. Die «Christophe de Margerie» verliess Sabetta am 5. Januar 2021. Nur einen Tag später folgte die «Nikolay Yevgenov». Am östlichen Ende der Passage musste der LNG-Frachter angehalten und fuhr mit langsamer Geschwindigkeit weiter, bevor er in das Beringmeer einbog. Russische Medienberichte spekulierten, dass das Schiff einen seiner drei Azipoden beschädigt habe. Ursprünglich sollte das Schiff am 28. Januar im chinesischen Hafen Jingtang eintreffen. Da nur zwei Azipods im Einsatz standen, konnte dieser Zeitplan nicht eingehalten werden. Über die Umstände und das Ausmaß des Schadens wurde wenig bekannt.

Der LNG-Tanker «Nikolay Yevgenov» liegt in den nächsten Wochen im Trockendock in Brest.

Nach dem Abladen der Gasfracht im chinesischen Hafen Jingtang und einem Zwischenstopp in Korea und der Durchfahrt des Suez Kanals ist die «Nikolay Yevgenov» am 25. Februar im französischen Brest eingetroffen, wo das Schiff zur Reparatur in ein Trockendock gefahren wurde. Zusätzlich zu den Reparaturen sollen verschiedene Inspektionen des Antriebssystems, des Rumpfes und anderer Maschinen durchgeführt werden. 

Sie ist bereits das zweite Schiff, dass wegen Schäden an seinen Azipoden ins Trockedock zurückkehren musste. Die 2018 gebaute 299 Meter lange, unter zypriotischer Flagge fahrende LNG-Frachter «Georgiy Brusilov» war im Dezember 2019 im Trockendock. Es wurden keine Einzelheiten über die Schäden am Azipod bekannt, auch nicht ob diese aufgrund der Winterpassage entstanden sind.

Gigantischer Anblick der drei Azipode der «Christophe de Margerie», dem ersten Schiff der neuen Arc-7 LNG-Eisbrecherflotte. (Foto: ABB)

Winterfahrten als Probeläufe für die Zukunft

So wurde auch bekannt, dass NOVATEK, der Eigner von 15 LNG-Tanker weitere Frühjahrsfahrten entlang der Nordost-Passage plant. Der Arc7-Tanker «Christophe de Margerie» durchquerte erstmals im Mai 2020 erfolgreich den nach Osten gerichteten eisbedeckten Teil der Nordseeroute und erreichte in 12 Tagen die Beringstraße. 

Ebenfalls erfolgreich durchquerte das Schiff die Passage im Januar 2021 in West-Ost Richtung und auf dem Rückweg in umgekehrter Richtung. Dies allerdings mit Unterstützung des Eisbrechers «50 Let Pobedy», da im Februar die Eisverhältnisse im Vergleich zum Januar schwieriger sind.

Der LNG-Frachter «Christophe de Margerie» fährt am 15. Februar 2021 mit Unterstützung des Eisbrechers «50 Let Pobedy» von Osten kommend in Richtung Westen durch die Nordost-Passage. (Foto: Novatek)

Laut Sovcomflot, dem die «Christophe de Margerie» gehört, hat noch nie ein Frachtschiff die östliche Arktis im Januar durchfahren. Die Rückreise im Februar ist Teil der „systemischen Bemühungen zur schrittweisen Ausweitung der Transitschifffahrt im östlichen Teil der Arktis“, sagte Nikita Sekretarev, Sprecher der Reederei und fügte hinzu: „In Zukunft besteht das Ziel darin, eine sichere ganzjährige Navigation in der gesamten Region einzurichten“.

Heiner Kubny, PolarJournal

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