COVID kratzt an Svalbard’s Türe | Polarjournal
Die rund 2’500 Einwohner Longyearbyen waren bisher zwar von COVID selbst verschont geblieben. Doch die Auswirkungen der Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung haben die Wirtschaft schwer getroffen. Bild: Michael Wenger

Der Svalbard-Archipel mit seinem Hauptort Longyearbyen ist in der Arktis der einzige Ort, der bisher keinen bekannten Fall von COVID-19 aufgewiesen hat. Abgeschottet vom Rest der Welt aufgrund der Reisebeschränkungen in Norwegen, sind norwegische Besucher momentan die einzigen Gäste dort, was die Situation für die Tourismusbranche nicht leicht macht. Ein Testregime vor Antritt einer Reise und Tracing sollen verhindern, dass das Virus nach Longyearbyen gelangt. Nun besteht aber doch die Möglichkeit, dass SARS-CoV-2 den Weg in die letzte COVID-freie Zone gefunden hat.

Wie die lokale Zeitung Svalbardposten berichtet, mussten mehrere Touristen, die sich in Longyearbyen aufhalten, in Quarantäne. Dies, nachdem sie Kontakt zu einer nachweislich COVID-positiv getesteten Person auf dem Festland hatten. Dank dem Tracking-System in Norwegen konnten die Personen erreicht werden. Gegenwärtig sind sie alle entweder in privaten Unterkünften oder Hotels untergebracht. Die Quarantäne gilt für die nächsten zehn Tage, kann aber mit einem negativen PCR-Testresultat nach sieben Tagen dann verkürzt werden… auf dem Festland. Von Longyearbyen aus müssen alle Proben nach Tromsø geschickt werden zur Analyse. Das bedeutet, dass es einige Zeit brauchen wird, bis die Resultate wieder vorliegen. Da einige der Touristen in privaten Unterkünften wohnen, sind auch Personen, die mit ihnen dort leben, aufgefordert, bis zu den Testergebnissen zuhause zu bleiben. Allen andere sollten Masken tragen, besonders in den Geschäften. Diese Empfehlung gibt der verantwortliche Arzt in Longyearbyen gegenüber Svalbardposten aus. Durchgeführte Tests zeigten bisher negative Resultate.

Das SARS-CoV-2 Virus ist seit mittlerweile mehr als einem Jahr weltweit unterwegs und hat bisher mehr als 2 Millionen Todesopfer gefordert. Gegenwärtig sind nun schon mehrere Mutationen aufgetaucht, die noch ansteckender sind als das Original. Bild: Wikimedia Commons

Schon seit längerem war davor gewarnt worden, dass das Virus nach Longyearbyen kommen könnte, wenn die Zahl der Touristen wieder ansteigt. Erst im Januar mussten Touristen in einem Hotel in Quarantäne nach einem Kontakt mit einer positiven Person auf dem Festland. Zwar hat die Regierung in Oslo immer wieder bekanntgegeben, dass man auf nicht essentielle Reisen auch innerhalb des Landes verzichten sollte. Doch gleichzeitig will man der Tourismusbranche nicht auch noch die letzten Möglichkeiten nehmen. Deswegen müssen alle Reisenden nach Svalbard einen PCR-Test, der nicht älter als 24 Stunden ist, auf dem Festland durchführen lassen. Auch allfällige Quarantänen nach einer Einreise aus dem Ausland müssen zuerst auf dem Festland vollzogen werden, bevor die Weiterreise nach Svalbard stattfinden kann. Doch einen vollkommenen Schutz vor dem Einschleppen des Virus kann trotzdem nicht garantiert werden, wie in anderen Ländern gezeigt werden konnte. In Nunavut wurde COVID wahrscheinlich via ein Quarantäne-Hotel in Winnipeg nach Arviat eingeschleppt und hat sich dort seither festgesetzt. Mittlerweile sind von den total 381 Fällen von COVID in Nunavut der Grossteil in Arviat aufgetreten. Auch in Grönland kam es zu insgesamt 30 COVID-Fällen, deren Ursprung in Dänemark lagen.

Die Impfungen haben auch in Svalbard begonnen. Koordiniert von Sysselmannen und Krankenhaus, werden die drei Impfstoffe von Pfizer/BionTech, Moderna und AstraZeneca abgegeben. Zurzeit läuft die Impfaktion für Leute bis 57 Jahre. Bild: Michael Wenger

Wie fast überall auf der Welt ist auch in Svalbard die Impfaktion im Gange. Die Verwaltung des Archipels, die Sysselmannen, und das Longyearbyen Krankenhaus organisieren die Impfungen. Dazu werden die entsprechenden Gruppen offiziell aufgerufen, sich impfen zu lassen. Die norwegische Regierung hat in einer Mitteilung veröffentlicht, dass geimpfte Personen oder nachweislich an COVID-erkrankte Personen von den Quarantänemassnahmen in Zukunft befreit sein werden.

Dr. Michael Wenger, PolarJournal

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