Museum Cerny und die Kuala Lumpur Connection | Polarjournal
Skulptur: Inuk mit Hase, 1973 Steatit, H16 x B19 x T4 cm
Silisi Tuki, Inukjuak, Nunavik, Kanada

Am ersten März war es soweit. Die Museen der Schweiz durften ihre Tore wieder für Besucher öffnen. Im Kanton Bern waren Kulturinstitutionen seit Oktober 2020 geschlossen. Und was passiert in einem Museum, wenn es geschlossen ist? Die Arbeit geht weiter! Denn was die Besucher sehen, sind vor allem die Ausstellungen, die das Gesicht der Museen nach aussen sind. Damit die gezeigt werden können, bedarf es einiger Vorbereitung. Das Ausstellungsthema muss definiert werden, die zugehörigen Objekte ausgesucht und teils restauriert und Texte geschrieben.

Batik: Karibus, 1973, Baumwolle, Tinte, H91 x B112 cm
Annie Mikpigak, Puvirnituq, Nunavik, Kanada

Mitte März eröffnet am Museum Cerny eine Ausstellung mit Batiken aus Nunavik, dem arktischen Teil der Provinz Quebec im östlichen Kanada. 1972 und 1973 im Rahmen von zwei Workshops entstanden, gehören 14 der 15 Batiken unserer Sammlung zum Gründungsbestand des Museums. Die Einzigartigkeit der Objekte kann man daran ermessen, dass das Textile Museum of Canada in Toronto zwei davon für eine dortige Ausstellung ausgeliehen hat. Das Färben von Textilien hat in der Arktis Nordamerikas keine Tradition, mit den Workshops betraten die teilnehmenden Inuit somit Neuland.

Wachskännchen und Tinte für Batiks

Wie souverän sie dies meisterten lässt sich in der Ausstellung gut erkennen. Ihr Lehrer während des zweiten Workshops im Jahr 1973 war der aus Malaysia stammende Künstler Chinkok Tan. Er berichtet, dass die Inuit enorm produktiv waren und ein Interesse bestand, die Arbeiten weiterzuführen. Was jedoch am Mangel an Werkstoffen scheiterte. Und so sind diese beiden Workshops die einzigen geblieben, was diese Batiken heute so selten macht.

Batik: Mann bläst eine Boje auf (Avataq), 1973, Baumwolle, Tinte, H92 x B112cm
Nellie Nungak, Puvirnituq, Nunavik, Kanada

Zwar waren Material und Technik den Inuit zuvor unbekannt, doch lässt sich anhand zeitgleich entstandener Skulpturen und Drucke auf Papier erkennen, dass die gewählte Formensprache und die Inhalte gleich sind und die Welt der Inuit von Nunavik zeigen. Drucke und Skulpturen waren zu dieser Zeit längst als ökonomischer Faktor von Bedeutung und wichtige Einnahmequelle. Zu diesem Zweck fanden auch die Batik-Workshops statt, die sich allerdings (anders als andere textile Techniken) nie zu einem Zweig des Kunstschaffens der Inuit entwickelten.

Frau mit Ulu und Junge mit Schlitten, 1973, Baumwolle, Tinte, H92 x B112cm
Nellie Nungak, Puvirnituq, Nunavik, Kanada

Die 15 Batiken der Sammlung sind die Arbeit von 5 Künstlerinnen und Künstlern. Davon alleine sieben von Annie Mikpiga (1900-1984), die vor allem für ihre Steinskulpturen und Drucke über die Grenzen von Kanada hinaus bekannt ist. Leider ist zum Hintergrund der Stücke wenig bekannt. Es sind vor allem häusliche und Jagdszenen dargestellt. Die Drucke und Steinskulpturen zeigen zudem auch mythologische Figuren und Geschichten.

Im Jahr 2019 konnten wir vom Künstler Chinkok Tan ein fertiges Textil, ein weiteres ungefärbtes mit aufgetragenen Wachskonturen, zwei Farbpakete und ein Wachskännchen für unsere Sammlung erhalten, die während des Workshops 1973 benutzt wurden. Sie stellen eine wichtige Ergänzung dar und sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.

Einen solchen Schatz in einer Schweizer Sammlung zu finden ist für die meisten Leser sicher unerwartet. Umso wichtiger war es uns, ihn nun endlich zu heben und im Rahmen der Ausstellung zugänglich zu machen.

Auf der Reise, 1973, Baumwolle, Tinte, H92 x B112cm
Annie Mikpigak, Puvirnituq, Nunavik, Kanada

Im April diesen Jahres beteiligt sich Museum Cerny an der World Creativity & Innovation Week, die am 21.04 mit dem von der UN ausgerufenen gleichnamigen Tag endet. Wir hoffen, dass die Situation mehr zulässt, als lediglich Führungen durch die Ausstellung. Und natürlich arbeiten wir auch schon an Folgeausstellungen, die ebenfalls den künstlerischen Reichtum der Arktis präsentieren.  

Martin Schultz, Museum Cerny

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