Walross vor St. Patrick’s Day in Irland aufgetaucht | Polarjournal
Spaziergänger hatten auf der Insel Valentina im County Kerry, Südwest-Irland, am 14. März das junge Walross entdeckt und gemeldet. Es blieb einige Stunden an Land, bevor es wieder ins Wasser tauchte und verschwand. Bild: Screenshot_RTE_news

Vor einigen Wochen hatten wir berichtet, dass Irland seine Bewerbung für den Beobachterstatus im Arktisrat eingereicht hatte. Denn die Regierung argumentiert, dass die Arktis einen grossen Einfluss auf den Inselstaat im Nordatlantik ausübt. Und als ob die Arktis dies unterstreichen wollte, ist nun ein seltener Besucher in Irland aufgetaucht: Ein Walross wurde an der Südwestküste Irlands gesichtet, kurz vor dem irischen Nationalfeiertag. Das hat kurz vor dem irischen Nationalfeiertag für einigen Medienrummel gesorgt.

Eine Familie, die am Strand von Valentina Island, einer Insel im Südwesten von Irland, spazierte, staunte nicht schlecht, als sie den braun-gefärbten Besucher auf den Felsen entdeckt hatten. Gegenüber den Medien erklärte der Vater, Alan Houlihan: «Die Grösse des Tieres war astronomisch. Das war die Grösse eines grossen Stiers. Es verschwand für eine Weile im Meer, kam dann zurück und legte sich auf einen Felsen für einige Stunde. Es war fantastisch.» Aufnahmen, die von der Familie auf soziale Medien gestellt worden waren, gingen viral um die Welt. Auch die Irish Whale and Dolphin Group, eine gemeinnützige Organisation in Irland, veröffentlichte Bilder und Informationen über das Tier auf ihrer Facebook-Seite. Nachdem das Tier wieder verschwand, ist es seither nicht wieder entdeckt worden.

Experten vermuten, dass es sich beim Besucher um ein junges Adulttier handelt, dessen Geschlecht aber nicht aufgrund von Bildern bestimmt werden kann. Auf den Aufnahmen machte das Tier einen etwas erschöpften Eindruck, schien aber ansonsten gesund. Das erstaunt auch nicht weiter, da das Walross wahrscheinlich aus dem über 2’100 Kilometer entfernten Osten Grönlands stammen dürfte. Unwahrscheinlich ist es, dass das Tier auf einem Eisberg oder einer Eisscholle abgetrieben worden war und dann nach Irland kam. Diese Vermutung äusserte ein Vertreter eines Aquariums gegenüber den irischen Medien. Denn die Strömungsverhältnisse bei Ostgrönland treiben Eis in Richtung Süden und nicht in Richtung Irland. Doch die Geschichte machte trotzdem die Runde.

Der Eintrag der Schutzorganisation Irish Whale and Dolphin Group auf Twitter zeigt ein junges Tier, das einen erschöpften Eindruck macht. Experten vermuten, dass es aus dem über 2’100 Kilometer entfernten Ostteil Grönlands stammte und auf der Suche nach Nahrungsquellen war. Doch es war nicht das erste Walross in Irland. Bilder: IWDG

Es ist nicht ungewöhnlich für junge Adulttiere, sich neue Nahrungsgründe zu suchen, wenn sie auf Wanderschaft gehen. Doch derart weit nach Süden zu schwimmen, ist selten. Für Irland ist es nach Angaben des Nationalen Biodiversitätszentrums der elfte Besuch eines Walrosses seit 1897. Es ist aber möglich, dass zum einen mehr Tiere die Insel besucht haben und nicht gemeldet wurden, besonders früher. Auch andere Teile von Europa hatten schon Besuch von Walrossen. Vor einigen Woche sorgte ein Walross an der Küste von Thy in Dänemark für Furore. Auch in Grossbritannien waren schon Walrosse in den vergangenen Jahren gesichtet worden.

Von der Ostküste bis in die Südwestliche Ecke Irlands sind es über 2’100 Kilometer Luftlinie. Da Walrosse an ein Leben im Meer angepasst sind, ist diese Strecke schwimmtechnisch kein Problem. Doch Nahrung findet sich nur an wenigen Orten, da die Tiere nicht tief tauchen für die Muscheljagd. Bild: Michael Wenger via Google Earth

Für Irland ist der Zeitpunkt des Besuchs des arktischen Bewohners in zweierlei Hinsicht passend: Zum einen hat die irische Regierung ihre Bewerbung beim Arktisrat um einen Sitz im Beobachterkreis eingereicht und begründet dies mit dem Einfluss der Arktis auf den Inselstaat und seinen zahlreichen Polarforschern. Zum anderen tauchte das Tier gerade auf, als sich Irland auf den St. Patrick’s Day, den irischen Nationalfeiertag, vorbereitet hat. Vielleicht wollte das Tier dem Staat so seine Aufwartung machen. Denn Irland und Grönland haben vieles gemeinsam, unter anderem die Farbe «Grün». Darum:

LÁ FHÉILE PÁDRAIG SONA DUIT, ÉIRE!

Dr. Michael Wenger, PolarJournal

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