Vor 430.000 Jahren über der Antarktis explodiert | Polarjournal
Wissenschaftler haben Beweise dafür, dass ein Asteroid vor 430.000 Jahren über der Antarktis explodiert ist. Dabei regnete es Mikropartikel auf das Eis.

Ein belgisches Forscherteam hat neue Beweise dafür gefunden, dass vor ca. 430.000 Jahren ein großer Asteroid knapp über der Eisdecke der Antarktis explodierte ist. Der Beweis dafür sind kleine Teilchen mit einer einzigartigen Zusammensetzung, die von einer belgischen Expedition im Queen Maud Land in der Antarktis gefunden wurden. 

Ein vergrößertes Bild der vom Forscherteam im Sør Rondane-Gebirge in der Nähe der ‘Princess-Elisabeth-Station’ in der Antarktis entdeckten außerirdischen Partikel. (Foto: Scott Peterson / micro-meteorites.com)

Die Antarktis bietet aufgrund ihres trockenen, kalten Klimas die perfekte Voraussetzung, um nach Meteoriten zu suchen, sagte der Geologe Matthias van Ginneken in einem Interview mit dem Wissenschaftsportal ‘Live Science’. Das Team fand die Mineralpartikel im Sør Rondane-Gebirge, dem zur Ostantarktis zählenden Queen Maud Land. Ginneken hat sich auf die Untersuchung von Mikrometeoriten oder extrem kleinen Meteoriten von der Größe von Staubpartikeln spezialisiert.

„Es war meine erste Antarktisexpedition und wir fanden dieses ideale Gebiet zur Probenahme auf einem Berg in Sør Rondane“, sagte Van Ginneken, der jetzt an der Universität von Kent in Großbritannien forscht.

Nachdem Van Ginneken Sediment vom Gipfel gesammelt hatte, scannte er die Proben mit einem Elektronenmikroskop. Die gefundenen außerirdischen Teilchen werden als kugelförmige kondensierte Partikel bezeichnet. Die von Ginneken gesammelten 17 dunkelschwarzen Partikel sind alle kleiner als 1 Millimeter. Gefunden wurden sie während der BELAM-Expedition (Belgische Antarktische Meteoriten) 2017-2018, die von der belgischen Station „Princess Elisabeth Antarctica“ mit Mitteln der föderalen Wissenschaftspolitik (BELSPO) organisiert wurde. 

Ein stark vergrößertes Bild mit einem Rasterelekronenmikroskop von zwei der Partikel. Foto: Bastien Soens / Flore Van Maldeghem)

In der Luft explodieren

Da der Asteroid bereits am Himmel explodiert war, hatte er keinen charakteristischen Einschlagkrater im Eis hinterlassen. Es wurde festgestellt, dass die Proben sogenannte Kügelchen enthielten. Wenn ein Asteroid in der Atmosphäre explodiert, bildet sich eine große Wolke aus verdampftem und geschmolzenem Gestein. Durch die Abkühlung entstehen kugelförmige Partikel – Kügelchen -, die sich auf dem Eis ablagerten. Infolgedessen wusste das Team sofort, dass es sich um Material fremden Ursprungs handelte. Es wird angenommen, dass der Asteroid etwa 100 mal 150 Meter groß war.

Um abzuschätzen, zu welchem Zeitpunkt sich diese Partikel gebildet haben, machte sich das Team auf die Suche nach Berichten über ähnliche Meteoriten-Touchdowns. Es stellte sich heraus, dass ähnliche Partikel in Eisbohrkernen aus anderen Regionen der Antarktis gefunden wurden, darunter in zwei Gebieten, die als EPICA Dome C und Dome Fuji bekannt sind. Studien deuten darauf hin, dass diese Meteoriten vor 430.000 bzw. 480.000 Jahren auf die Erde gefallen sind. Durch Vergleich der neu entdeckten Partikel mit den anderen Teilchen schätzten die Autoren, dass sich die Walnumfjellet-Partikel vor 430.000 Jahren gebildet haben.

Rauchspur des Meteors von Jekaterinburg aus gesehen und etwa 200 km von Chelyabinsk entfernt. (Foto: Wikipedia)

Ein Asteroid explodierte 2013 über Chelyabinsk

Solche Explosionen kommen selten vor. Ein Asteroid war am 15. Februar 2013 um etwa 9:20 Uhr Ortszeit bei der russischen Stadt Chelyabinsk in die Erdatmosphäre eingetreten und noch in der Luft explodiert.

Die Schockwelle des Asteroiden beschädigte mehr als 7.000 Gebäude und verletzte mehr als 1.000 Menschen. Die Schockwelle brach Fenster in 58 Meilen Entfernung. 

Der Meteor wurde vielfach beobachtet und gefilmt. Es handelte sich um den größten bekannten Meteor seit über 100 Jahren. Ein noch größerer Meteor könnte zuletzt beim Tunguska-Ereignis im Jahr 1908 in die Erdatmosphäre eingedrungen sein.

Heiner Kubny, PolarJournal

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