Kanada sieht China als Problem in der Arktis | Polarjournal
Forscher führen zusammen mit «HMCS Harry DeWolf» während der Testphase des Schiffes in der Nähe der Frobisher Bay am 20. Februar 2021 Eismessungen durch. (Foto: Canadian Defence Ministry)

Das kanadische Verteidigungsministerium beurteilt neben dem Klimawandel die Expansion Chinas in die Arktis als zukünftige Probleme, mit denen sich Kanada in nächster Zeit auseinandersetzen muss. Die Warnungen kamen nachdem die «Royal Canadian Navy» kürzlich Eistests und Versuche für die erste ihrer neuen Flotte von Offshore-Patrouillenschiffen der Arktis abschlossen hat.

Die Harry-DeWolf-Klasse ist eine Klasse von Patrouillenschiffe für arktische Gewässer der kanadischen Marine. Geplant sind sechs Schiffe. Der Bau des ersten Schiffes «HMCS Harry DeWolf» begann im September 2015. Nach Übergabe der ersten Einheit ist nun vorgesehen diese im August 2021 in Dienst zustellen. (Foto: Halifax Shipyard)

Der Chef des Verteidigungsstabs, Generalleutnant Wayne Eyre, sandte am 24. März allen kanadischen Streitkräften eine Nachricht, in der er einige Verteidigungsprobleme hervorhob, mit denen das Militär in Zukunft konfrontiert sein wird. 

Er bemerkte, dass das Militär gleichzeitig mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeitet, um die Überwachung der nordamerikanischen Luft- und Raumfahrt sowie der arktischen Gebiete zu verbessern.

„Verschiedene Trends wie der Klimawandel, das zunehmende internationale Interesse an der Arktis und Herausforderungen an unsere nationale Widerstandsfähigkeit führen zu Veränderungen in der Konzeption der nationalen Verteidigung“, schrieb Eyre.

Bereits habe Kanada verbesserte Fähigkeiten wie die Marineschiffe geschaffen. Im Februar fuhr das «HMCS Harry DeWolf» erstmals als Testlauf in arktische Gewässer. „Erste Eisfahrten wurden im Rahmen des Versuchsprogramms nach der Abnahme des Schiffes vor der Küste Baffin Islands durchgeführt“, sagte Dan Le Bouthillier, Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Die «HMCS Harry DeWolf» ist das erste von sechs in Auftrag gegebenen Patrouillienschiffe und soll im August seinen ersten Einsatz in der Arktis durchführen. Die Planung und der Bau eines polaren Eisbrechers werden zwar fortgesetzt, ist jedoch fast ein Jahrzehnt hinter dem Zeitplan zurück.

Die stellvertretende Verteidigungsministerin Jody Thomas meint, dass die Arktis sowohl für die USA als auch für Kanada eine Sicherheitspriorität darstellt. (Foto Andrew Meade)

Die stellvertretende Ministerin des Verteidigungsministeriums, Jody Thomas, warnte während einer Konferenz am 10. März, dass Chinas Expansion in die Arktis auch ein Risiko für Kanada darstellt könnte.

„Wir sollten die Bedrohung durch die Ausbeutung von Ressourcen in der Arktis insbesondere durch China überhaupt nicht unterschätzen“, sagte Thomas während einer virtuellen Konferenz der Verteidigungsverbände. „China hat einen unersättlichen Bedarf an Ressourcen und wird vor nichts Halt machen, um an diese zu gelangen Die Arktis ist eine der letzten Regionen, die noch übrig sind. Wir müssen sie verstehen und ausnutzen – und zwar schneller, als die Chinesen sie ausnutzen können.“

Die kanadische Regierung hat nach Sicherheitsbedenken den Verkauf der Goldmine «Hope Bay»an chinesische Investoren untersagt. (Foto: Marilyn Scales)

Kanada hat das Problem bereits erkannt und hat erste Schritte eingeleitet um die chinesische Präsenz in der Region einzuschränken. Im Dezember 2020 lehnte die kanadische Regierung, unter Berufung auf nationale Sicherheitsbedenken, einem staatlich kontrollierten chinesischen Unternehmen, den Kauf der Goldmine «Hope Bay» ab. Die nahe an der Nordwest-Passage liegende Mine hätte den Chinesen den Zugang zu dieser wichtigen Wasserstrasse ermöglicht. Diese Wasserstrasse wird als wichtige Schifffahrtsroute angesehen, da das Eis aufgrund des Klimawandels schmilzt.

Thomas äußerte auch Bedenken hinsichtlich der russischen Aktivitäten in der Arktis, einschließlich des Baus von Militärbasen und neuen Eisbrechern in Russland. „Niemand würde so viel Geld in den Aufbau der militärischen Kapazitäten in der Arktis ohne Grund, Absicht oder Zweck investieren“, sagte sie. „Wir sollten darüber nicht naiv sein. Das heißt nicht, dass es unmittelbar ist, aber es ist da.“

Heiner Kubny, PolarJournal

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