Flüge zum Nordpol auch ab Russland geplant | Polarjournal
Das Eis-Camp Barneo ist jeweils im April für ca. 3-5 Wochen für Forscher und Besucher geöffnet, bevor die wärmende Sonne das Eis am Nordpol instabil und unsicher macht. (Foto: Camp Barneo)

Wie das führende Webportal aeroTELEGRAPH diese Woche berichtete sollen einige Flüge zum Camp Barneo nahe dem Nordpol nun auch ab Russland angeboten werden. Diese sind bereits auf der Webseite des Camps aufgeführt. Ab wann diese Flüge aber geplant sind ist noch nicht ganz klar. Der Gouverneur der russischen Region Krasnoyarsk, Alexander Uss meint, dass eine Alternative zu Norwegen und Flüge ab Khatanga eine grosse Chance für die Region zur Förderung des Tourismus sei, auch wenn nur 10 Flüge im Jahr ab Khatanga zum Nordpol organisiert würden.

Der Flug mit der Antonov AN-74 ab Longyearbyen auf Spitzbergen zum Eis-Camp Barneo dauert 2½ Stunden. Gelandet wird auf einer ca. 2 Meter dicken Eisscholle, darunter ist der Arktische Ozean an dieser Stelle 4.000 Meter tief. (Foto: Heiner Kubny)

Wer es schneller möchte kann eine Flugreise zum nördlichsten Punkt der Erde buchen. Dies ist allerdings nur wenige Wochen im Jahr, jeweils im April möglich.

Bereits Ende März suchen Mi-8-Helikopter in der Nähe des Nordpols eine stabile und tragfähige Eisscholle, um darauf das Camp aufzubauen. Was danach folgt ist eine logistische Meisterleistung. Eine Ilyushin Il-76 fliegt ab Murmansk Baumaterial heran und wirft am Standort des Camps aus 600 Meter per Fallschirm Bulldozer, Treibstoff und Material ab. Der Bautrupp wird aus Gründen der Sicherheit danach aus einer Höhe von 3.000 Meter abspringen und beim Materialdepot landen. Unmittelbar danach wird im 3-Schichtbetrieb das Eis-Camp Barneo mit einer 1200 Meter langen Piste aufgebaut, damit in einigen Wochen Forscher und Touristen ab Spitzbergen Barneo einen Besuch abstatten können.

Der Flug von Longyearbyen auf der norwegischen Insel Spitzbergen nach Barneo mit einer Antonov An-74 dauert rund 2,5 Stunden. Mit einem Helikopter geht es von dort weiter Richtung geografischer Nordpol. Eine dreitägige Tour mit Übernachtung in der Arktis kostet 23.000 Euro. (Foto: Heiner Kubny)

Politiker wirbt für sibirisches Dorf

2019 fielen die Reisen aus, da es zwischen Russland und der Ukraine Unstimmigkeiten rund um die Antonov AN-74 ging. Die ukrainischen Piloten weigerten sich auf eine ‘russische Polarstation’ zu fliegen und reisten unverrichteter Dinge von Spitzbergen in Richtung Ukraine wieder ab. 2020 verhinderten die norwegischen Corona-Einreisebestimmungen die Flüge. Ebenso war es 2021.

Der Gouverneur der russischen Region Krasnoyarsk, Alexander Uss, schlägt nun vor, eine Alternative zu Norwegen anzubieten. Er will laut Nachrichtenagentur Tass Unternehmen dazu animieren, vom nordsibirischen Dorf Khatanga aus zu starten. «Selbst, wenn wir nur zehn Flüge pro Saison durchführen können, wird es ein einzigartiges Produkt sein», so Uss.

Der Flug ab Khatanga bringt für Besucher aus Russland und China einige Vorteile. Der Weg über Sibirien ist viel kürzer und einfacher und vor Sanktionen sicher. Zudem ist der Flug ab Khatanga für Russen und Chinesen «Visafrei».

Flüge ab Spitzbergen werden aber immer noch den Hauptteil der Tätigkeiten ausmachen. Für Besucher aus Europa ist Barneo einfach zu erreichen und ebenfalls ohne Einreisebestimmungen, wenn nicht wieder ein Virus dem ganzen Vorhaben einen Strich durch die Rechnung macht.

Heiner Kubny, PolarJournal

Link zu aeroTHELEGRAPH

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