Langsame Öffnung der Falklandinseln für Touristen? | Polarjournal
Die Falklandinseln sind ein echtes Naturparadies. Ihre Abgeschiedenheit sorgte dafür, dass zahlreiche Tierarten rund um die Inseln eine Heimat haben. Doch auch landschaftlich wissen die Inseln mit weissen Sandstränden, kristallklarem Wasser und saftiger Pflanzenwelt zu begeistern. Bild: Michael Wenger

Als die COVID-Pandemie zu Beginn des Jahres 2020 startete, ging die Antarktis-Saison für die Falklandinseln langsam zu Ende. Die Hoffnung, dass knapp 7 Monate später wieder eine Saison starten würde, musste jedoch schon relativ früh begraben werden. Einreisebeschränkungen, Quarantänemassnahmen und eine verantwortungsvolle Bevölkerung sorgten dafür, dass die rund 3’000 Bewohner der Inseln relativ gut und ohne hohe Ansteckungszahlen durch die Pandemie kamen. Mit der neuen Saison 21/22 vor Tür denkt man aber nun darüber nach, wie Schutz der Bevölkerung und eine Öffnung für Touristen einhergehen könnten.

Für den Inselarchipel mitten im Südatlantik steht durchaus einiges auf dem Spiel. Denn der Tourismus-Sektor gehört zu den wichtigen Einnahmequellen der Bevölkerung. Auf einigen der über 770 Inseln bieten Farmen Lodges an, die man mieten kann und von wo aus man die reichhaltige Tier- und Pflanzenwelt erleben kann. Auch der Kreuzfahrttourismus spielt eine zentrale Rolle als Einnahmequelle, da die Hauptstadt Port Stanley von vielen Schiffen angelaufen wird und Tagestouristen zahlreiche Aktivitäten und Ausflüge buchen. Vor der Pandemie kamen rund 82’000 Besucher nach Port Stanley, wie die Tourismusbehörde erklärt. Daher wollen die Interessenvertreter dieser wichtigen Branche eine gewisse Planungssicherheit für die bevorstehende Saison.

Die meisten Besucherpunkte und die Flaniermeile von Port Stanley liegen an der Ross Road. In der letzten Saison war kein Tourist zu sehen, da die Inseln sich praktisch abgeschottet hatten. Doch mit der erfolgreichen Impfkampagne der Verwaltung soll eine sichere Öffnung für Touristen in Erwägung gezogen werden. Bild: Michael Wenger

Bereits im April hatten die Tourismusverantwortlichen von der Regierung eine Klärung der Situation gefordert. Damals gab man sich aber vorsichtig aufgrund der Unwägbarkeiten der Situation, auch in Grossbritannien. Finanzielle Hilfe für die Betriebe solle gleichzeitig dafür sorgen, dass die Tourismusbetreiber zumindest in dem Bereich Sicherheit habe, erklärte der zuständige Abgeordnete damals. Die Gesundheitsverantwortliche der Selbstverwaltungsbehörde, Dr. Beccy Edwards, hat bei einer Anhörung nun bekanntgegeben, dass sie eine vorsichtige Lockerung der strengen Quarantänemassnahmen favorisiere. Das schreibt die lokale Zeitung Penguin News. Ihre Aussage beruhe auf der Tatsache, dass bereits 94 Prozent der Bevölkerung eine erste Dosis des Impfstoffes von AstraZeneca erhalten haben. Ausserdem relativiert sie ihr Statement: Sie glaube, dass obwohl ein Risiko bestehe, die Massnahmen zur Einreise zu lockern, müsse man Vertrauen habe, dass der Impfstoff so wirke, dass Menschen nicht ernsthaft krank werden. Menschen würden zwar gegebenenfalls trotzdem krank, aber nicht so schwer.

Das Problem, das durch die gegenwärtigen Quarantänemassnahmen entsteht, ist der Mangel an medizinischen Spezialisten, die nicht einfach eingeflogen werden können. Dadurch entsteht ein öffentliches Gesundheitsrisiko. Bild: Michael Wenger

Ob dieser Strategiewechsel sinnvoll ist, kann nur abgeschätzt werden. Wie bereits erwähnt besteht das Risiko, die neuen Varianten auf der Insel einzuschleppen. Und gerade diese machen mittlerweile einen Grossteil der Neuinfektionen in Europa aus. Ferner kommt dazu, dass ein anderer Inselarchipel mit seiner Hoffnung auf die Durchimpfung seiner Bevölkerung für eine mögliche Öffnung für Touristen eine Bruchlandung hingelegt hat. Die Seychellen im Indischen Ozean galten vor einigen Tagen noch als Musterbeispiel beim Impfprozess. Knapp 60 Prozent der Bevölkerung galt als komplett geimpft. Doch letzte Woche holte die Realität die Inselbewohner und die Regierung ein: Die Zahlen an Neuinfektionen schossen in die Höhe und bringen das Gesundheitssystem an den Rand des Kollapses. Eine ähnliche Situation will man auf den Falklandinseln wie bisher vermeiden. Trotzdem müsse man die indirekten Risiken auch miteinbeziehen. Denn fehlendes Gesundheitspersonal und Spezialisten seien ein solches indirektes Risiko und müsse ins Gesamtbild eingebaut werden. Daher müsse man eine Entspannung der Quarantänemassnahmen in Betracht ziehen, zitiert Penguin News die Ärztin.

Pinguine haben es einfach, sie leben auf den Inslen. Ansonsten kann man nur entweder per Schiff in Port Stanley oder per Flugzeug via Mount Pleasance Flughafen einreisen. Flüge aus Südamerika sind zurzeit noch ausgesetzt und ab Grossbritannien via Senegal nur für Einheimische und essentielle Arbeiter möglich. Eine zweiwöchige Quarantäne wird zurzeit verlangt neben einem negativen COVID-Test. Bild: Wiki Commons

Die Flüge, die zurzeit möglich sind, gehen alle ab dem RAF-Stützpunkt Bryce Norton in Südwestengland mit einem Zwischenstopp im Senegal. Zwar hatten Lufthansa und auch die RAF mit Nonstopflügen Rekorde aufgestellt. Doch die üblichen Verbindungen via Südamerika sind zurzeit noch keine Option, denn LATAM hat alle Flüge ab Sao Paulo oder Santiago de Chile bis mindestens dem 1. Oktober ausgesetzt. Alle Einreisende müssen einen negativen COVID-Test vorweisen, sich registrieren, bei Ankunft eine eigene Transportmöglichkeit zu ihrem Quarantäneort vorweisen und sich danach 14 Tage in Quarantäne begeben. Ob und wann eine Lockerung dieser Regelung nun stattfinden wird, ist noch nicht klar. Doch die Inseln und ihre nun Minen-freien Sandstrände und landschaftlichen Highlights stehen für die Touristen bereit.

Dr. Michael Wenger, PolarJournal

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