„Polarstern“ und AWI fahren in den „Hausgarten“ | Polarjournal
Mit hochmodernen Geräten wie dem autonomen NOMAD-Tiefseeroboter untersuchen Forscher im „Hausgarten“ die Veränderungen im arktischen Ozean. Dabei sollen gerade die Auswirkungen auf längere Zeit untersucht werden. Archivbild: Esther Horvath, AWI

Heute am Pfingstmontag startet die Polarstern Richtung Arktis. In der Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen werden gut 50 wissenschaftliche Fahrtteilnehmende die seit über 20 Jahren laufenden Langzeitbeobachtungen im sogenannten AWI HAUSGARTEN fortsetzen. Sie erforschen hier den Einfluss von Umweltveränderungen auf das arktische Tiefseeökosystem.

Die Arktis verändert sich: Steigende Wassertemperaturen und der Rückgang des Meereises bewirken dadurch Ökosystemverschiebungen im offenen Wasser und im tiefen Ozean. „Wir wollen die Änderungen im Ökosystem ermitteln und quantifizieren sowie Rückkopplungen auf ozeanographische Prozesse untersuchen“, sagt Dr. Thomas Soltwedel, Tiefseebiologe am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) und Leiter der Expedition. „Unsere Untersuchungen beinhalten die Identifizierung räumlicher und zeitlicher Entwicklungen in der Funktion ausgewählter Plankton- und Benthos-Gemeinschaften“, sagt Thomas Soltwedel, der am AWI die Sektion Tiefsee-Ökologie und -Technologie leitet. Die Beobachtungsdaten sollen zukünftig in ein umfassendes Repositorium einfließen, das sich derzeit im Aufbau befindet.

Das Langzeit-Beobachtungsgebiet, liebevoll der AWI-„Hausgarten“ genannt, liegt in der Framstrasse, zwischen Svalbard und Ostgrönland. Hier fliessen sowohl in der Tiefe wie auch an der Oberfläche mehrere Meeresströmungen, durch. Die Framstrasse ist zusammen mit der Beringstrasse die einzigen Verbindungen des Arktischen Ozeans mit den übrigen Weltmeeren und bringt so alle Veränderungen in die Hocharktis. Seit über 20 Jahren forscht hier das AWI an 21 Stellen (graue Punkte). Karte: AWI / Google Earth

Die Expedition soll darüber hinaus genutzt werden, um weitere Installationen für das FRAM (FRontiers in Arctic marine Monitoring) Ozeanbeobachtungssystem aufzubauen. FRAM wird kontinuierliche Untersuchungen von der Meeresoberfläche bis in die Tiefsee ermöglichen und zeitnah Daten zur Erdsystem-Dynamik sowie zu Klima- und Ökosystem-Veränderungen liefern. „Daten des Beobachtungssystems werden zu einem besseren Verständnis der Veränderungen in der Ozeanzirkulation, den Wassermasseneigenschaften und des Meereisrückgangs sowie deren Auswirkungen auf das arktische, marine Ökosystem beitragen“, berichtet Thomas Soltwedel.

Im Rahmen des FRAM-Projekts werden nicht nur Bojen und Messstationen verwendet, sondern auch autonom operierende Roboter. Während die einen in der Wassersäule unterwegs sind, fahren andere wie der TRAMP auf dem Meeresboden und sammeln dort verschiedene Daten. Meist bleiben die Geräte ein Jahr oder länger in der Tiefe, bevor sie wieder ans Tageslicht gebracht werden. Bild: Esther Horvath, AWI

Neben einem autonomen unbemannten Fluggerät (Unmanned Aerial Vehicle, UAV) setzt das Forschungsteam hierfür auch verschiedene autonome, in der Wassersäule agierende (Autonomous Underwater Vehicle, AUV) sowie auf dem Tiefseeboden operierende Unterwasserfahrzeuge (Benthic Crawler) ein. Darüber hinaus untersuchen die Forschenden den Eintrag von Plastikmüll in den Ozean. Dabei betrachten sie vertikale Plastikflüsse von der Meeresoberfläche zum Meeresboden und die Wechselwirkungen zwischen Plastik und marinen Organismen.

Pressemeldung AWI

Link zur FRAM-Webseite: hier

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