Grosse Ehrung für ersten Schweizer in der Antarktis | Polarjournal
Der Schweizer Botschafter Pedro Zwahlen (rechts) und die britische Hochkommissarin für Australien, Victoria Treadell (links), enthüllen schwungvoll die beiden Gedenktafeln für Xavier Mertz und Belgrave Ninnis im Rahmen des Gedenkens an die verstorbenen Expeditionsteilnehmer. Bild: Dan Broun AAD

Die Schweiz ist in der Polarforschung schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts involviert. Bekannt sind die Forschungsreisen nach Grönland durch Alfred de Quérvain. Doch auch in der Antarktis war schon im «Goldenen Zeitalter der Polarforschung» ein Schweizer unterwegs gewesen, Dr. Xavier Mertz. Er war mit Douglas Mawson auf dessen erster australischen Expedition 1911 – 1914 unterwegs. Doch im Zuge dieser Expedition verloren Mertz und sein Freund Lieutenant Belgrave Ninnis ihr Leben. Nun sind ihnen zu Ehren im Hafen von Hobart zwei Gedenktafeln direkt vor dem Museum enthüllt worden.

Auf dem Mawson Place, direkt am Hafen von Hobart und nur 150 Meter vom Startpunkt der damaligen Expedition, wurden in einer feierlichen Zeremonie die beiden Gedenktafeln vom Schweizer Botschafter Pedro Zwahlen und der britischen Hochkommissarin für Australien, Victoria Treadell, enthüllt. Mit dabei waren auch der Leiter der Australian Antarctic Division, Dr. Kim Ellis und der Vorsitzende und Gründer der Mawsons Hut Foundation, David Jensen. Diese Gesellschaft ist es auch, die das historische Erbe Mawsons und dem Beginn der australischen Forschung in der Antarktis verwaltet. Die Zeremonie wurde im Rahmen eines Gedenkens an die Opfer der ersten australischen Antarktisexpedition durchgeführt, die vor 110 Jahren in Hobart gestartet war.

An der Gedenkfeier im Hafen von Hobart, von wo aus 110 Jahre zuvor die Expedition gestartet war, nahmen einige hochrangige Vertreter der Schweiz, Grossbritanniens und Australiens teil. Aufgrund der Corona-Massnahmen blieb die Feier im kleineren, aber nicht weniger feierlichen Rahmen. Bild: Dan Broun AAD

David Jensen hielt die Eröffnungsrede und unterstrich dabei die Bedeutung sowohl der Expedition wie auch die Verdienste der beiden Teammitglieder. «Es war Australien’s erste antarktische Forschungsexpedition und die erste rein wissenschaftliche Expedition in die Antarktis überhaupt», erklärte David Jensen. «Die Anerkennung der Opfer dieser Expedition ist schon lange überfällig gewesen und wird helfen, die Geschichte der beiden Männer und der Expedition von Sir Douglas Mawson zu erzählen.» Er wies darauf hin, dass neben den beiden Gedenktafeln nur ein Kreuz bei Kap Denison, dem Standort von Mawson’s Hütte und Basis der Expedition, vom Schicksal von Mertz und Ninnis erzählen.

Der Schweizer Botschafter in Australien, Pedro Zwahlen, betonte den Pioniergeist und die Leistung von Mertz und Ninnis im Zuge der Mawson-Expedition und die Bedeutung, die Mertz auch für die Schweizerisch-Australische Zusammenarbeit in der Antarktisforschung hat. Bild: Dan Bround AAD

«Er hat der Geschichte der Polarforschung seinen Stempel aufgesetzt und seine Beiträge zu Mawson’s Expedition waren die ersten in einer langen Reihe der Schweizerisch-Australischen Zusammenarbeit in und um Antarktika.»

HE Pedro Zwahlen, Schweizer Botschafter in Australien

Auch Botschafter Pedro Zwahlen erklärte in seiner Rede: «Wir stehen hier, um dem ausserordentlichen Mut und dem Pioniergeist des Schweizers Dr. Xavier Mertz und seines britischen Freundes Lieutenant Belgrave Ninnis und deren Beitrag zu Wissenschaft und antarktischer Entdeckungsgeschichte zu gedenken. Dr. Xavier Mertz war der erste Schweizer, der den Fuss auf den antarktischen Kontinent gesetzt hatte.» Weiter hob der Botschafter die Bedeutung von Mertz für die Schweizerisch-Australische Kooperation in Sachen Antarktisforschung hervor: «Er hat der Geschichte der Polarforschung seinen Stempel aufgesetzt und seine Beiträge zu Mawson’s Expedition waren die ersten in einer langen Reihe der Schweizerisch-Australischen Zusammenarbeit in und um Antarktika.» Auch die Hochkommissarin Grossbritanniens in Australien, Victoria Treadell, lobte mit ihren Worten den Geist der beiden Expeditionsteilnehmer: «Diese Männer kamen weit weg von zu Hause ums Leben, während sie das menschliche Wissen durch wissenschaftliche Entdeckungen förderten. Ihre Beiträge zu den Erfolgen der australischen Antarktisexpedition werden nicht vergessen, und unsere Nationen ehren ihr Erbe und feiern den unendlichen Geist wissenschaftlicher Abenteuer.»

Dr. Xavier Mertz (1882 – 1913), in Basel geboren, war ein hervorragender Skifahrer. Das war wohl einer der Gründe, warum Douglas Mawson den Schweizer mit auf die erste australische Antarktisexpedition nahm. Im Laufe der Zeit entwickelte sich aus dem Anwalt ein echter Antarktispionier und Forscher, dessen Beiträge wichtig für die wissenschaftlichen Untersuchungen der Expedition waren. Bilder: Frank Hurley (aus „Xavier Mertz – Die Bilder“ von Martin Riggenbach)

Dr. Xavier Mertz, der eigentlich Anwalt, erfolgreicher Skisportler und Fotograf war und Lieutenant Belgrave Ninnis von den Royal British Fusiliers, hatten sich auf eine Anzeige von Douglas Mawson gemeldet. Während Ninnis mit seinem militärischen Rang und seiner Ausbildung Mawson überzeugen konnte, waren es wahrscheinlich Mertz’s Erfahrung im Skifahren und sein Enthusiasmus, die den eigentlich Polar-unerfahrenen Schweizer in das Team gebracht hatten. Da die beiden Mawson’s Schiff, die SY Aurora von London nach Hobart bringen mussten und auch für die Schlittenhunde zuständig waren, wurden sie schnell enge Freunde.

Xavier Mertz, hier links, und Lieutenant Belgrave Ninnis von der Britischen Armee, waren von Douglas Mawson für dessen «Australasian Antarctic Expedition» angeheuert worden. Die drei machten sich 1912 auf, unbekannte Teile der Ostantarktis mit Hundeschlitten zu erkunden. Doch beide verloren ihr Leben auf dieser Expedition, Mawson überlebte nur knapp. Bild: Frank Hurley (aus Martin Riggenbacher «Xavier Mertz – Die Bilder»)

Im Sommer 1912 bildete Mawson mit den beiden eines von mehreren Teams, die in der Ostantarktis Forschungs- und Erkundungsfahrten von Kap Denison aus unternehmen sollten. Während der Reise fiel zuerst Ninnis mit seinem Schlitten und einem Grossteil der Ausrüstung und Nahrung in eine Gletscherspalte und verschwand spurlos. Mawson und Mertz, die mehr als 500 Kilometer von der Basis entfernt waren, machten sich auf den Rückweg. Nach und nach erschossen und assen sie die Schlittenhunde, um zu überleben. Doch Mertz, geschwächt und krank, starb rund 200 Kilometer vor der Basis am 8. Januar 1913. Mawson begrub den Schweizer und machte sich allein auf den Rückweg. Mehr tot als lebendig erreichte er vier Wochen später das rettende Lager. Mertz und Ninnis, deren Leichen nicht mehr gefunden wurden, ehrte er indem er zwei grosse Gletscher, die sie erkundet hatten, nach ihnen benannte. Ein Kreuz auf Kap Denison erinnerte bis gestern als einziges Denkmal an die beiden Polarhelden.

Dr. Michael Wenger, PolarJournal

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