Tankermangel verzögert LNG-Lieferungen | Polarjournal
Der eisbrechende LNG-Frachter «Christophe de Margerie» wurde von der südkoreanischen Werft DSME gebaut und im März 2017 in Betrieb genommen. Mit der Eisklasse Arc-7 und einer Ladekapazität von 172.600 m³ kann der Frachter praktische das ganze Jahr die Nordost-Passage befahren. (Foto: Novatek)

Novatek, Russlands größter Flüssigerdgasproduzent plant erst ab Mitte Juni wieder mit Lieferungen über die Nordost-Passage nach Asien zu beginnen, einen Monat später als letztes Jahr. Grund dazu ist die fehlende Transportkapazität. Frühere ‘Winterfahrten’ konnten nicht alle erfolgreich durchgeführt werden. Um in der eisfreien Zeit nicht mit Ausfällen konfrontiert zu werden, kamen die späteren Fahrten nach Asien zustande.

Der LNG-Verladehafen wurde im Dezember 2017 in Betrieb genommen. Die Investition betrug nach Schätzungen 27 Mrd. US-Dollar. Der Hafen ist die grösste Anlage innerhalb der Nordost-Passage. (Foto: Novatek)
 

Novatek hat im Jahr 2020 Geschichte geschrieben, indem sie bereits Mitte Mai die ersten Frachter über die Nordost-Passage nach Asien schickte. In diesem Frühjahr wiederholte Novatek dieses Kunststück nicht, da seine begrenzte Flotte von Tankern eine zuverlässige Versorgung eines boomenden asiatischen Marktes gewährleisten muss. Ein Ausfall eines LNG-Frachters durch eine Beschädigung wegen des Eises auf der Route hätte längerfristige Folgen.

Beim Versuch die Nordost-Passage im Januar zu durchfahren erlitt der Arc-7 LNG-Frachter «Nikolay Yevgenov) am 16. Januar 2021 einen Schaden an den Azipoden (Antriebseinheit) und lag für einige Wochen in Brest im Trockendock. Dies war bereits der zweite Schadenfall eines LNG-Frachters. Die 2018 gebaute 299 Meter lange «Georgiy Brusilov» ereilte das gleiche Schicksal und musste im Dezember 2019 ins Trockendock.

Das Azipod-Antriebssystem, bei dem sich der elektrische Antriebsmotor in einer Gondel außerhalb des Schiffsrumpfs befindet, kann um 360 Grad gedreht werden, um die Manövrierfähigkeit zu verbessern. Dieses Antriebsystem ist besonders für Schiffe, die durch Eis fahren, entscheidend. Die neuen LNG-Tanker werden nach ARC7 eingestuft – der höchsten Eisklasse für Handelsschiffe. (Foto: ABB)

Während die Arktis eine kürzere Passage nach Asien bietet, ist sie im Frühjahr aufgrund des dicken Eises riskanter als die traditionelle Route durch den Suezkanal. „Ich wünschte, wir könnten dieses Jahr auch schon früher fahren“, sagte Leonid Mikhelson, Chief Executive Officer von Novatek, letzte Woche vor Reportern beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg. „Wir hatten im Mai einfach keine Tankerkapazität für die Verschiffungen.“

Novateks LNG-Anlage auf der arktischen Yamal-Halbinsel sind mit 114 % ihrer Produktionskapazität in Betrieb. Mit der kürzlichen Inbetriebnahme einer vierten Verladestelle konnte die Kapazität gesteigert werden, sagte Mikhelson. 

Novatek stehen 15 LNG-Tankern mit der Arc7-Eisklasse zur Verfügung, um die gestiegenen LNG-Mengen zu transportieren, sagte er.

Der russische LNG-Tanker «Christophe de Margerie» absolvierte als erstes kommerzielles Schiff die Nordost-Passage im Februar 2021 von der Beringstrasse zum Hafen Sabetta. Damit sollte nicht zuletzt demonstriert werden, dass der ‘Nördliche Seeweg’ beinahe ganzjährig genutzt werden kann. (Foto: Novatek)

Das Ziel ist eine ganzjährige Befahrung der Nordost-Passage

Die arktische Route erstreckt sich über mehr als 5.500 Kilometer (3.000 Seemeilen) zwischen der Barentssee nahe der russischen Grenze zu Norwegen und der Beringstraße im Nordpazifik. Es ist die kürzeste mögliche Route zwischen Asien und Europa.

Novatek erwartet ab der Saison 2023-2024 eine ganzjährige Navigation in Richtung Osten durch die Arktis, sagte Mikhelson.

Diese Aufgabe sei „vom technischen Standpunkt aus absolut machbar“ angesichts der Pläne Russlands, die Flotte von LNG-Tankern der Arc-7 Eisklasse und leistungsstärkeren Eisbrechern zu vergrößern, sagte Sergey Frank, Vorsitzender von Smart LNG.

Die Länge der letzten ‘Navigationssaison’ war ebenfalls rekordverdächtig, wobei Novatek bis Januar über die Arktis in Richtung Osten fuhr. Mikhelson will auch die aktuelle Saison 2021/22 verlängern. „Wir werden versuchen, die letzten Fahrten im Januar-Februar zu machen“, sagte er.

Heiner Kubny, PolarJournal

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