Wird Russland Chinas arktische Ambitionen auf Eis legen? | Polarjournal
Am 20. Mai 2021 übernahm Russland in Reykjavik für zwei Jahre den Vorsitz des Arktischen Rates. (Foto: Arctic Council)

Chinas Ambitionen, eine bedeutendere Rolle in der Arktis einzunehmen, werden wahrscheinlich in Zukunft zu wachsenden Spannungen führen. Peking kündigte bereits 2018 Pläne für eine ‘Polare Seidenstraße’ an und bezeichnete sich selbst zuvor als ‘nahen arktischen Staat’, obwohl Chinas nächster Punkt zum Polarkreis etwa 1.450 km vom Polarkreis entfernt liegt.

Der Vorschlag löste einige Kontroversen innerhalb des Arktischen Rates aus. Dieser besteht aus den acht arktischen Staaten – Kanada, Dänemark/Grönland, Finnland, Island, Norwegen, Russland, Schweden und den Vereinigten Staaten.

China als ’naher arktischer‘ Staat – ein chinesisches Forschungsteam versetzt in der Nähe des Eisbrechers «Xue Long» (Snow Dragon) im Arktischen Ozean einen Ozean-Profilierungsschwimmer. (Foto: Chinare)

Seit China im 2013 als Beobachter in den Arktischen Rat aufgenommen wurde hat es eine starke Präsenz in der Region aufgebaut. Trotz seines Enthusiasmus sind Chinas Bemühungen, eine wichtige Stimme in arktischen Angelegenheiten zu werden, auf Skepsis, ja sogar auf Besorgnis der arktischen Staaten gestoßen und nur wenige seiner Investitionen und Initiativen haben Früchte getragen. Nun könnte sich Chinas Schicksal sogar ins Negative drehen, da der strategische Partner Russland turnusgemäss für zwei Jahre den Vorsitz des Arktischen Rates übernommen hat.

Oksana Antonenko, Direktorin des Global Political Risk-Teams, sagte: Die Arktisstaaten seien besorgt darüber, dass China einseitig eine viel durchsetzungsfähigere Rolle spielt.

Gleichzeitig erhält Russland, das mit westlichen Sanktionen gegen die Energieförderung in der Arktis konfrontiert ist, Gelder von China.

„China stellt Investitionen bereit und möchte daher eine viel bedeutendere Rolle dabei spielen, den Transport auf dem nördlichen Seeweg zu ermöglichen“, sagte sie am 20. Mai 2021 vor der Ministertagung des Arktischen Rates. „Wir werden wahrscheinlich wachsende Spannungen zwischen China und den Anrainerstaaten in der Arktis sehen“, meinte Antonenko weiter.

Der neuste chinesische Eisbrecher «Xue Long 2» wurde gemeinsam von Aker Arctic Technology in Helsinki und dem Marine Design and Research Institute of China (MARIC) in Shanghai, entwickelt und steht seit Juli 2019 in Betrieb. (Foto: Chinare)

Alexander Gabuev vom Carnegie-Moscow-Center sagte, Russland habe ‘erweitertes Interesse’ an der Entwicklung großer Energieprojekte in der Arktis, verfüge aber nicht über das notwendige Kapital.

„Sie betrachtet China als einen potenziellen Investor und als einen potenziellen Markt für Kohlenwasserstoffe“, sagte Gabuev, Senior Fellow und Vorsitzender des Russland-Programms im asiatisch-pazifischen Raum.

Trotz wachsender Zusammenarbeit wolle Russland nicht, dass China Vollmitglied des Arktischen Rates werde, sagte er.

„Russland hat mit den USA und anderen Vollmitgliedern daran gearbeitet, um die 38 Beobachter praktisch sprachlos zu machen“, sagte er gegenüber dem TV-Sender «Street Signs Asia». „Sie sitzen im Arktischen Rat am Tisch, aber sie haben keine wirkliche Macht und ich denke, dass dies ein gemeinsames Interesse aller arktischen Mächte ist“, fügte er hinzu.

Es dürfte in den nächsten zwei Jahren einiges passieren und wir sind gespannt wie sich die Situation gestalten wird. Wir von PolarJournal bleiben dran und werden laufend darüber berichten.

Heiner Kubny, PolarJournal

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