Whale Safari Andenes | Polarjournal
Pottwale lassen sich das ganze Jahr über vor Andøya beobachten. Foto: © Stefan Leimer – Fotografie

In Andenes heisst es wieder «Leinen los». Seit Anfang Juni hat Hvalsafari AS nach der durch Covid-19 bedingten Zwangspause seinen regulären Betrieb wieder aufgenommen. Mehrmals pro Woche unternimmt das etablierte Unternehmen Fahrten hinaus auf den Nord-Atlantik und bringt begeisterten Touristen die Welt der Wale näher.

Am 3. Juni war es endlich wieder so weit. Die MS Reine verliess mit einer Gruppe norwegischer Studenten an Bord Andenes und nahm Kurs Richtung Tiefseegraben Bleik Canyon. Es war die erste Wal Safari seit dem 13. Oktober 2020 und der durch die Corona Pandemie bedingten Zwangspause. 

In den Wintermonaten halten sich die Pottwale vermehrt im zwischen Andoya und Senja gelegenen Andfjord auf, um vom Fischreichtum zu profitieren. Foto: © Stefan Leimer – Fotografie

Seit 1989 wird auf der norwegischen Insel Andøya professionell Whale Watching betrieben. Die Whale & Dolphin Conservation Society (WDCS), die sich auf die Beurteilung von Walsafaris spezialisiert hat, stellt Whale Safari Andenes ein entsprechend gutes Zeugnis aus: «Hvalsafari AS ist der weltweit größte und beste Veranstalter arktischer Walsafaris».

Seit dem 3. Juni 2021 werden von Andenes aus wieder mehrmals pro Woche Wal Safaris angeboten. Foto: © Stefan Leimer – Fotografie

Der kleine Fischerort Andenes befindet sich gut 300 Kilometer nördlich des Polarkreises auf dem Inselarchipel Vesterålen und gehört weltweit zu den Top Lokationen, um Wale zu beobachten. In unmittelbarer Nähe der Küste fällt der Kontinentalsockel steil ab und bildet den über 2’000 Meter tiefen, oben erwähnten Bleik Canyon. Das kalte und nährstoffreiche Wasser bietet perfekte Bedingungen für eine außergewöhnlich reiche und einzigartige Tierwelt. Das ganze Jahr über lassen sich hier Pottwale beobachten, die in der Tiefseeschlucht nach ihrer Lieblingsnahrung, den Tintenfischen jagen. Die ausschliesslich männlichen Pottwale halten sich das ganze über in der Region vor Andoya auf. Die weiblichen Pottwale leben zusammen mit ihren Jungtieren in wärmeren Regionen weiter südlich. Aber auch Delphine und verschiedene andere Wale wie Pilotwale, Zwergwale, Finnwale vor allem aber Schwertwale lassen sich regelmässig in der Region blicken, um vom reichhaltigen Nahrungsangebot zu profitieren. Inzwischen zieht das international anerkannte Whale watching Zentrum in Andenes bis zu 30’000 Besucher pro Jahr an.

Grindwale, Foto: © Stefan Leimer – Fotografie

Seit 2012 werden auch in den Wintermonaten Dezember bis März Wal Safaris angeboten, da sich immer mehr naturbegeisterte Touristen die einmalige Kombination von Polarlichtern und Walsafaris nicht entgehen lassen wollen. Obwohl zu dieser Jahreszeit in Nord-Norwegen die Sonne nicht aufgeht und die Polarnacht herrscht, können die Exkursionen zu guten Bedingungen durchgeführt werden. Bereits um 10h00 vormittags verlässt das Schiff dann den Hafen. Denn für erfolgreiche Fahrten nützt Kapitän Geir und seine eingespielte Crew das Zeitfenster zwischen 11h und 14h, um vom dann herrschenden Dämmerungslicht zu profitieren.

Das sich laufend ändernde Wetter sorgt immer wieder für spektakuläre Lichtsituationen während den Wal Safaris. Foto: © Stefan Leimer – Fotografie

Im Winter geht es in der Regel allerdings nicht Richtung Bleikcanyon, sondern nach Osten in den Andfjord. Hier profitieren die Wale vom reichhaltigen Fischangebot, da riesige Dorschschwärme auf Ihrer Wanderung zu den weiter südlich gelegenen Laichplätzen den Fjord durchqueren. Da das Wetter um diese Jahreszeit noch unberechenbarer ist als im restlichen Jahr, kommt es vor, dass Safaris abgesagt werden müssen. Bei rauer See und hohem Wellengang ist eine Ausfahrt für die Touristen nicht nur unzumutbar, sondern es kann unter Umständen auch gefährlich sein. Leicht kann man beim heftigen auf und ab das Gleichgewicht verlieren. 

Die einmalige Gelegenheit am gleichen Tag Nordlichter und Wale erleben zu können, bringt auch im Winter immer mehr Touristen nach Nord-Norwegen. Im Hintergrund die Lichter von Andenes. Foto: © Stefan Leimer – Fotografie

Einen Grossteil seines jährlichen Ertrages erwirtschaftet die AG in der Sommersaison. Insbesondere in den Monaten Juli und August kommen Whale Watcher aus der ganzen Welt nach Andoya, so dass bis zu vier Safaris pro Tag durchgeführt werden. Diese sehr gute Auslastung bringt Whale Safari Andenes in der Regel durch die Tourismus-schwächeren Monate. 

Zu jeder Wal Tour gehört eine geführte Besichtigung des Museums. Den Teilnehmern wird so viel Wissenswertes über das Leben der Wale und das fragile Ökosystem Meer mitgeteilt. Foto: © Stefan Leimer – Fotografie

Whale Safari Andenes ist aber finanziell stark genug aufgestellt, um den finanziellen Ausfall der Wintersaison 20/21 kompensieren zu können. Ausserdem wurde aus der Not eine Tugend gemacht und das Exkursionsschiff MS Reine in die Werft gebracht, wo es generalüberholt wurde und einen neuen Anstrich erhielt. Jetzt glänzt das ehemalige Fischerboot wieder, wie zu seinen besten Zeiten.

Auch wenn die Reisebeschränkungen langsam wieder gelockert werden. Sara Mesiti, die Verantwortliche für die Organisation und Durchführung der Safaris, zeigt sich noch vorsichtig, was die Prognosen für die anstehende Sommersaison betrifft. Die Anzahl der Buchungen für Juli sehen zwar erfreulich gut aus. Aber abgerechnet wird bekanntlich erst am Schluss, wenn die für die Weihnachtsfeiertage 2021 geplanten Safaris erfolgreich durchgeführt wurden. 

Obwohl die Buchungen für Juli erfreulich gut aussehen, Sara Mesiti, die Verantwortliche für die Organisation und Durchführung der Safaris, zeigt sich noch vorsichtig, was die Prognosen für die anstehende Sommersaison betrifft. Foto: © Stefan Leimer – Fotografie

Auch wenn die Suche auf den ersten drei Fahrten Anfang Juni etwas länger als gewohnt dauerte. Es wurden Pottwale, Pilotwale und Delphine gesichtet. Es spricht also nicht dagegen, dass Whale Safari Andenes weitere 30 Jahre erfolgreiche Whale Watching Geschichte schreibt.

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