Nationalpark auf Svalbard wird ausgeweitet | Polarjournal
Der Eingangsbereich zum Van Mijenfjord, einem der beiden Fjordarme des Bellsunds, wird von Akseløya, einer niedrigen Kette von Felseninseln begrenzt. Dahinter erstreckt sich eines der letzten Gebiete mit einer stabilen Meereisdecke auf der Westseite der Hauptinsel Spitzbergen. Bild: Michael Wenger

Svalbard gilt für viele als Inbegriff der arktischen Wildnis. Der norwegisch verwaltete Archipel bietet beinahe alles, was die arktische Vielfalt zu bieten hat. Doch Klimawandel, Tourismus und die wirtschaftlichen Entwicklungsideen der Arktisstaaten bedrohen die einzigarte arktische Umwelt. Zahlreiche Gebiete sind deshalb als Nationalpark unter besonderen Schutz gestellt worden. Nun hat die Regierung in Oslo einen Nationalpark massiv erweitert und neu benannt.

Der bisher als Nordenskjöld-Land bekannte Nationalpark, südlich von Longyearbyen und Barentsburg gelegen, wird um 2’914 Quadratkilometer vergrössert und schliesst nun auch den ganzen Van Mijenfjord, das Nathorst-Land und den ganzen Bereich der ehemaligen Bergbauregion Svea mit ein. Die südliche Grenze des neu Van Mijenfjord National Park benannten Schutzgebietes verläuft nun mitten durch den Van Keulenfjord und grenzt damit an den Nationalpark Süd-Spitzbergen. Mit der Entscheidung der Regierung ist nun ein grosser Teil südlich von Longyearbyen unter Naturschutz gestellt.

Eisbären und Ringelrobben sind sehr stark auf Meereis an der Küste Svalbards angewiesen. Da die Meereissituation im hinteren Bereich des Van Mijenfjords zu den stabilsten im Westen Svalbards gehört, wurde nun die ganze Region zum Nationalpark erklärt. Bilder: Michael Wenger

Die Entscheidung, den ganzen Bereich zum Nationalpark zu erklären, beruht auf einer Bewertung der Sysselmannen und Experten in Bezug auf das für die Tierwelt wichtige Meereis um Svalbard. Bereits vor zwei Jahren hatte der bei den Sysselmannen zuständige Abteilungsleiter Morten Wegede darüber informiert, dass der Nationalpark Nordenskjöld Land erweitert werden soll, da im Van Mijenfjord die Eissituation noch am stabilsten ist, was wiederum gut für die Eisbären und die Robben und zahlreiche weitere Tierarten ist. Bereits damals war abzusehen, dass die Behörde die Empfehlung einer Ausweitung abgeben wird. Dieser Empfehlung ist nun das Umweltministerium gefolgt und hat die Vergrösserung beschlossen. Dessen leitender Minister Sveinung Rotevatn (V) erklärte in einer Pressemitteilung: «Das Ziel der Regierung ist es, dass Svalbard eines der am besten gemanagten Wildnisgebiete der Welt wird. Das bedeutet, dass wir Massnahmen gegen den Klimawandel und den damit verbundenen Druck durch zunehmenden Verkehr umsetzen. Der Schutz des Van Mijenfjords und seiner Umgebung ist eine direkte Antwort darauf.»

Die Region des neuen Nationalparks beinhaltet auch das frühere Bergbaugebiet Svea, wo noch bis 2015 im grossen Stil Kohle abgebaut worden war. Schiffe mussten durch die Barriere, die durch die Felseninsel Akseløya gebildet wird, um Waren und Kohle be- und entladen zu können. Die Navigation durch die schmale Fahrrinne war nicht einfach und wurde zusätzlich durch das lange liegenbleibende Eis zusätzlich erschwert. Der vordere Bereich des Fjordsystems, das als Bellsund bekannt ist, gehört zu den beliebten Touristendestinationen für Spitzbergenkreuzfahrten. Denn hier liegt unter anderem der bekannte Nistplatz für Krabbentaucher, Ingeborgfjellet. Diese wird aber auch weiterhin zu besuchen sein, meint die AECO auf Anfrage. «AECO war an der Beratung zur Einrichtung des Nationalparks Van Mijenfjord beteiligt und hatte keine Einwände gegen den Vorschlag», erklärt der stellvertretende Geschäftsführer Anders de la Cour in einer Mail an PolarJournal. «Nationalparks wurden eingerichtet, um die Umwelt zu schützen und Wissen und Erfahrung zu ermöglichen. Dies passt gut zum Tourismus, den die AECO vertritt und der auf Umweltschutz basiert und den Besuchern den Zugang zu Natur und lehrreichen Naturerlebnissen ermöglicht. Die AECO findet nicht, dass die vorgeschlagene Einrichtung des Van Mijenfjord-Nationalparks grosse Auswirkungen auf die Aktivitäten von AECO haben wird, da der Vorschlag Betriebspraktiken regelt, die bereits für AECO-Mitglieder existieren und durch die selbst auferlegten Richtlinien der Organisation vorgegeben sind.»

Trotz der Etablierung der neuen Parkgrenzen dürfte Touristen auch in Zukunft die zehntausenden von Krabbentaucher am Ingeborgfjellet beobachten können. Denn die AECO sorgt mit ihren Besucherregelungen, dass die Tier- und Pflanzenwelt so wenig wie möglich negativ beeinflusst wird. Bild: Michael Wenger

Während der Sommermonate auf Svalbard dürfte sich also besuchertechnisch nicht viel ändern. Doch für die Besucher, die im Frühjahr mit Guides auf Schneemobilen den hinteren Bereich des Fjords besuchen wollten, sind bereits seit diesem Frühling neue Regeln in Kraft getreten, was zu einer gewissen Diskussion zwischen verschiedenen Interessenvertretern und den Sysselmannen geführt hatte. Diese hatten ein Fahrverbot für den südöstlichen Teil des Fjords erlassen und nur noch eine Durchquerung auf dem kürzesten Weg erlaubt, um die Tierwelt in der Zeit vor Störungen zu schützen. Das Gebiet rund um die Svea-Mine, welches nun auch Teil des Nationalparks ist, wurde seit der Schliessung genau erfasst und aufgeräumt, um sicherzustellen, dass keine gefährlichen Rückstände die Natur dort ebenfalls negativ beeinflussen. «Norwegen nimmt solche Restaurierungen der Natur sehr ernst,» schreibt Umweltminister Rotevatn in der Pressemitteilung. «Und es zeigt, dass es (Norwegen) Willens ist, Mittel dafür auszugeben.» Gemäss der Mitteilung wird der Minister nächste Woche nach Svalbard reisen, um den Nationalpark offiziell zu eröffnen.

Dr. Michael Wenger, PolarJournal

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