Schwarzbrauenalbatros kehrt nach Yorkshire zurück | Polarjournal
Schwarzbrauenalbatrosse sind wie alle Albatrosse ausdauernde Langstreckenflieger, die stundenlang ohne einen Flügelschlag über die Ozeane gleiten können – normalerweise nur auf der südlichen Hemisphäre. Foto: Julia Hager

Die Felsküsten Großbritanniens sind unter Ornithologen bekannt für ihre reiche und vielfältige Vogelwelt — zahlreiche Arten lassen sich hier beobachten: von eher subarktischen Prachttauchern und Skuas bis hin zu Arten, die man eher im Mittelmeerraum vermuten würde. Eine ganz besondere Art lässt nun zum wiederholten Male die Herzen von Vogelliebhabern höher schlagen. Vor wenigen Tagen ist der Schwarzbrauenalbatros, der bereits seit einigen Jahren im Sommer an der Küste von Yorkshire gesichtet wird, zu den Bempton Cliffs zurückgekehrt.

Der Schwarzbrauenalbatros (Thalassarche melanophris) ist der am weitesten verbreitete und der häufigste Vertreter der Familie der Albatrosse. Und dennoch ist er eine absolute Rarität über europäischen Gewässern. Sein Verbreitungsgebiet liegt nämlich – eigentlich – ausschließlich auf der Südhalbkugel mit der größten bekannten Brutkolonie auf den Falklandinseln.

Die britische Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) meldete erstmals im Oktober 2016 die Sichtung eines Schwarzbrauenalbatrosses im Naturschutzgebiet Bempton Cliffs in Yorkshire. In den folgenden Jahren kehrte der Hochseevogel immer wieder zurück zu den Klippen, die Basstölpel, Papageitaucher, Tordalke, Trottellummen, Dreizehenmöwen und Eissturmvögel als Brutplatz nutzen. Auch in diesem Jahr wurde der besondere Gast wieder beobachtet — am 28. Juni, einige Tage früher als im letzten Jahr, ist er zwischen den Basstölpeln gelandet.

Gary Dayes war es möglich ein Video des verirrten Schwarzbrauenalbatros in den Bempton Cliffs zu machen. Seine Nachbarn, die Basstölpel, konnten sich noch nicht so recht mit dem ungewohnten Gast anfreunden.

Möglicherweise ist dieser Schwarzbrauenalbatros derselbe Vogel, der seit 2014 in der Ostsee um Deutschland und Dänemark seine neue Heimat gefunden hat, wie die Informationsseite «Yorkshire’s Wildlife» berichtet. Von dort aus scheint er gelegentliche Trips an die britische Küste zu unternehmen. Allerdings fürchteten die begeisterten Vogelbeobachter, dass er möglicherweise die Angriffe mehrerer Seeadler im letzten Jahr  vor Dänemark nicht überlebte. Umso mehr freuten sie sich und waren teils zu Tränen gerührt, als er vor wenigen Tagen wieder bei den Bempton Cliffs auftauchte.

«Es ist derselbe deutsche Vogel, der uns letztes Jahr fast zur gleichen Zeit besucht hat. Wir hatten konstante Sicht zwischen etwa 6:20 und 10:20 Uhr am Dienstagmorgen und er landete fünfmal», wie Maria Prchlik von der RSPB gegenüber der Yorkshire Post berichtete.

Schwarzbrauenalbatrosse brüten im südlichen Sommer auf subantarktischen Inseln und verbringen den Winter über den kalten, nährstoffreichen Meeresströmungen vor Brasilien und Südafrika. Dieser «verirrte» Wanderer wurde offenbar von seinem Kurs abgetrieben und zieht seither über dem Nordatlantik seine Kreise. 

In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet, wie hier auf den Falklandinseln, brüten Schwarzbrauenalbatrosse zwischen Tussockgras und zuweilen in Gesellschaft von Felsenpinguinen. Foto: Julia Hager

Laut Craig Thomas, dem Vorsitzenden vom Flamborough Bird Observatory, sucht der Albatros nach einem Ruheplatz auf den Klippen und hofft womöglich auf einen Partner, wo er jedoch von den ansässigen Basstölpeln attackiert wird. Thomas erklärt gegenüber der Yorkshire Post weiter: «In den letzten 10 Jahren wurden nur zwei Vögel im Nordatlantik nachgewiesen, also ist es wahrscheinlich einer von ihnen. Sie folgen oft Basstölpeln und schließen sich ihnen an, um dann in der Kolonie zu sitzen. Es gibt etwa 15.000 Paare von Basstölpeln in Bempton und ich denke, er ist ihnen zurück zu den Klippen gefolgt.»

Das Schicksal des verdrifteten Schwarzbrauenalbatrosses scheint klar — zurück über den windstillen Äquator wird es der Segler kaum schaffen und er wird wohl für immer als Single unter Basstölpeln auf der Nordhalbkugel bleiben. 

Julia Hager, PolarJournal

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