Erneute Suche nach der «Endurance» | Polarjournal
Im Jahr 1915, während Sir Ernest Shackletons Versuch, die Antarktis zu durchqueren, sank die Endurance, nachdem sie monatelang im Eis gefangen war. (Foto: Archiv)

Der Falklands Maritime Heritage Trust (FMHT) plant eine Expedition, die „Endurance22“, um das Wrack von Sir Ernest Shackletons legendärem Schiff «Endurance», das im November 1915 im Weddellmeer sank, zu lokalisieren, zu vermessen und zu filmen.

Sir Ernest Shackleton, einer der bekanntesten Polarforscher, starb am 5. Januar 1922 in Grytviken auf Südgeorgien. 100 Jahre später, im Februar 2022, plant der Falklands Maritime Heritage Trust (fmht.co.uk) eine Expedition, um das Wrack der «Endurance» zu lokalisieren, zu vermessen und zu filmen.

Die unglückselige Reise und der Untergang der «Endurance» markierte das Ende des „heroischen Zeitalters“ der Erforschung der Antarktis. (Foto: F. Hurley)

Der Trust wird bei den britischen Behörden einen Antrag auf Genehmigung für eine Expedition mit dem Polarversorgungs- und Forschungsschiff SA Agulhas II einreichen.

Die SA Agulhas II ist ein südafrikanisches, als Eisbrecher ausgelegtes Forschungsschiff. Gestartet wird die Expedition «Endurance22» in Kapstadt. Ein internationales Team von maritimen Experten, Ingenieuren, Umweltwissenschaftlern und Pädagogen werden die Expedition begleiten. 

Der Expeditionsleiter wird Dr. John Shears sein, der die Weddellsee-Expedition im Jahr 2019 leitete und Mensun Bound, ein auf den Falklandinseln geborener Meeresarchäologe und Treuhänder des FMHT. Der Trust freut sich, dass Richard Garriott, Präsident des Explorers Club (explorers.org) eine Einladung angenommen hat, dem Expeditionsteam beizutreten.

Da das Wrack der «Endurance» unter dem Dach des Antarktisvertrags als historische Stätte und Denkmal geschützt ist, wird die Suche nicht-invasiv sein. Ziel wird es sein, die «Endurance» zu lokalisieren, zu vermessen und zu filmen, die Geschichten von Shackleton an neue Generationen weiterzugeben und Fragen zu beantworten, die sich die Leute seit dem Untergang des Schiffes im November 1915 stellen:

  • War das Wrack aufgrund der Festigkeit der Konstruktion praktisch intakt, oder war es komplett im Eis zerquetscht worden? 
  • Gibt es Organismen, die den Rumpf verzehrt haben? 
  • Wird es möglich sein, fotografische Glasplatten zu finden, die der Fotograf Frank Hurley zurückgelassen hat? 
  • Werden die Kameras das Labor und die Probengläser des Biologen Robert Clark zeigen?
Der Expeditionsleiter Dr. John Shears neben der SA Agulhas II während der „Weddell Sea Expedition 2019“. (Foto: FMHT)

Technologie

Vorbehaltlich des Erhalts einer Genehmigung der britischen Behörden und etwaiger COVID-bedingter Beschränkungen, die Anfang 2022 gelten könnten, plant der Trust, dass die Expedition Anfang Februar 2022 an Bord des Forschungs- und Versorgungsschiffs SA Agulhas II von Kapstadt ablegt. Das Schiff, sein Kapitän, der Eislotse und die Crew bewiesen ihr Können bereits 2019 im Rahmen der „Weddell Sea Expedition 2019“ am Ort, wo die «Endurance» vermutet wird.

Um das Wrack zu lokalisieren, zu vermessen und zu filmen, wird das Team SAAB Sabertooth Hybrid-Unterwassersuchfahrzeuge einsetzen. Diese kombinieren die Eigenschaften von autonomen Unterwasserfahrzeugen, die einem vorprogrammierten Kurs ohne physische Verbindung zur Oberfläche folgen können, sowie ferngesteuerte Fahrzeuge, die in Echtzeit digitale Signale über ein Glasfaserkabel an die Oberfläche senden.

Die Sabertooths werden mit Sensoren, Lichtern und hochauflösenden Kameras ausgestattet sein, die den Moment der Entdeckung mit beispielloser Unmittelbarkeit einem weltweiten Publikum nahebringen können.

Während die Sabertooths direkt von der SA Agulhas II aus gestartet werden können, sieht die Planung vor, Eiscamps zu errichten, wobei ein Sabertooth dann durch ein Eisloch gestartet wird.

Ein Unterwasser-Fahrzeug wird während der „Weddell Sea Expedition 2019“ gestartet. Dabei ging eines unter dem Eis verloren. (Foto: J.Dowdeswell / SPRI)

Bildung, Öffentlichkeitsarbeit und Umwelt

Shackleton und andere Entdecker des sogenannten „Heroischen Zeitalters“ der Polarforschung haben wichtige Beiträge zum Wissen über die fragile Umwelt der Antarktis geleistet. Wir wissen immer noch bemerkenswert wenig über den Kontinent, haben aber erkannt, dass unser Klima davon beeinflusst wird und dass menschliche Aktivitäten einen Einfluss darauf haben. Der Trust möchte jüngeren Generationen das Bewusstsein für den Wert der Exploration, der Steigerung unseres Umweltbewusstseins und des wissenschaftlichen Studiums schärfen.

Dementsprechend befindet sich der Trust im Gespräch mit potenziellen Medienpartnern, die diese Botschaften einem breiteren jungen Publikum zugänglich machen können. Das Ziel ist es, einen Vertreter der US-amerikanischen Organisation Reach the World in das Team aufzunehmen, die jungen Menschen in ihren Klassenzimmern in direkten Kontakt mit Entdeckern bringt. Es werden auch Wissenschaftler mit Erfahrung in der Erforschung von Eis, Klima und verwandten Themen an Bord haben, die unser Wissen über die antarktische Umwelt erweitern.

Heiner Kubny, PolarJournal

Originalbericht: https://fmht.co.uk/news/fmht-announces-endurance22-antarctic-expedition/

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