Tragischer Hubschrauberabsturz auf Kamtschatka | Polarjournal
Vier Ranger des Naturschutzgebiets waren zum Zeitpunkt des Absturzes glücklicherweise in der Nähe und eilten sofort mit zwei Schnellbooten zur Unglücksstelle. Foto: Russisches Notfallministerium via Reuters

Auf Kamtschatka hat sich am Donnerstag Morgen Ortszeit ein tragischer Unfall ereignet, wie die Nachrichtenagentur Interfax berichtet. Ein MI-8 Hubschrauber mit 16 Personen an Bord, 13 Touristen und drei Besatzungsmitgliedern, ist im Kronotsky-Naturschutzgebiet in den Kurilensee gestürzt. Nur acht der Insassen konnten sich aus dem Wrack befreien, zwei von ihnen sind schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Alle acht wurden nach Petropawlowsk-Kamtschatski gebracht. 

Die Halbinsel Kamtschatka ist ein beliebtes Urlaubsziel der Russen. Der Kurilensee liegt im Naturschutzgebiet Kronotsky und wird häufig von Touristen besucht. Karte: Julia Hager/GoogleEarth

Die Touristen waren mit dem Hubschrauber unterwegs zu einem Ausflug, die regelmäßig auf Kamtschatka angeboten werden. Offenbar gab es während des Fluges technische Probleme, woraufhin der Pilot eine Notlandung einleitete. Angaben des Kronotsky-Reservats zufolge herrschte zur Unglückszeit dichter Nebel. Es wird vermutet, dass die Besatzung bei dem Landeversuch einen Fehler machte und in der Folge in den See stürzte.
Zum Zeitpunkt des Absturzes waren vier Ranger des Naturschutzgebiets in der Nähe. Als sie den Aufprall hörten, machten sie sich mit Schnellbooten sofort auf den Weg zur Unglücksstelle und trafen innerhalb weniger Minuten dort ein. 

«Am Donnerstag um 09:25 Uhr Ortszeit herrschte Nebel auf dem See, die Sichtweite betrug nicht mehr als 100 Meter. Wir hörten das Geräusch eines Hubschraubers, sahen ihn aber nicht. Dem Geräusch nach zu urteilen, flog er über den See und drehte auf die Absperrung zu. Dann gab es einen lauten Knall – der Hubschrauber schlug auf dem Wasser auf. Wir ließen sofort zwei Boote zu Wasser und erreichten innerhalb von 3-4 Minuten die Absturzstelle, die wir an der Welle erkennen konnten», sagte der Bezirksstaatsinspektor des Naturschutzgebiets Evgeniy Denges gegenüber dem Pressedienst.

Touristenflüge werden auf Kamtschatka regelmäßig angeboten. Der verunglückte Hubschrauber MI-8 der Fluggesellschaft Vityaz-Aero war 37 Jahre alt. Foto: Screenshot https://vityaz.aero/

Beim Aufprall auf der Wasseroberfläche öffneten sich die Heckklappen des Hubschraubers, sodass sich acht Personen, sechs Touristen und zwei Besatzungsmitglieder, selbst aus dem Wrack befreien konnten. Der Helikopter sank so schnell, dass sie nach Angaben eines Überlebenden aus etwa neun Meter Tiefe an die Oberfläche schwimmen mussten. Dort trafen glücklicherweise nur wenig später die Ranger ein, die die Personen aus dem 5 – 6°C kalten Wasser retteten, in dem sie ohne die schnelle Hilfe nicht lange überlebt hätten.
Die übrigen Opfer, darunter ein Kind und der Pilot, konnten am Donnerstag trotz intensiver Suche auf dem See nicht mehr geborgen werden. Es wird vermutet, dass sie sich noch im Wrack befinden, das in einer Entfernung von 700 Metern von der Küste und in einer Tiefe von mehr als 130 Metern lokalisiert wurde.

Rettungskräfte und Taucher des Ministeriums für Notfallsituationen sind bereits an der Unglücksstelle eingetroffen. Foto: Russisches Ministerium für Notfallsituationen

Die Suchaktion wurde am Freitagmorgen Ortszeit wieder aufgenommen. Rettungskräfte des Ministeriums für Notfallsituationen, des Verteidigungsministeriums und anderer Einheiten patrouillieren weiterhin auf dem See und versuchen den Hubschrauber aus dem See zu bergen. Für die Bergung ist eine spezielle Tiefseeausrüstung erforderlich, die mittlerweile vom Militär zur Unglücksstelle gebracht wurde. Wie Interfax berichtet, soll versucht werden, den Hubschrauber mit Hilfe von Pontons zu heben.

Laut Interfax wurde ein Strafverfahren gegen die Fluggesellschaft Vityaz-Aero eingeleitet. Bei Inspektionen der Aufsichtsbehörden seien zahlreiche Verstöße gegen die Flugsicherheit und die Arbeitsbedingungen der Piloten festgestellt worden. Im Detail handelt es sich offenbar um Überlastung und unzureichende Ausbildung der Fluggerätbesatzungen, auch im Verhalten bei Notfällen. Rostransnadzor, das Russische Verkehrsministerium, hat schon 2020 festgestellt, dass Vityaz-Aero «nicht rechtzeitig mindestens einmal in sieben aufeinanderfolgenden Monaten eine theoretische Ausbildung und Prüfung für die Durchführung normaler Flugverfahren und für Maßnahmen in Notsituationen durchgeführt hat». Darüber hinaus wurden auch bei Inspektionen des Flugplatzes Nikolajewka Probleme festgestellt.
Der verunglückte Hubschrauber wurde 1984 in Betrieb genommen, sein Lufttüchtigkeitszeugnis läuft in weniger als einem Jahr, im Juni 2022, aus.

Julia Hager, PolarJournal / Quelle: Interfax 

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