Einhand-Weltumseglung über Spitzbergen und Südlichen Ozean | Polarjournal
Gestern, am 15. August, ist Norbert Sedlacek Koch in Frankreich zu seinem Weltrekordversuch aufgebrochen. Seine Weltumseglung wird ihn über Spitzbergen und die Antarktis durch alle fünf Ozeane führen. Foto: ANT ARCTIC LAB

Nicht wenige Segler haben bei Nonstop-Weltumseglungen auf sich allein gestellt bereits ihr Können, ihr Gespür für die Naturgewalten und ihren Mut unter Beweis gestellt. Auch der österreichische Extremsegler Norbert Sedlacek Koch zählt seit 1996 zu den weltumrundenden Einhandseglern. Gestern, am 15. August, ist er erneut in See gestochen, unter anderem mit dem Ziel einen neuen Weltrekord aufzustellen. Mit dem Projekt ANT ARCTIC LAB plant er, neben Atlantik, Indischem Ozean und Pazifik auch die polaren Regionen als erster einhand, nonstop und ohne Hilfe von außen zu durchsegeln. 

Gestartet in Les Sables d’Olonne in Frankreich, dem Startpunkt der Vendée Globe, wird Sedlacek über etwa sechs Monate 32.000 Seemeilen zurücklegen. Seine Route wird ihn durch die gefährlichsten Gewässer der Erde führen, durch Eis und Sturm und vermutlich monströse Wellen. Zuerst geht es nach Norden in den Arktischen Ozean, wo er den Svalbard-Archipel umrunden wird, um dann durch die berüchtigte Dänemarkstraße zwischen Grönland und Island in Richtung Süden zu segeln. Vorbei am Kap der guten Hoffnung geht es weiter durch den Indischen Ozean Richtung Australien und rund um die Antarktis, durch die nicht weniger berüchtigte Drake Passage zurück über den Atlantik zum Ausgangspunkt in Frankreich.

Norbert Sedlacek verstaute am Freitag vor dem Start Lebensmittel mit einem Gesamt-Energiegehalt von 1,2 Millionen Kilokalorien in der Yacht. Foto: ANT ARCTIC LAB

Mit seinem Projekt will Sedlacek auf den Klimawandel aufmerksam machen. Deshalb hat er bei der Entwicklung seiner Yacht Open60AAL großen Wert auf Nachhaltigkeit gelegt, um zu zeigen, dass es möglich ist, Spitzen-Yachten gänzlich aus umweltfreundlichen und recycelbaren Materialien zu bauen, ohne an Sicherheit und Funktionalität zu verlieren.
Die Werft Innovation Yachts mit Hauptsitz in Altlengbach, Österreich, hat sich auf die Konstruktion nachhaltiger Yachten spezialisiert und entwickelte ein ganz neues Yachtbaukonzept. So verwendeten sie beispielsweise für den Rumpf und das Deck der Open60AAL Vulkanfaser und Balsaholz, die kombiniert in einer Sandwich-Konstruktion auch Kollisionen mit Treibeis standhalten sollen. Eigenen Angaben zufolge sind sämtliche Materialien, die in der Yacht verbaut sind umweltfreundlich, biologisch unbedenklich und wiederverwertbar. Die an Bord benötigte Energie wird von Hydrogeneratoren und Solarzellen erzeugt. Die Weltumseglung Sedlaceks unter Einbeziehung beider Polrouten wird der ultimative Härtetest für die nachhaltige Yacht.

Hier bei einem Test vor der französischen Küste, soll die Open60AAL Yacht dank der extrem stabilen Vulkanfaser-Balsaholz-Konstruktion auch Kollisionen mit Treibeis schadlos überstehen. Foto: ANT ARCTIC LAB

Norbert Sedlacek ist Jahrgang 1962 und begann seine Segler-Karriere 1996 mit seiner ersten Einhand-Weltumseglung, die er 1998 erfolgreich im italienischen Ausgangshafen Grado beendete. Als erster Österreicher umrundete er zwischen November 2000 und Februar 2001 in 93 Tagen nonstop die Antarktis. An der Vendée Globe nahm er zweimal teil, 2004/2005 und 2008/2009, wobei er letztere erfolgreich als elfter beendete.

Der Start des ersten Rekordversuchs im Jahr 2018 von Les Sables d’Olonne in Frankreich.

Die ersten Anläufe seines Rekordversuches mit dem Projekt ANT ARCTIC LAB in 2018 und 2019 musste Sedlacek beide Male kurz nach dem Start abbrechen, wegen technischer Probleme bzw. Wetterschäden am Boot. Der dann für 2020 geplante Start musste pandemiebedingt erneut verschoben werden. 

Julia Hager, PolarJournal

Link zum Projekt: https://www.ant-arctic-lab.com/?lang=de 

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