Neue Pläne für die «Grande Dame» der Polarexpeditionen vorgestellt | Polarjournal
Die Heritage Adventurer hat in ihrer Existenz viele Erstfahrten unternommen. Nun wird sie die Arktis und Antarktis auf der pazifischen Seite miteinander verbinden und auch die Inselwelten dazwischen ansteuern. Bild: Jason Ransom / Heritage Expeditions

Seit der Pandemie steht auch die Expeditionsreiseindustrie praktisch still. Eine Firma aber hatte bisher dem durch COVID-Massnahmen entstandenen Sturm trotz allem widerstehen können und fuhr sowohl eine Arktis- wie auch eine Saison mit den neuseeländischen subantarktischen Inseln: die neuseeländische Firma Heritage Expeditions. Zusätzlich erwarben die Besitzer Aaron und Nathan Russ auch noch ein Schmuckstück unter den Expeditionsschiffen, die frühere MS «Hanseatic». Nun hat das neuseeländische Unternehmen seine Pläne mit dem Neuerwerb vorgestellt und überrascht mit vielen Neuerungen, behält aber auch Altbewährtes im Programm.

Vom nördlichen Japan Anfang Juni über den nördlichen Teil des pazifischen Feuerringes mit den Aleuten via Alaska in die russische Arktis bis Wrangel Island reichen die Pläne von Heritage für den Start ihres Flaggschiffes Heritage Adventurer in deren neues Leben. Damit wird der neuseeländische Familienbetrieb auf der einen Seite seine Stärken in den touristisch abgelegensten Regionen der Arktis auch weiterhin ansteuern.

„Das Schiff gibt uns die Möglichkeit, dank seiner Geschwindigkeit und Technik, noch abgelegenere und noch wildere Plätze anzusteuern und so unseren Gästen Neues unter dem bewährten Heritage-Konzept zu bieten.“

Aaron Russ, Besitzer Heritage Expeditions

Gleichzeitig werden aber auch neue, noch abgelegenere Gebiete aufgenommen, wie zum Beispiel die Kurilen oder Japans Nordinsel Hokkaido. «Wir möchten nicht das Rad neu erfinden», erklärt Aaron Russ, einer der Besitzer von Heritage Expeditions. «Unsere Ziele in der Arktis sind auch mit der Heritage Adventurer immer noch die beliebten und touristisch kaum erschlossenen Gebiete von Kamtschatka, Tschukotka und Wrangel Island. Doch das Schiff gibt uns die Möglichkeit, dank seiner Geschwindigkeit und Technik, noch abgelegenere und noch wildere Plätze anzusteuern und so unseren Gästen Neues unter dem bewährten Heritage-Konzept zu bieten.»

Vom japanischen Hokkaido (links unten) aus wird die Heritage Adventurer ihre Arktissaison 2022 starten und praktisch die gesamte Beringregion und bis nach Wrangel Island hoch erkunden. Anders als bisher wird dabei Nome, Alaska (rechts oben) als Startpunkt für die russische Arktis dienen. Karte: Michael Wenger via Google Earth

Eine weitere Neuerung wird das Angebot deutschsprachiger Guides sein, die auf einigen der Abfahrten fix mit dabei sein werden. Für Französisch war bereits in der Vergangenheit gesorgt gewesen, nun soll das Angebot um Deutsch ausgeweitet werden.

Die grösste Neuerung in den Plänen von Heritage Expeditions mit ihrem neuen Schiff wird der Abfahrtsort für die russische Arktis sein. Statt wie bisher ab Anadyr zu starten, werden die Passagiere in Nome, Alaska, an Bord gehen. Danach wird das Schiff in einem Tag nach Tschukotka fahren und ab Providenija oder Lawrentija seine Reise entlang der Küste aufnehmen. «Für die Reise als Ganzes ändert sich nichts», verspricht Aaron Russ. «Denn wir fahren nachmittags los und werden bereits am nächsten Morgen an unserem Ziel ankommen, genauso wie zuvor. Doch logistisch ist es für uns besser. Denn für die Passagiere ist der Zugang ab Alaska einfacher als ab Tschukotka.» Dies gilt in erster Linie für die Flüge, da ab Europa Direktflüge nach Anchorage bestehen. «Das macht es für die Gäste auch angenehmer, da weniger umgestiegen werden muss.» Von Alaskas grösster Stadt aus geht es danach per Charterflug weiter nach Nome. Dort freut man sich, nach Angaben von Heritage, bereits auf die Chance, europäischen Gästen vor oder nach der Reise die Schönheiten Alaskas zeigen zu können. Am Ende der Saison erwartet dann die mitfahrenden Gäste eine spannende Fahrt von Nome entlang der ganzen russischen Küste bis nach Japan. Ein Highlight, da die Fahrt praktisch alle Höhepunkte entlang des russischen Fernen Ostens (Tschukotka, Kamtschatka, Kurilen) und dem nördlichen Japan auf einer Reise verbinden wird.

Auch für die Antarktissaison 22/23 sind die Pläne bereits erstellt. Hier setzt Heritage Expeditions auf die höchste Eisklasse seiner Heritage Adventurer. Das Schiff soll ab Neuseeland zweimal Passagiere ins Rossmeer bringen und ihnen das einzigartige Erlebnis der Antarktis in einer kaum besuchten Region bieten. «In ihrer Laufbahn hat unser Schiff hier bereits Geschichte geschrieben als das südlichste Passagierschiff. Das ist dank seiner höchsten Eisklasse möglich», sagt Aaron Russ im Gespräch. Hier bietet sich die Gelegenheit, zum einen die historischen Stätten von Scott oder Shackleton besuchen zu können, zum anderen die antarktische Tierwelt mit Kaiserpinguinen, Rossrobben oder Orcas zu erleben, eingebettet in den Hintergrund von mächtigen Tafeleisbergen.

„Wild und abgelegen bleiben unsere Ziele auch weiterhin.“

Aaron Russ, Heritage Expeditions

Doch auch die zwischen Neuseeland und Antarktika liegenden subantarktischen Inseln wie Campbell und Enderby stehen auf dem Plan der Heritage Adventurer. Besonders für Ornithologen, Tier- und Naturfotografen bieten sich diese Inseln an, da hier wie kaum nirgends sonst auf der Südhalbkugel die Vielfalt der Subantarktis zu erleben ist: Pinguinarten, die nirgends sonst im Bereich des Südpolarmeeres vorkommen, gepaart mit spektakulären Landschaften und einer Vielzahl von Meeressäugetieren, die um die Inseln zu entdecken sind. Die Naturparadiese, die von Heritage Expeditions ohne Übertreibung als „Galapagos des Südens“ bezeichnet werden, können mit der Heritage Adventurer komfortabler angesteuert werden, da das Schiff dank seiner Grösse und seiner Stabilisatoren die Reise dorthin ruhiger gestalten kann. Doch vor Ort wird auch weiterhin auf Natur und deren Erleben gesetzt. «Wild und abgelegen bleiben unsere Ziele auch weiterhin. Die Stabilisatoren der Heritage Adventurer sorgen jedoch für die komfortabelste Reise, die möglich ist», sagt Aaron Russ.

Etwas, das Heritage Expeditions in der Vergangenheit ausgezeichnet hatte, waren die Fahrten zwischen den polaren Regionen. Die Inseln am Rande des Pazifiks wie Papua-Neuguinea oder Melanesien werden von den Neuseeländern ebenfalls angeboten und wird auch mit der Heritage Adventurer fortgeführt. Hier stehen neben den fantastischen Naturwelten auch kulturelle Einblicke in das Leben der Inselbewohner auf dem Programm. «Weil wir hier schon seit Jahren herkommen und viele Freunde hier haben, können wir den Gästen auch mit einem etwas grösseren Schiff tiefere Einblicke in die faszinierende Kultur und die Natur dieser Region geben», sagt Aaron Russ. «Dies macht uns einzigartig und für die Gäste deren Erlebnis ebenfalls.»

Dr. Michael Wenger, PolarJournal

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