Jährliches Meereisminimum in der Arktis | Polarjournal
Negativtrend hält an, aber Vergleichsweise moderates Schrumpfen der Eisausdehnung im Jahr 2021 (Foto: AWI, Mario Hoppmann)

Die Meereisausdehnung im Nordpolarmeer hat am 12. September 2021 mit 4,81 Millionen Quadratkilometern ihr jährliches Minimum erreicht. Damit reiht sich das Jahr auf Platz zwölf der Negativliste der absoluten Werte ein. Die Meereisausdehnung im September ist eines der stärksten Anzeichen für den Klimawandel, verdeutlichten Fachleute im kürzlich veröffentlichten Sachstandsbericht der Arbeitsgruppe I des Weltklimarats. Sie ist in den letzten vier Jahrzehnten um etwa 40 Prozent zurückgegangen.

In den zurückliegenden 21 Jahren schwankte die Fläche des September-Meereisminimums in der Arktis zwischen 3,27 Millionen (bisheriger Negativrekord aus dem Jahr 2012) und 5,81 Millionen Quadratkilometern (2006). Das aktuelle Minimum von 4,81 Millionen Quadratkilometern ist in Rot dargestellt und liegt deutlich über den extremen September-Minimumwerten der Jahre 2012 und 2020. (Grafik: Meereisportal)

Das arktische Meereisminimum im Jahr 2021 lag mit 4,81 Millionen Quadratkilometern gut 1,5 Millionen Quadratkilometer über dem des bisherigen Negativrekords im Jahr 2012. Damals erfassten Forschungssatelliten eine Restfläche von 3,27 Millionen Quadratkilometern. „Von einer Erholung des arktischen Meereises kann trotz dieses vergleichsweise moderaten Eisrückgangs keine Rede sein“, sagt Prof. Dr. Christian Haas, Leiter der Sektion Meereisphysik am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI).

„Zum einen liegt auch das aktuelle Meereisminimum weit unter den Werten, wie wir sie noch aus den 1990er und 2000er Jahren kennen. Das heißt, es bestätigt den starken Abnahmetrend der Eisausdehnung von gut zehn Prozent pro Dekade.“ Zum anderen belegten sowohl Satellitenmessungen als auch Vor-Ort-Beobachtungen (etwa aus der Wandelsee im Nordosten Grönlands und aus der Beaufortsee), dass die Eisdicke abnimmt und die Meereiskonzentration in beiden Regionen außerordentlich gering ist. Die aktuelle Eisverteilung zeige abermals, wie variabel die Meereis-Entwicklung ist und welche regionalen Unterschiede von Jahr zu Jahr auftreten können. So wies das Jahr 2020 die zweitgeringste jemals beobachtete Meereisausdehnung auf, jedoch bedeutet der diesjährige Wert für die Fachleute keine Entwarnung: Ähnliche Sprünge in der verbleibenden Gesamteisfläche hat es beispielsweise vom Jahr 2012 (Negativrekord) auf 2013 gegeben sowie von 1995 (damaliges Rekordminimum) auf 1996.

Animation der gemessenen Meereiskonzentration über den Zeitraum 1. August bis 14. September 2021. Sie zeigt den allgemeinen Rückzug des Eises und seine Bewegung getrieben durch den Wind und die Ozeanströmungen. Gut zu erkennen ist in der zweiten Augusthälfte die Entstehung der Wandelsee-Polynja vor der Nordostküste Grönlands. Die Messung der Meereiskonzentration erfolgt mit dem Sensor Advanced Microwave Scanning Radiometer 2 (AMSR2) auf dem Satelliten GCOM-W der japanischen Weltraumagentur JAXA. Der AMSR2-Sensor misst die natürliche Strahlung im Mikrowellenbereich weitgehend unabhängig von der Beleuchtung durch die Sonne und der Wolkenbedeckung. Dichte Wolken und Wasserdampf haben jedoch einen sichtbaren störenden Einfluss, was als Flackern im Bild erkennbar ist. (Animation: Lars Kaleschke / Alfred-Wegener-Institut)

Ausschlaggebend für die relativ langsame Eisschmelze in diesem Sommer war langanhaltender niedriger Luftdruck in der zentralen Arktis. „Seine Existenz hat vor allem im Juni und Juli den Einstrom warmer Luftmassen in die zentrale Arktis verhindert und die Meereissituation stabilisiert. Im August hat sich dann über dem europäischen Teil der Arktis ein Hochdrucksystem etabliert, das Tiefdrucksystem verlagerte sich hingegen in die Beaufortsee, was dort das Eis auseinander schob und Temperaturen von 2 bis 3 Grad Celsius unterhalb des langjährigen Mittels zur Folge hatte. Diese vergleichsweise kalte Luft verhinderte das Schmelzen des Eises, obwohl die Eiskonzentration in dieser Region teilweise sehr niedrig war”, sagt AWI-Klimatologin Dr. Monica Ionita.

Pressemitteilung des AWI Bremerhaven

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