Eine Viper auf der Suche nach Eis am Südpol des Mondes | Polarjournal
Der VIPER ist ein mobiler Roboter, mit dessen Hilfe die NASA die Suche nach Wasser auf dem Mond für zukünftige Mond-Missionen vorantreiben will. Das Gerät ist 1.5×1.5×2.5 Meter gross und wiegt rund 430 Kilo. Ein direktes X-Band via dem Deep Space Network vebindet den Roboter mit der Erde. Bild: NASA Ames / Daniel Rutter

Wasser bedeutet Leben und Überleben, auch auf anderen Himmelskörpern. Die Suche nach entsprechenden Quellen in Form von Eis und damit der Voraussetzung von Leben jenseits der Erde, ist eine der wichtigsten Aspekte der Weltraumforschung. Auch am Südpol auf unserem nächstgelegenen Himmelskörper, dem Mond, vermutet die Wissenschaft Eis im Boden oder an der Oberfläche. Eine neue NASA-Mission soll am bisher nie besuchten Südpol die Suche intensivieren. Dabei setzt die Weltraumorganisation auf VIPER.

Der Name des im Moment bei der NASA in Entwicklung stehenden Fahrzeuges ist eine Abkürzung für «Flüchtige Stoffe suchendes Polarforschungsfahrzeug», Englisch: Volatiles Investigating Polar Exploration Rover VIPER. Dabei handelt es sich um einen mobilen Roboter mit drei verschiedenen Messinstrumenten und einem Bohrer, um im Boden des Mondes bis in einem Meter tiefe nach Eis zu suchen. Der Roboter, der nur gerade 1.5 mal 1.5 mal 2.5 Meter gross ist, wiegt rund 430 Kilo und wird elektrisch angetrieben. Solarpanels auf der Seite sorgen für die Stromproduktion und das vierrädrige Gefährt soll sich mit maximal 0.8 Kilometer pro Stunde über die Mondoberfläche bewegen können. Die Kommunikation mit der Erde wird über ein direktes X-Band via dem «Deep Space Network»-Kommunikationssystem gewährleistet.

Nahe am Südpol des Mondes, ein Bereich mit nur sehr wenig Sonneneinstrahlung, hatten Satellitenbilder und -messungen Eis festgestellt. Die VIPER (Volatiles Investigating Polar Exploration Rover) soll dabei helfen, das Eis aufzuspüren und zu kartographieren für zukünftige Mondmissionen. Dies wäre die erste rohstoff-Kartographierung auf einem anderen Himmelskörper. Bild: Karte links Lunar & Planetary Institute Houston; Bild rechts NASA

Eis am Südpol zu suchen, hört sich eigentlich trivial an. Doch während man weiss, dass auf der Erde dieser Bereich die grössten bekannten Mengen Eis birgt, liegt die Sache beim Mond ganz anders. Zwar hatten seit 2009 verschiedene Mondmissionen aus der Höhe Eis und Wasser festgestellt. Doch da noch nie eine bemannte Mission auf dieser Seite des Mondes gelandet ist und eine genauere Kartografierung von möglichen Rohstoffen für zukünftige Missionen noch nie zuvor auf einem anderen Himmelskörper durchgeführt worden sind, möchte die NASA mit ihrer VIPER-Mission diese Lücke füllen. «Wir haben eine Menge Daten, die zeigen, dass Wasser in Form von Eis dort ist. Wir fliegen nicht blindlings dorthin», erklärt Amy Fagan, Planetenforscherin an der Western Carolina Universität gegenüber der Fachzeitschrift Nature. Die Landestelle wird nahe des Nobile-Krater sein, der nach Meinung der Experten die besten Bedingungen für eine erfolgreiche Suche aufweist. Der Krater liegt beinahe komplett im Schattenbereich auf dem Mond und ist von kleineren Kratern umgeben, wo Eis vermutet wird. Der Nobile-Krater ist Teil des Südpol-Aitken-Beckens, eine von zahlreichen Kratern übersäte, 2’500 Kilometer Durchmesser grosse Region, an deren südlichen Ende der Shackleton-Krater und der geografische Südpol des Mondes liegt.

Der VIPER ist dafür konstruiert worden, mit einem Bohrer bis zu einem Meter tief in die Mondoberfläche einzudringen und dort nach Spuren von Wasser zu suchen. Zum einen will man mehr über die Bildung von Wasser auf dem Mond und der Erde lernen, zum anderen soll das Wasser als Ressource für zukünftige Mondmissionen genutzt werden. Bild: NASA Ames / Daniel Rutter

Doch wo genau das kostbare Eis und Wasser liegt, ist nicht klar und es seien genau solche Details, die eine wesentliche Rolle für weitere Missionen und die Forschung eine Rolle spielen, sind andere Wissenschaftler der Meinung. Denn das Eis liegt nicht überall einfach rum und könnte auch im Boden verborgen sein. Man hat zwar starke Hinweise, dass in den tiefen Kratern, geschützt von der Sonneneinstrahlung, Eis liegt. Doch auch unter der Oberfläche könnte Eis vorkommen. Um dies zu erforschen, besitzt der VIPER ein Bohrsystem, mit dem in bis zu einem Meter Tiefe nach Eis gesucht werden kann. Drei Spektrometer sollen dabei helfen, mögliche Bohrstellen genauer zu identifizieren. VIPER ist nach Angaben der NASA entsprechend sehr sensitiv und kann schon kleinste Spuren von Eis in den Bohrproben entdecken.

Das von der NASA erstellte Video zeigt genau, wo die geplante VIPER-Mission stattfinden soll und was man sich erhofft, dort zu finden. VIPER ist Teil des grösseren Projektes ARTEMIS, bei dem wieder Menschen auf dem Mond landen und erforschen sollen. Video: NASA Ames; Videolänge: 2:45 min

Die VIPER-Mission ist nur ein Teil eines grösseren Projektes. ARTEMIS hat zum Ziel, die Erforschung des Mondes und des Weltraumes voranzutreiben und dabei auch wieder Menschen auf den Mond zu bringen und von dort aus auch zu anderen Planeten aufzubrechen. Wasser wird dabei eine zentrale Rolle als Rohstoff spielen. Zum einen zur Versorgung der Astronauten, zum anderen als Bestandteil von Treibstoff. Doch nicht alle Wissenschaftler sind der Meinung, dass dies eine gute Idee ist. Denn das Eis ist auch ein Datenarchiv über die Bildung von Wasser auf der Erde und anderen Planeten und könnte zahlreiche Antworten über unser Sonnensystem gespeichert haben. Ein Anbohren des Eises könnte daher diese wertvollen Archive kontaminieren und zerstören. Um dies zu verhindern, fordern diese Forscher die NASA auf, zuerst Proben an bekannten Stellen wie beispielsweise in Kratern, sammeln und diese wertvollen Daten so schützen. Doch dafür, so die NASA, bestehe im Moment keine Geldquelle. Eine andere Möglichkeit zur Suche nach Eis und Wasser besteht mit dem Satelliten «Lunar Trailblazer». Dieser könnte die Region im Vorfeld genauer kartografieren und Stellen identifizieren. Doch die NASA hat bereits abgewinkt und will den kleinen Satelliten erst 2025 losschicken. Man ist überzeugt, dass VIPER die richtigen Stellen finden wird, um dort nach Eis zu bohren, wo vor ihm noch nie zuvor ein Mensch gewesen ist.

Dr. Michael Wenger, PolarJournal

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