Das grosse Aufräumen in der russischen Arktis | Polarjournal
Ein Großteil der Trümmer wurde mit Militärstationen aus der Sowjetzeit in Verbindung gebracht. (Foto: Russian Arctic National Park)

Auf dem Territorium des Russischen Arktischen Nationalparks in der Region Archangelsk müssen noch mehr als 9.000 Tonnen Abfall beseitigt werden. Dies berichtete die russische Nachrichtenagentur TASS. Nach Ergebnissen geoökologischer Studien befinde sich der Abfall hauptsächlich auf dem Franz-Josef-Land-Archipel, sagte der Direktor des Parks, Alexander Kirilov, letzte Woche. Bereits wurden zwischen 2012 und 2017 mehr als 45.000 Tonnen Abfall von Franz-Josef-Land entfernt.

Auf Franz-Josef-Land wurden ganze Fuhrparks so einfach der Natur überlassen. Jahrzehnte später wird der Schrott von freiwilligen der Organisation Clean Arctic entsorgt. (Foto: Russian Arctic National Park)

„Im Moment verbleiben im Park noch etwas mehr als 9.000 Tonnen Müll, die beseitigt werden müssen“, meinte Kirilov weiter. „Mit Sicherheit wissen wir das aber noch nicht. Bereits 2017 haben wir eine geoökologische Untersuchung des Gebiets durchgeführt, um zu sehen, wie viel Abfall entfernt wurde und wie viel noch dort ist.“

Die Aufräumarbeiten auf Franz-Josef-Land begannen 2012. Zwischen 2012 und 2017 wurden mehr als 45.000 Tonnen Müll aus dem Archipel entfernt. Nach den Ergebnissen der 2017 durchgeführten geoökologischen Untersuchung waren die Aufräumarbeiten zu rund 89 % abgeschlossen. Praktisch abgeschlossen waren Missionen auf den zum Archipel gehörenden Inseln Alexandraland, Hooker, Heiss und den Graham-Bell-Inseln. Auf den Rudolf- und den Hoffman-Inseln steht eine Säuberung an.

Das russische Mineralölunternehmen «Rosneft» und der «Russian Arctic National Park» starteten 2019 das gemeinsame Gesamtprojekt Clean Arctic, das 2020 fortgesetzt wurde. Das Projekt hat die Aufgabe, die Verschmutzung von Franz-Josef-Land nach der Erschließung der Arktis durch die UdSSR abzuschätzen. Die Arbeiten zur Analyse ölverseuchter Böden auf den Inseln, auf denen die Säuberungen durchgeführt wurden, wurden im August 2021 fortgesetzt.

Alexander Kirilov wurde im Jahr 2010 zum stellvertretenden Direktor für besonders geschützte Naturgebiete in der Region Archangelsk ernannt. Von Mai 2011 bis April 2016 war Kirilov stellvertretender Direktor und seit dem 21. Juli 2017 Direktor des «Russian Arctic National Park». (Foto: Archiv)

Über den Russischen Arktischen Nationalpark

Der «Russian Arctic National Park» ist Eurasiens nördlichstes und Russlands größtes Naturschutzgebiet. Es umfasst den Archipel Franz-Josef-Land und den nördlichen Teil des Archipels Nowaja Semlja. Touristen können den Nationalpark an Bord von Kreuzfahrtschiffen entlang der Nördlichen Seeroute besuchen. In Kombination mit Spitzbergen wird Franz-Josef-Land ebenfalls von einigen Reedereien angeboten. Bei der Fahrt mit dem Atomeisbrecher von Murmansk zum Nordpol wird Franz-Josef-Land regelmässig angelaufen.

Nicht alles ist Unrat auf Franz Josef Land. Einige Orte haben historischen Hintergrund, wie die von der damaligen Sowjetunion am 29. August 1929 eröffnete Polarstation „Buchta Tichaja“. Sie war die erste Forschungsstation auf Franz-Josef-Land und hatte zeitweise eine Besatzungsstärke von bis zu 50 Personen. Seit der Schließung der Polarstation im Jahre 1959 ist die Insel nicht mehr permanent bewohnt. Die Station soll aber als Museum hergerichtet werden. (Foto: Heiner Kubny)

Clean Arctic sammelte 120 Tonnen Altmetall auf Nowaja Semlja

Die Freiwilligen von Clean Arctic sammelten und bereiteten während sechs Wochen 120 Tonnen Schrott in der Nähe einer Wetterstation auf der Insel Yuzhny in Nowaja Semlja für den Transport vor. Meist waren es Fässer, die sie zersägt, gepresst und verpackt haben“, teilte der Pressedienst mit.

Fünf Freiwillige arbeiteten seit Ende August auf dem Nowaja Semlja-Archipel. Sie sammelten den dort angefallenen Abfall aus der Zeit der aktiven Erschließung der Arktis. In der Nähe der seit über 120 Jahren in Betrieb befindlichen Wetterstation sammelten sie vor allem Fässer mit Kalk, Motorenöl und Benzin. Außerdem fanden sie eine Druckkammer, Ketten von Geländefahrzeugen, Teleskopantennen und ein Ruderblatt von einem alten Schiff. Auf dem Archipel gibt es aber praktisch keinen Plastikmüll.

Das Gebiet um die Wetterstation ist sumpfig und die Projektbeteiligten mussten oft die Fässer buchstäblich aus dem sumpfigen Boden herausreißen.

Heiner Kubny, PolarJournal

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