Scheidungsrate bei Albatrossen von Umwelt beeinflusst | Polarjournal
Schwarzbrauenalbatrosse sind die häufigste Art auf den Falklandinseln. Die mittelgrossen Tiere können bis zu 70 Jahre alt werden und bilden normalerweise eine monogame Beziehung, wenn sie ab dem 10. Lebensjahr brutfähig werden… zumindest so lange, wie die äusseren Bedingungen stimmen. Bild: Michael Wenger

Albatrosse sind nicht nur aufgrund ihrer Segelflugkünste und ihrem eleganten Aussehen bei vielen Menschen beliebt. Auch ihre Lebensweise fasziniert sowohl Forscher wie auch Laien. Besonders ihre Fähigkeit, Paarbindungen auf Lebenszeit einzugehen und jährlich wieder denselben Partner in den Kolonien wiederzufinden, macht die Seevögel sehr beliebt. Doch auch bei ihnen kommt es zu Scheidungen, die durch äussere Einflüsse auch noch verstärkt werden. Zu diesem Schluss kommt eine Langzeitstudie eines internationalen Forschungsteams.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten die langlebigen Schwarzbrauenalbatrosse auf New Island, eine der rund 770 Inseln im Falklandarchipel, wo rund 15’500 Brutpaare leben. Es zeigte sich, dass in Jahren, in denen schlechte Nahrungsbedingungen und erhöhte Meeresoberflächentemperaturen herrschten, die Paare im nächsten Jahr neue Partnerschaften eingingen. Dabei waren es vor allem die Weibchen, die sich einen neuen Partner suchten. Das Team um Francesco Ventura von der Universität Lissabon, dem Hauptautor der Studie, entdeckte, dass Weibchen, die im Jahr zuvor ihr Küken verloren hatte, 5-mal wahrscheinlicher die Scheidung vollzogen. Insgesamt zeigte sich, dass die Scheidungsrate zwischen 1 und 8 Prozent lag. «Umweltverursachte Scheidungen könnten eine übersehene Konsequenz der globalen Veränderungen sein», schlussfolgern die Forscherinnen und Forscher in ihrer Arbeit.

Schwarzbrauenalbatrosse brüten in grossen Kolonien an den windumtosten Hängen der Falklandinseln und subantarktischen Inseln. Gebrütet wird auf kunstvoll hergestellt topfähnlichen Lehmnestern. Die Studie zeigt, dass Weibchen das wählerische Geschlecht sind, wenn es um die Paarbildung geht. Bild: Michael Wenger.

Die Daten, die zu den Resultaten der Studie geführt hatten, sammelte das Forschungsteam über einen Zeitraum von 2004 bis 2019. Dabei verfolgten sie die Lebensgeschichten von 463 weiblichen und 477 männlichen Vögeln. Wenn sich ein Partner eines Paares, das in einem Jahr zusammen waren, im Frühling des folgenden Jahres einem neuen Partner zugewandt hatte (und der alte Partner immer noch am Leben war), wurde dies als Scheidung betrachtet. So konnte das Team eine grosse Anzahl an Paarbindungen untersuchen und in ein Populationsmodell einfügen. Durch den Vergleich mit verschiedenen Umweltdaten, die dann in den entsprechenden Jahren geherrscht hatten, konnte das Team die Wahrscheinlichkeit einer Scheidung im darauffolgenden Jahr berechnen. Dabei zeigte sich, dass die Nahrungsverfügbarkeit, die unter anderem auch durch die Wassertemperaturen gesteuert werden, dazu führte, dass Tiere in einem schlechteren Zustand im Frühjahr zu ihrem Partner zurückkehrten. Dadurch stellten sie eine schlechtere Wahl als Partner dar. Hier wurde klar, dass es vor allem die Weibchen sind, die dabei wählerisch vorgehen. Entspricht der Partner nicht dem Bild eines «starken» Männchens, war die Wahrscheinlichkeit viel höher, dass sie einen neuen Partner suchte.

Schwarzbrauenalbatrosse ziehen in der Regel ein Junges auf, welches nach 68 Tagen Brutzeit schlüpft. Danach müssen die Erwachsenen während 120 – 130 Tagen Kalmare und Fisch herbeischaffen, um das Jungtier durchzubringen. Dabei können die Vögel weite Strecken zurücklegen, um Nahrung zu finden. Bild: Michael Wenger

Schwarzbrauenalbatrosse ziehen in der Regel jedes Jahr nur ein Junges auf. Dabei kommen die Paare zwischen September und November zusammen, erneuern ihre Paarbindung oder suchen sich eben einen neuen Partner, und paaren sich danach. Das einzelne Ei wird während 68 Tage bebrütet, wobei die Partner einander füttern und sich abwechseln. Wenn das Junge geschlüpft ist, dauert es rund 120 – 130 Tage bis es flügge ist. In der Zeit müssen die Elterntiere genügen Nahrung in Form von Kalmaren und Fisch herbeischaffen, um das Junge zu füttern. Die Studie zeigte, dass Weibchen, die in dieser Zeit ihr Junges verlieren, rund fünfmal wahrscheinlicher den Partner im nächsten Jahr wechselten, als solche, deren Junges überlebt hatte. Das führt, nach Ansicht der Wissenschaftlerinnen und Wissenschafter, zu einem höheren Anteil an Stress bei den Weibchen und damit zur Suche nach einem neuen Partner. Im Angesicht der vorhergesagten Klimaveränderungen, die auch vor den subantarktischen Gewässern nicht Halt machen, dürfte dies schlechte Nachrichten für die männlichen Schwarzbrauenalbatrosse darstellen. Die Seevögel gelten zwar nicht als unmittelbar gefährdet. Doch kommt dieser Stress noch zu den bereit herrschenden Gefahren durch Langleinenfischerei und Umweltverschmutzung, dürfte der Population der Weg bergab vorgegeben sein.

Dr. Michael Wenger, PolarJournal

Link zur Studie: Ventura Francesco, Granadeiro José Pedro, Lukacs Paul M., Kuepfer Amanda and Catry Paulo 2021Environmental variability directly affects the prevalence of divorce in monogamous albatrossesProc. R. Soc. B.2882021211220212112 http://doi.org/10.1098/rspb.2021.2112

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