Fukushima – Cäsium erreicht den Arktischen Ozean | Polarjournal
Die Nuklearkatastrophe von Fukushima begann am 11. März 2011 um 14:47 Uhr mit dem Erdbeben und lief gleichzeitig in vier von sechs Reaktorblöcken ab. In Block 1 bis 3 kam es zu Kernschmelzen. Große Mengen an radioaktivem Material, rund 10 bis 20 Prozent der Menge radioaktiver Emissionen der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl , wurden freigesetzt und kontaminierten Luft, Böden, Wasser und Nahrungsmittel in der land- und meerseitigen Umgebung. Ungefähr 100.000 bis 150.000 Einwohner mussten das Gebiet vorübergehend oder dauerhaft verlassen.

Die neueste Forschung von Wissenschaftler der «Japan Agency for Marine-Earth Science and Technology» hat ergeben, dass sich die beim Atomunfall von Fukushima 2011 ausgetretenen radioaktiven Stoffe bereits auf dem Arktischen Ozean ausgebreitet haben.

Dr. Yuichiro Kumamoto, leitender Forscher der «Ocean Research and Development Organisation» fasste vor einigen Tagen die Forschungsergebnisse zusammen, wonach das radioaktive Material Cäsium-134 des Atomunfalls von TEPCO Fukushima Daiichi 2011 etwa acht Jahre nach dem Zwischenfall den Arktischen Ozean erreicht hatte.

Nach acht Jahren erreichten Cäsium-134 und Cäsium-137 den Arktischen Ozean. (Grafik: Heiner Kubny, PolarJournal)

Kumamoto spekuliert, dass die entdeckte Menge gering ist, sich aber in Richtung des Zentrums des Arktischen Ozeans ausbreitet. Es wird auch geschätzt, dass Cäsium-137 ebenfalls angekommen ist.

Anfang November dieses Jahres gab Gastprofessor Michio Aoyama von der Universität Tsukuba ähnliche Forschungsergebnisse bekannt. Nachdem Cäsium-137 die Westküste der Vereinigten Staaten erreicht hatte, wurde festgestellt, dass ein Teil davon nach Norden wanderte und durch Meeresströmungen aus der nordöstlichen Region auch nach Japan zurückkehrte. 

Laut Michio Aoyama wurde 2017 erstmals in der Beringsee, im nördlichsten Teil des Pazifischen Ozeans und der Tschuktschensee, dem Randmeer des Arktischen Ozeans, Cäsium 137 nachgewiesen

Die Flora und Fauna rund um den Arktischen Ozean dürften wegen der minimen Mengen an Cäsium kaum in Mitleidenschaft gezogen werden, wie die Walrosse im Tschuktschenmeer. (Foto: Heiner Kubny)

Nach dem Unfall analysierten Dr. Kumamoto Meerwasser im Nordpazifik und in anderen Gebieten. Das am 19. Oktober 2021 nördlich der Alaska-Halbinsel gesammelte Meerwasser wies 0,07 Becquerel pro Kubikmeter Cäsium-134 (Halbwertszeit von etwa 2 Jahren) auf.

Obwohl die im Arktischen Ozean gemessene Cäsiummengen sehr klein und kaum nachweisbar waren, sei die korrekte Übermittlung verschiedener Informationen notwendig, um den Verbreitungsstatus zu überwachen und um Gerüchte zu vermeiden, so Dr. Kumamoto.

Heiner Kubny, PolarJournal

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