Seeleoparden um Neuseeland haben Haie zum Fressen gern | Polarjournal
Bisher sind 67 Haiarten in den neuseeländischen Gewässern bekannt. Darunter auch der bekannte Weisse Hai (Carcharodon carcharias). Die bis zu 6 Meter grossen Raubfische haben aber kaum etwas zu befürchten. Seeleoparden bevorzugen kleinere Haiarten wie den Dornhai (rechts). Bilder: A) Sue Parsons, B) Anita Spencer, C) Karen Pratt (aus van der Linde et al. (2021) Front Mar Sci 8

Die Gewässer rund um Neuseeland sind sehr reichhaltig. Dies lockt nicht nur Fischer an, sondern auch Räuber, die schon seit Jahrmillionen in den Ozeanen leben: Haie. Die enorm widerstandsfähigen Fische machen Jagd auf Fische, Vögel, und Meeressäugetiere wie Robben. Doch der vielseitige Jäger scheint nun einen Meister gefunden zu haben.

Die seit über 450 Millionen Jahren auf der Welt lebenden Haifische haben seit je her das Image des gefürchteten Räubers. Aber auch die Haie selbst können zu Beutetieren werden. Dass Raubtiere andere Raubtiere fressen, ist im Tierreich zwar selten, kommt aber vor.

Orcas gehören zu den wenigen Arten, von denen bekannt ist, dass sie Haie jagen und fressen. Dabei konzentrieren sie sich vor allem auf die fettreiche Leber der Knorpelfische. Bild: Stefan Leimer

Es ist schon lange bekannt, dass Killerwale immer wieder Haie angreifen, um deren Leber zu essen. Auch Grauhaie werden vor allem in Südafrika immer wieder ohne Leber an Land geschwemmt.

Die Leber der Haie sehr ölhaltig ist und enthält wichtige Nähr- und Energiestoffe für die Wale. Da Haie eine sehr große Leber haben, die bis zu fünf Prozent ihres Körpergewichts ausmacht, sind diese Innereien ein begehrter Happen für Killerwale. Aber auch in Pottwalen hat man schon im Ganzen verschluckte, meterlange Haie entdeckt.

Und jetzt wurde erstmals der Beweis erbracht, dass sich Seeleoparden zumindest teilweise von Haien ernähren.

Seeleoparden sind in der Antarktis und auf subantarktischen Inseln zuhause. Die bis zu 3.5 Meter grossen Robben sind sehr anpassungsfähig, wenn es um Beute geht, was sich auch in ihrem Gebiss zeigt. Von kleinen Krillkrebsen bis zu grossen Robben jagen sie wohl alles, auch Haie, die im Südpolarmeer nicht bekannt sind. Bild: Michael Wenger

Seeleoparden zählen zu den Robben, die normalerweise rund um Antarktika und an einigen Küsten von subantarktischen Inseln vorkommen. Und sie sind Raubtiere: Ihren Namen bekamen sie aufgrund ihres gefleckten Fells und weil sie Beutegreifer sind, die neben Kleintieren und Fischen auch warmblütige Wirbeltiere wie Pinguine und junge Robben anderer Arten erbeuten. Doch nun muss man ihrem Speiseplan Knorpelfische hinzufügen, zu denen auch die Haie zählen.

Veröffentlicht wurde die Untersuchung in der Fachzeitschrift »Frontiers in Marine Science«.

Die an der Studie beteiligten Forscherinnen und Forscher werteten Kotproben von Seeleoparden aus mehreren Jahrzehnten aus. In neun von 127 dieser Proben wurde die DNA von drei Raubfischarten aus der Klasse der Knorpelfische festgestellt. Darunter von Seekatzen sowie vom Dornhai.

In den vergangenen Jahren sorgten immer mehr überraschende Besuche von Seeleoparden ausserhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes für Schlagzeilen. Auch in Neuseeland tauchen immer häufiger die antarktischen Robben auf. Die Gesellschaft «Leopardseals.org» will herausfinden, was die Tiere zu den übermässig langen Wanderungen bewegt. Bild: Bradley Garner

Die Seeleoparden, die an Neuseelands Küsten ankommen, stammen ursprünglich aus der Antarktis, sind jedoch in den Gewässern Neuseelands immer häufiger anzutreffen. Zudem untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sichtbare Spuren auf den Körpern von Seeleoparden, die auf einen Kampf mit Haien hindeuten. Diese Spuren liefern den Beleg, dass die Robben lebendige Haie angreifen und nicht nur deren Überreste fressen.

Krista van der Linde, die die Studie leitete, sagte der britischen Zeitung »The Guardian«: »Wir waren überwältigt, als wir feststellten, dass Haie auf der Speisekarte standen.« Warum Seeleoparden Haie jagen, sei nicht klar. Denn die Jagd ist riskant. 

Ebenfalls ungeklärt sei die Frage, ob sich Seeleoparden schon immer auch von Knorpelfischen ernährt haben.

Dem Zeitungsbericht nach stellen sich die Forscherinnen und Forscher nun auch die Frage, ob die Robben nach Neuseeland kommen, weil das Nahrungsangebot abwechslungsreicher ist. Und ob der Klimawandel die Nahrungsquellen weiter im Süden beeinträchtigt. Der gefährlichste Feind des Haies ist und bleibt der Mensch. Im Durchschnitt töten wir 4,5 Millionen Haie im Jahr und viele Haifischarten sind bereits vom Aussterben bedroht.

Link zur Studie: van der Linde K, Visser IN, Bout R,Lalas C, Shepherd L, Hocking D,Finucci B, Fyfe J and Pinkerton M(2021) Leopard Seals (Hydrurga leptonyx) in New Zealand Waters Predating on Chondrichthyans. Front. Mar. Sci. 8:795358

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