Nach nur 40 Tagen: «Polar Preet» erreicht Südpol | Polarjournal
Captain Harpreet Chandi oder «Polar Preet» hat in einer Solo-Expedition in 40 Tagen zehn Breitengrade in der Antarktis überwunden und den Südpol erreicht. Foto: Harpreet Chandi

Nach 40 Tagen, 7 Stunden und 3 Minuten erreichte Harpreet Chandi als erste farbige Frau in einer Solo-Expedition gestern den Südpol und schreibt damit Geschichte. Sie ist die drittschnellste Frau auf solch einer Expedition. Am 24. November 2021 vom Hercules Inlet in der Antarktis gestartet, überwindete die junge Physiotherapeutin und Captain der British Army zehn Breitengrade, 1.111 Kilometer, und einen Höhenunterschied von mehr als 2.700 Meter bis zu ihrem Ziel.

Die Expedition verlangte «Polar Preet», wie sie sich selbst nennt, einiges ab: schnelle Wetterwechsel, Whiteouts, Windgeschwindigkeiten von 65 Kilometer pro Stunde und darüber, Temperaturen bis minus 45 Grad Celsius, der konstante Anstieg — von knapp 80 Meter am Hercules Inlet auf etwa 2.800 Meter am Südpol — und Sastrugi (harte, vom Wind geformte parallele Rillen im Schnee) über unzählige Streckenkilometer ließen sie gegen Ende der Expedition ziemlich erschöpft sein. Zudem quälten sie anhaltender Husten und im  letzten Drittel Erbrechen und Durchfall.

Ihre Expedition startete «Polar Preet» vom Hercules Inlet auf 80 Meter Seehöhe. Bis zum Südpol musste sie über 2.700 Höhenmeter überwinden. Foto: Harpreet Chandi

Dennoch meisterte Chandi die schwierige, wenig abwechslungsreiche Strecke sogar fast eine Woche schneller als geplant — sie hatte mit 45 bis 47 Tagen gerechnet — und vermeldete gestern überglücklich: «Ich habe es bis zum Südpol geschafft, wo es schneit. Ich empfinde im Moment so viele Emotionen. Vor drei Jahren wusste ich nichts über die polare Welt und es fühlt sich so surreal an, endlich hier zu sein. Es war schwer, hierher zu kommen, und ich möchte allen für ihre Unterstützung danken.»

Sie sagt auch, dass es ihr bei dieser Expedition nicht nur um sie selbst geht. «Ich möchte Menschen dazu ermutigen, ihre Grenzen zu überschreiten und an sich selbst zu glauben, und ich möchte, dass sie das tun können, ohne als Rebell bezeichnet zu werden. Man hat zu mir oft nein gesagt und mir gesagt, ich solle ‘einfach das Normale tun‘, aber wir schaffen unser eigenes Normales. Du bist zu allem fähig, was du willst. Es ist egal, woher du kommst oder wo deine Startlinie ist, jeder fängt irgendwo an.»

Bei Windgeschwindigkeiten bis 65 Kilometer pro Stunde war der Zeltaufbau nicht immer einfach. Umso mehr freute sich «Polar Preet» dann über Pasta mit Lachs und eine heiße Schokolade. Foto: Harpreet Chandi

Die vielen schwierigen Passagen mit starken Anstiegen, Gegenwind und Sastrugi, die das Ziehen der fast 90 Kilogramm schweren Pulka zusätzlich erschwerten, verkürzte sich Chandi mit Musik, Hörbüchern und zuvor gespeicherten Sprachnachrichten von ihren Freunden. Vor allem die sogenannten Whiteouts, wenn alles um einen herum kontrastlos im selben Weiß erscheint und Boden und Himmel nahtlos ineinander übergehen, zehrten an den Kräften, da sie permanent GPS und Kompass im Blick haben musste.

Meist lief sie elf Stunden am Tag — unterteilt in Phasen von 90 Minuten gehen gefolgt von zehn Minuten Pause — und schlief weniger als sechs. Die übrige Zeit war sie im Wesentlichen mit Zeltauf- und abbau, Schnee schmelzen, kochen und einigen «administrativen» Aufgaben beschäftigt wie dem Senden der täglichen Nachrichten in die Heimat, die auf ihrer Webseite zu lesen sind, oder dem Ausbessern ihrer Handschuhe.

Sastrugi erschwerten zuweilen das Vorankommen und nagten an Chandis Kräften. Die vom Wind geformten, harten Rillen und Wellen waren laut Chandi teils meterhoch. Foto: Harpreet Chandi

Generalmajor a.D. Lamont Kirkland von der Team Army Sports Foundation, die die Herausforderung unterstützt hat, erklärte gegenüber Forces News: «Es gibt viele Adjektive, die Captain Preet Chandi beschreiben könnten – Hartnäckigkeit ist eines davon, Entschlossenheit, dieser Sinn für Ehrgeiz. Dieses Mädchen ist in jeder Hinsicht erstaunlich. Das spürte ich, als ich das erste Mal mit ihr sprach und als ich sie bei ihrer Auftaktveranstaltung im Oktober zum ersten Mal traf. Ich war mir absolut sicher, dass sie es schaffen würde.»

Julia Hager, PolarJournal

Link zu «Polar Preet»’s Webseite: https://polarpreet.com/ 

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