Etwas weniger ruhig an der Nordfront | Polarjournal
Thule Air Base: etwas Amerikanisches im Staat Dänemark (Foto: Heiner Kubny)

Wenn es ein Thema gibt, das sich wie ein roter Faden durch die jährliche dänische Bedrohungsanalyse zieht, dann sind es die zunehmend angespannten Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten, China und Russland. Es wird erwartet, dass die drei Mächte direkt oder indirekt Entwicklungen vorantreiben, die alle sieben Hauptthemen beeinflussen, die für die dänischen Geheimdienste im kommenden Jahr von Bedeutung sein werden.

„Das Machtgleichgewicht zwischen den Vereinigten Staaten, China und Russland verschiebt sich. Dies stellt eine Herausforderung für westliche Bündnisse und Partnerschaften wie die Nato und die EU dar, die für Dänemark von entscheidender Bedeutung sind“, so der Bericht, der vom FE, Dänemark’s Auslandsgeheimdienst, Ende Dezember veröffentlicht worden ist.

Wie in den vergangenen Jahren wird auch 2022 in der Region eher Zusammenarbeit als Konflikt vorhergesagt, und China wird trotz aller Angstmacherei weiterhin einen begrenzten Einfluss haben.

Dass freundschaftliche Beziehungen weiterhin möglich sind, verdankt man den anhaltenden Bemühungen der arktischen Länder, Unstimmigkeiten in anderen Regionen nicht zu ihren eigenen zu machen. Dies ist insbesondere für Moskau wichtig, da es die Arktis als stabiles Investitionsumfeld propagiert.

Infolgedessen wird „niedrige Spannung“ ein bestimmendes Merkmal der Beziehungen in der Region bleiben. Da aber alle drei Mächte jetzt ein militärisches Interesse an der Arktis haben, hat die FE „unbeabsichtigte Konflikte“ und „Eskalation“ zu ihren Schlagworten hinzugefügt.

Die FE gibt Russlands militärischer Aufrüstung entlang seiner nördlichen Bereiche eine Mitschuld an der Situation. Zwar räumt die FE ein, dass Moskau schon immer einen Vorteil gegenüber potenziellen Rivalen im Norden hatte und dass seine neuen militärischen Kapazitäten dort „in erster Linie defensiv“ sind. Doch das bedeutet nicht, so die Einschätzung, dass sie nicht auch zur Bedrohung westlicher Interessen in der Arktis oder weiter südlich eingesetzt werden können.

Die Antwort des Westens in Form einer eigenen militärischen Aufrüstung hat es den arktischen Ländern nicht schwerer gemacht, miteinander auszukommen. Im Gegenteil, Moskau versucht, seinen Vorsitz im Arktischen Rat und im Arktischen Wirtschaftsrat, zwei Gruppen, in denen alle acht arktischen Länder vertreten sind, für mehr Einfluss zu nutzen. Die FE geht jedoch davon aus, dass der Kreml angesichts der Tatsache, dass die Region nun in die Strategieplanung der Militärs auf beiden Seiten einfließt, zunehmend die Sicherheitsinteressen Russlands über seine wirtschaftlichen Interessen stellen muss.

Diese Rivalität zwischen den Großmächten macht Dänemark zu einem kleinen Akteur, wenn es darum geht, wie sich die Arktis entwickelt, räumt die FE ein (nach ihrer Einschätzung wird dies zum einen davon abhängen, wie sich die Beziehungen zwischen Russland und Amerika entwickeln, und zum anderen von der globalen Rivalität zwischen Amerika und China). Aber für die Dänen war dies schon immer das Los des kleinen Landes. Weniger erfreulich für Kopenhagen ist der potenzielle Einfluss, den dies auf die Beziehungen innerhalb des Königreichs Dänemark hat, das aus Dänemark, Grönland und den Färöern besteht.

Ein Spiel mit Buchstaben (Bild: Naalakkersuisut)
Klicken Sie hier, um das vollständige Schreiben anzuzeigen

Eine Sorge ist, dass Russland und China mit Spionage und Fehlinformationen versuchen werden, einen Keil zwischen Kopenhagen, Nuuk und Tórshavn zu treiben. Ein Brief (Bild oben), der angeblich 2019 vom grönländischen Außenminister an einen US-Senator geschickt wurde und in dem die Unabhängigkeit Grönlands angedeutet wird, ist für FE ein Zeichen dafür, dass diese Art von Schwindel bereits im Gange ist, auch wenn die mutmaßliche Quelle des Briefes nie öffentlich genannt wurde.

Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die drei Länder im Bereich der Außenbeziehungen ohne Einmischung von außen etwas finden werden, worüber sie uneins sind. Dänemark ist weiterhin für die Verteidigung und die auswärtigen Angelegenheiten des gesamten Königreichs zuständig. Doch Grönland und den Färöern steht es frei, in begrenztem Umfang offizielle Beziehungen zu anderen Ländern aufzunehmen. Dies hat unter anderem dazu geführt, dass die Färöer-Inseln durch den weiteren Export von Lachs nach Russland einen ordentlichen Gewinn erzielen konnten, nachdem Dänemark und andere europäische Länder nach der Annexion der Krim 2014 Sanktionen gegen Russland verhängt hatten.

Grönland seinerseits begrüßt das, was die FE als Chinas „langfristige“ Interessen an seiner aufstrebenden Bergbauindustrie bezeichnet, auch wenn Dänemark weniger daran interessiert ist. Derzeit werden keine Projekte durchgeführt, die auf chinesisches Geld angewiesen sind. Außerdem scheint sich das chinesische Interesse abgekühlt zu haben, was nach Ansicht der FE – passend zum Thema ihrer Bewertung – mit der Zunahme der amerikanischen Aktivitäten in den letzten Jahren zusammenhängen könnte.

Kevin McGwin

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