Unterwasserklänge aus der Diskobucht per Livestream | Polarjournal

Die ganze Welt kann bald live den einzigartigen arktischen Unterwassergeräuschen in Grönlands Diskobucht lauschen: Bei Qeqertarsuaq soll ab dem kommenden Frühjahr eine akustische Überwachungsstation die Laute von Meeressäugern aufzeichnen und rund um die Uhr einen Eindruck der Unterwasserklanglandschaft vermitteln.

Während es noch immer ein Rätsel ist, woher die Diskobucht, ebenso wie die Diskoinsel, ihren Namen hat, könnte es kaum einen passenderen Ort geben für eine akustische Unterwasserstation. Die fest installierten Hydrophone, Unterwasser-Mikrofone, sollen ab dem Frühjahr 2024 das ganze Jahr über und rund um die Uhr die Unterwassergeräusche einfangen und per Live-Stream in die ganze Welt übertragen. In der Arctic Station in Qeqertarsuaq sowie in Museen und Ausstellungen in Grönland und in Dänemark werden die Aufnahmen ebenfalls für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

Die gewonnenen Daten dienen allerdings vor allem der Erforschung der Meeressäuger, die sich in der Diskobucht aufhalten, und dem Erfassen des menschengemachten Lärms, der das Verhalten der Tiere beeinflussen kann. 

Die Diskobucht im Westen Grönlands ist aufgrund der nährstoffreichen Gewässer ein Anziehungspunkt für zahlreiche Meerestiere. Fische wie Lodde oder Kabeljau locken verschiedene Robbenarten an, die während ihrer Wanderungen die Bucht passieren, darunter Sattelrobben, Klappmützen, Ringelrobben und Bartrobben. Und im Januar kommen die Grönlandwale: Bis Anfang Juni halten sich zwischen 500 und 1.000 Tiere in der Bucht auf, die der wichtigste Aufenthaltsort für diese Wale ist. Narwale, Buckelwale, Grindwale und Orcas sind ebenfalls regelmäßige Besucher der Diskobucht. Auch viele Seevogelarten nutzen den reich gedeckten Tisch. 

Das Gebiet mit seiner in der Arktis einzigartigen Artenvielfalt reagiert jedoch empfindlich auf menschliche Störungen und wurde im Jahr 2012 als ökologisch wertvoll eingestuft. Besonders der zunehmende Schiffsverkehr in der Arktis verursacht sehr viel Lärm unter Wasser und kann insbesondere Meeressäugern gefährlich werden, wie wissenschaftliche Studien zeigten.

Das Projekt ist eine Zusammenarbeit zwischen der Ortschaft Qeqertarsuaq, der Arctic Station, dem Naturhistorischen Museum Dänemarks, Seiche Marine Acoustic Solutions, Visit Greenland und dem Greenland Institute of Natural Resources. Die nötigen finanziellen Mittel für die Verwirklichung des Projekts stellten die Stiftung von Kronprinz Frederik und Kronprinzessin Mary, die Carlsberg-Stiftung, die Aage V. Jensen Charity Foundation und das Hotel Disko Island zur Verfügung.

«Wir freuen uns sehr, diese Station in Betrieb zu nehmen, da sie uns einen noch nie dagewesenen Einblick in die Unterwasserwelt der Diskobucht und die faszinierenden Säugetiere, die dort leben, geben wird», sagte Projektleiterin Anna Olsen von der Arctic Station. «Dies ist ein wichtiger Meilenstein für unser Verständnis des arktischen Ökosystems und kann uns helfen, dieses empfindliche Gebiet zu schützen.»

Julia Hager, PolarJournal

Beitragsbild: Michael Wenger

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