Ocean Warrior-Projekt: Neue Akzente in der Klimaforschung in der Arktis | Polarjournal
Der Holzschooner S/V Linden ist die Plattform der Ocean Warrior Expeditionen in der Arktis — vom Wind angetrieben, eine äußerst nachhaltige Art, Forschung zu betreiben. Foto: Ocean Warrior

Die erste von zwei «Foundation Expeditions» des Ocean Warrior-Projekts startete vergangenen Freitag in Longyearbyen, Svalbard. Sie sollen der Auftakt sein für ein Jahrzehnt wissenschaftlicher Klimaforschung in abgelegenen Gebieten der Polarregionen.

Das Ocean Warrior-Projekt wurde von dem renommierten britischen Polarforscher Jim McNeill ins Leben gerufen, bei dem neben Wissenschaftlern auch Bürger-Wissenschaftler auf Europas größtem Holzschooner in selten untersuchten Regionen wichtige Daten zum Klimawandel sammeln werden. 

Die S/V Linden brach am vergangenen Freitag von Longyearbyen aus zur ersten von zwei  zehntägigen «Foundation Expeditions» im Arktischen Ozean auf. Diese beiden Expeditionen dienen der Vorbereitung auf die erste Forschungsreise einer Expedition, die im kommenden Jahr starten und über ein Jahrzehnt jedes Jahr wiederholt werden soll.

Das Ziel der Foundation Expeditions ist es, wie der Name schon sagt, den Grundstein für die kommenden zehn Jahre der Erforschung der Ozeane zu legen, erzählt uns Jim McNeill. Er wird mit seinem 18-köpfigen Team aus Besatzungsmitgliedern, Wissenschaftlern, Naturforschern, Journalisten, Filmemachern und «gewöhnlichen» Menschen wissenschaftliche und technische Instrumente an Bord installieren und testen. 

«Wissenschaftlich gesehen haben wir einige Instrumente, mit denen wir ‘spielen’ werden, aber ich erwarte nicht, dass wir viele Daten sammeln werden, wenn überhaupt», so McNeill gegenüber PolarJournal. Dazu gehören Geräte wie Wetterstationen, eine FerryBox (eine automatisierte Instrumentenbox für «Ships of Opportunity» wie Fähren, Frachter etc.), eine CTD-Sonde (zur Messung von Salzgehalt, Temperatur und Tiefe) sowie Instrumente für Kommunikation und Sicherheit.

«Ich bin jemand, der seine Hausaufgaben bis ins kleinste Detail macht, also liegt der Schwerpunkt auf der Einschätzung dessen, was wir erreichen können, was praktikabel ist und was der wichtigste Beitrag ist, den wir leisten können.»

Das Ocean Warrior-Projekt will mit den wissenschaftlichen Messungen im Arktischen Ozean in den kommenden zehn Jahren dazu beitragen, Veränderungen, die der Klimawandel und andere Faktoren verursachen, zu messen, zu bewerten, zu überwachen und letztendlich besser zu verstehen. Jim McNeill plant ab 2024, mit seinen wechselnden Teams jedes Jahr zwischen Juni und Oktober 10.000 Seemeilen zurückzulegen und dabei Daten zu Wasserqualität, Salzgehalt, pH-Wert, Plankton, eDNA (Umwelt-DNA) und weiteren Parametern zu sammeln. Darüberhinaus sollen von Satelliten gesammelte Daten überprüft werden.

Dies wird Wissenschaftlern helfen, ein genaueres Bild von den Auswirkungen des Klimawandels auf die marinen Ökosysteme zu erhalten und darüber wie sich die Arktis mit der dort lebenden Fauna und Flora in Zukunft entwickeln wird. 

Die Expedition, unterteilt in acht Fahrtabschnitte, wird jedes Jahr «144 gewöhnliche Menschen auf einer außergewöhnlichen Reise von Svalbard, Norwegen, nach Resolute Bay, Kanada — über das Vereinigte Königreich, Island, Grönland und zurück» führen, heißt es auf der Webseite des Projekts. Die Teilnehmer werden im Segeln geschult und tragen nach einer Einweisung aktiv zur Klimaforschung bei. Das Besondere ist: Jedes Jahr wird es zehn vollständig geförderte Plätze geben für Menschen, denen die Möglichkeit fehlt, die Teilnahme selbst zu finanzieren.

Als wissenschaftlichen Partner konnte McNeill mit dem Plymouth Marine Laboratory ein in der Meeresforschung weltweit führendes Unternehmen gewinnen. Weitere Partner sind Valeport, das ozeanografische und hydrografische Instrumente entwickelt und herstellt, Mole Energy, die Dartmoor Brewery und Henri Lloyd.

Ocean Warrior ist Teil des Global Warrior-Projekts, das Jim McNeill vor 22 Jahren als Ice Warrior begann und nun auf den gesamten Planeten ausweitet. In den kommenden Jahren sollen die Projekte Desert Warrior, Mountain Warrior und Jungle Warrior folgen. Bei anhaltender Unterstützung von Ocean Warrior überlegt McNeill, das Projekt auf die Antarktis zu erweitern.

Jim McNeill hat zahlreiche Expeditionen geleitet und bildet seit 22 Jahren moderne Polarforscher aus. Foto: Ocean Warrior

Jim McNeill, der ursprünglich Umweltwissenschaftler war, machte Karriere bei der Armee, im Handel, bei der Feuerwehr und im Königshaus, bevor er seiner Leidenschaft für die Polarforschung nachging. Als Veteran von mehr als 38 Jahren Polarforschung und -expeditionen hat Jim McNeill unter anderem Expeditionen in die Antarktis, die kanadische Hocharktis, Spitzbergen und die Baffininsel geleitet. 

Neben der Leitung von Expeditionen und der Ausbildung angehender Forscher ist Jim ein Experte für extreme Sicherheit und hat bei einigen der renommiertesten und preisgekrönten Naturdokumentationen der BBC mitgewirkt, darunter Frozen Planet und Human Planet, bei denen er mit Persönlichkeiten wie Sir David Attenborough zusammenarbeitete. Jim war auch als Berater bei zahlreichen Expeditionen tätig, darunter viele von Sir Ranulph Fiennes‘ Expeditionen.

Julia Hager, PolarJournal

Links zu den Projekten:

https://www.warrior-ocean.com/ 

https://www.global-warrior.com/

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