SIKU — Das soziale Netzwerk für indigenes Wissen | Polarjournal
Ein Jäger überprüft das Meereis mit seiner Harpune in der Nähe einer Polynya, wofür noch immer die traditionellen Werkzeuge benötigt werden. Mit Hilfe von SIKU kann er seine Beobachtung mit anderen Jägern teilen. Foto: Arctic Eider Society

Von Inuit für Inuit: «SIKU — The Indigenous Social Network» ist ein einzigartiges, besonders vielseitiges und leistungsstarkes soziales Netzwerk, das es Inuit seit mittlerweile vier Jahren ermöglicht, ihr Wissen, ihre aktuellen Beobachtungen und Geschichten per App oder Webplattform mit anderen Inuit zu teilen.

Von Ostgrönland bis Alaska: auf SIKU können sich Indigene untereinander austauschen und gerade in Zeiten großer Umweltveränderungen sicherheitsrelevante Informationen wie aktuelle Meereisbedingungen mit anderen Nutzern teilen. Sie können aber auch Wildtierbeobachtungen, Jagderfolge oder Informationen zu Forschungsaktivitäten posten oder einfach Geschichten, die traditionelles Wissen weitergeben und zur Bewahrung der Sprache beitragen.

SIKU, was Meereis auf Inuktitut bedeutet, stellt zudem ein umfangreiches Karten-Tool zur Verfügung, das es erlaubt, zwischen hochauflösenden Aufnahmen verschiedener Satelliten, einer topographischen Karte, Google Maps und einer Eiskarte zu wechseln — wichtige Informationen insbesondere für Jäger. 

Die Nutzer können ihre Posts mit GPS-Daten versehen und auf der Karte  genauere Informationen zu den verschiedenen Aktivitäten und Beobachtungen abrufen. Bild: Screenshot SIKU

Darüberhinaus bietet SIKU Beschreibungen zu den verschiedenen Meereistypen und zu arktischen Tier- und Pflanzenarten, die von den Nutzern mit Tags versehen werden können und so als lebende Wikis indigenen Wissens dienen. Dabei wird gleichzeitig die Nutzung der indigenen Sprachen gefördert: die Plattform ist neben Englisch und Französisch auch in den verschiedenen Inuktut-Dialekten und Kalaallisut (Grönländisch) sowie in der kanadischen Silbenschrift verfügbar.

Die Profile von arktischen Tier- und Pflanzenarten liefern die wichtigsten Informationen zu den einzelnen Arten, ergänzt durch ein interaktives Nahrungsnetz. Bild: Screenshot SIKU

Auch in Forschungsprojekten hat sich SIKU bewährt, indem die Plattform spezielle Projektmanagement-Tools für Gemeinschaften, regionale indigene Organisationen und Forschende bereitstellt. Mit der App können beispielsweise Jäger die Mageninhalte von erlegten Robben dokumentieren — eine wichtige Information bei der Überwachung von Veränderungen im Ökosystem —, die praktisch in Echtzeit an andere Nutzer kommuniziert werden können.

Nicht zuletzt hebt sich SIKU beim Datenschutz und der Privatsphäre entscheidend von anderen sozialen Netzwerken ab. Die Rechte der Indigenen stehen an erster Stelle, wobei die Nutzer alle Rechte und die Kontrolle über ihre Daten und ihr geistiges Eigentum behalten. Für jeden Post können sie entscheiden, wie sie ihre Informationen weitergeben möchten.

Der Älteste Jimmy Iqaluit und der Jäger Johnny Kurluarok überprüfen die Beiträge auf der SIKU-Online-Plattform noch während der Entwicklung der Plattform. Foto: Arctic Eider Society

SIKU entstand auf Initiative der Arctic Eider Society hin, eine von Inuit betriebene Wohltätigkeitsorganisation mit Sitz in Sanikiluaq, Nunavut, die Inuit-Jäger, -Älteste und junge Inuit mit Software-Entwicklern und Sponsoren zusammenführte. Die Anregung für die Erschaffung des Netzwerks kam unter anderem von den Ältesten, die ihre mündlichen Geschichten dokumentieren und mit der Jugend teilen wollen.

Die Realisierung von SIKU wurde ermöglicht vor allem durch den Gewinn von 750.000 Dollar bei der Google.org Impact Challenge 2017 in Kanada.

In jedem Fall ist SIKU ein wunderbares Beispiel dafür, wie moderne Technologie dazu beitragen kann, Jahrtausende altes indigenes Wissen zu bewahren und an die junge Generation weiterzugeben.

Julia Hager, PolarJournal

Link zu SIKU: https://siku.org/about 

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