Den Geheimnissen der Kaiser von Snow Hill auf der Spur | Polarjournal
Die Kaiserpinguinkolonie von Snow Hill Island ist die nördlichste bekannte der insgesamt 66 Kolonien. Obwohl sie häufiger besucht wird von Expeditionsschiffen, ist wenig über die Wanderungen und das Fressverhalten der rund 4’000 Brutpaare grossen Kolonie bekannt. (Foto: Michael Wenger)

Obwohl Kaiserpinguine als die ikonischste Art der Antarktis gelten, ist das Wissen über die grösste Pinguinart noch immer lückenhaft. Dies liegt nicht zuletzt an der Abgeschiedenheit der 66 bekannten Kolonien und der komplexen Brutstrategie der Tiere. Ein britisches Forschungsteam will nun mehr über die Tiere erfahren und hat dazu die nördlichste Kolonie bei Snow Hill Island besucht.

Mit einer Drohne, vielen Proben von Guano und mit Satellitensendern sind Dr. Peter Fretwell, Dr. Norman Ratcliff und Doktorand Hugo Guimaro Fragen rund um die Lebensweise der rund 4’000 Brutpaare von Kaiserpinguinen nachgegangen. Unterstützung erhielten sie dabei vom Expeditionsteam von Touranbieter Quark Expeditions an Bord deren Schiffs Ultramarine. Wohin wandern die Tiere auf der Suche nach Nahrung für ihre Jungen und danach, was fressen sie während der Brutzeit und vor allem, wie gross ist die Kolonie tatsächlich: alles Basisfragen, auf die es aber bisher tatsächlich kaum Antworten gibt, die aber unerlässlich sind, wenn die Tiere besser geschützt werden sollen. Denn Snow Hill Island ist als nördlichste Kolonie in einem Gebiet, das sehr stark durch die Auswirkungen des Klimawandels beeinflusst wird. Die Daten, die von den drei Forschern erhoben werden, könnten einen Einblick bieten, was an den anderen 65 Orten geschehen könnte in Zukunft.

Die Methoden, die von den drei Forschern, die von Fotograf Neil Ever Osborne zur Dokumentation begleitet wurden, beinhalteten die Entnahme von Guanoproben zur DNA-Bestimmung von Nahrungskomponenten. Doktorand Hugo Guimaro von der Universität Coimbra in Portugal möchte so nicht nur Informationen über die Nahrung der Kaiserpinguine während der Brutzeit in der westlichen Weddellsee sammeln, sondern einen Überblick über das Nahrungsnetz der Region erhalten. Denn in den Proben liegen neben den genetischen Daten der Beute der Kaiserpinguine auch genetisches Material derjenigen Organismen, die von den Beutetieren gefressen wurde.

Wo die Tiere ihre Nahrung suchen und finden, untersucht Dr. Norman Ratcliff mittels GPS-Argo-Sendern, die insgesamt 15 Tieren auf dem Rücken angeklebt wurden. Diese Sender übermitteln bis zum Zeitpunkt der Mauser die Wanderrouten praktisch in Echtzeit. Wenn die Tiere dann ihren Federwechsel durchlaufen, fällt der Sender ab. Das Anbringen der Sender konnte er jedoch nicht alleine bewerkstelligen und am Ende waren alle Teammitglieder gefordert, möglichst rasch und so sanft wie möglich die Sender anzubringen. Unterstützung erhielten sie dabei von Meereisspezialist Steffen Graupner, der als Teil des Schiffsteams für die Dickenmessung des Meereises verantwortlich war.

Eine der wichtigsten Fragen rund um die Kaiserpinguinkolonien ist, wie gross diese Ansammlungen überhaupt sind. Durch die Abgeschiedenheit der meisten Kolonie, sind nur wenige Daten überhaupt erhältlich. Dadurch sind die Angaben zur Gesamtpopulation nur eine grobe Schätzung. Ein Zustand, der aber mittels immer besser werdender Auflösung von Satellitenbildern in Zukunft verbessert werden kann, glaubt Dr. Peter Fretwell. Um aber diese Satellitenbilder und deren Auswertung kalibrieren zu können, müssen erst Daten aus niedrigerer Höhe gesammelt werden. Dazu hat der Forscher Teile der Kolonie mit einer Drohne überflogen und Bilder gemacht, auf denen die einzelnen Tiere dann gezählt werden können. Die Daten werden dann mit entsprechenden Satellitenbildern abgeglichen und so kann eine genauere Bestimmung der Populationsgrösse der Kolonie erreicht werden.

Eine sich in der Entwicklung befindliche Künstliche Intelligenz soll es in Zukunft ermöglichen, VHR (Very High Resolution)-Satellitenbilder rasch und effizient auszuwerten und so eine genauere Zahl der Kaiserpinguine rund um Antarktika zu bestimmen. Um aber diese KI bestmöglich zu trainieren, sind noch einige Datenerhebungen an anderen Orten notwendig. Das bedeutet, dass noch einige Expeditionsprojekte in Zukunft anstehen werden, um mehr über die Ikone der Antarktis zu erfahren.

Dr. Michael Wenger, PolarJournal

Link zur Projektseite bei British Antarctic Survey: Snow Hill Emperor Penguin Expedition

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