Grüner Wasserstoff: Base Esperanza testet nachhaltige Energieerzeugung | Polarjournal
Die argentinische Base Esperanza an der Nordspitze der Antarktischen Halbinsel wird in diesem Sommer um ein innovatives Labor erweitert. Schon bald soll hier mit Hilfe von Solar- und Windenergie grüner Wasserstoff für die Energieversorgung der Station produziert werden. Foto: Andrew Shiva / Wikipedia / CC BY-SA 4.0 DEED

Auf der argentinischen Antarktisstation Esperanza wird derzeit ein neues Labormodul installiert, das bald grünen Wasserstoff produzieren und die Dieselgeneratoren ersetzen soll.

Ein Projekt zur Erzeugung von grünem Wasserstoff nimmt in diesem Sommer in der Antarktis konkrete Formen an. Argentinische Forschende haben ein experimentelles Modul entwickelt, das nicht nur Wasserstoff produzieren, sondern auch als grüne Energiequelle für eine Forschungsstation dienen soll. Das Labormodul wird in der argentinischen Forschungsstation Base Esperanza — in der Hope Bay im Norden der Antarktischen Halbinsel gelegen — installiert und soll die Effizienz der Technologie unter extremen Bedingungen testen.

Die aktuelle Energieversorgung der argentinischen Antarktisstationen erfolgt durch Generatoren, die im Sommer erhebliche Mengen Dieselkraftstoff verbrauchen. Jede Station verbraucht während dieser Zeit etwa 100.000 Liter. Das experimentelle Modul, das auf einer Windkraftanlage und Solarmodulen basiert, könnte dazu beitragen, den Energieverbrauch zu reduzieren und den Transport von großen Mengen Diesel mit Schiffen und Flugzeugen zu minimieren.

Die Solarmodule liefern zwar nur im Sommer Strom, aber ausreichend Wind für die Windkraftanlage weht das ganze Jahr über. Die erzeugte Elektrizität wird genutzt, um Wasserstoff durch Elektrolyse zu produzieren. Der überschüssige Strom wird dazu verwendet, ein benachbartes wissenschaftliches Labor mit elektrischer Energie zu versorgen. So wird nicht nur grüner Wasserstoff erzeugt, sondern auch die Energieversorgung der Forschungseinrichtung sichergestellt.

Jede der argentinischen Forschungsstationen in der Antarktis verbraucht für den Betrieb und die Beheizung während des Sommers 100.000 Liter Diesel, das mit Schiffen und Flugzeugen zu den Stationen transportiert wird. Foto: Heiner Kubny

Die Chemikerin María José Lavorante leitet das Teilprojekt, das sich mit der Gewinnung von grünem Wasserstoff aus der Elektrolyse befasst, am argentinischen Citedef (Instituto de Investigaciones Científicas y Técnicas para la Defensa — Wissenschaftliches und technisches Forschungsinstitut für Verteidigung). Sie betonte gegenüber der Nachrichtenagentur Télam die Bedeutung des Projekts für die Entwicklung eines nachhaltigen Labors. Das System basiert auf alkaliner Technologie, und etwa 95% der Komponenten wurden von Citedef entwickelt. Bereits seit 2008 ist das Citedef in der Erforschung der Wasserstoffgewinnung durch Elektrolyse tätig.

Lavorante erklärte, dass das bisher erzeugte Wasserstoffvolumen ausreicht, um eine handelsübliche Brennstoffzelle mit 500 W Leistung zu betreiben. Der modulare Charakter des Systems ermöglicht es, mehrere Zellen (Module) in Serie oder parallel zu verbinden und die Wasserstoffproduktion zu erhöhen.

«Die überschüssige Energie wird zur Herstellung von emissionsarmem Wasserstoff verwendet. Zu diesem Zweck wird eine Elektrolysevorrichtung entworfen, gebaut und charakterisiert, die es uns ermöglicht, von der technologischen Reifegradstufe 4 auf 5 zu kommen, d.h. die Validierung der Komponenten und/oder ihre Entsorgung in einer relevanten Umgebung wie der Antarktis», so Lavorante.

Neben Argentinien prüfen auch Chile und Neuseeland die Energieversorgung mit grünem Wasserstoff auf ihren Antarktisstationen.

Julia Hager, PolarJournal

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