Landebahn Davis-Station – 19 Millionen ins Eis gesetzt | Polarjournal
Die asphaltierte Landebahn sollte in der Nähe der australischen Davis-Station gebaut werden. Ausser einer Fehlinvestition von 19 Millionen AUS-Dollar ist vom ursprünglichen Plan nichts übrig geblieben. (Foto: AAD / Andrew Garner)

Australiens Regierung hatte gehofft, dass eine asphaltierte Landebahn nahe seiner Davis-Station den ganzjährigen Zugang für Flugzeuge ermöglichen würde. Die Idee stammt aus dem Jahr 2018, wurde aber am 25. November 2021 von der Bundesregierung nach einer detaillierten Umwelt- und Wirtschaftsprüfung nicht bewilligt. Wie nun das Nachrichtenportal ABC-News berichtet, zeigen neu veröffentlichte Dokumente, dass am Ende australische Steuerzahler 19 Millionen AUS-Dollar (rund €11.5 Mio.) für eine geplante Landebahn in der Antarktis ausgegeben haben, die nie gebaut wird.

Derzeit werden Flüge nur zum Wilkins Aerodrome durchgeführt, während die Start- und Landebahn in Davis nicht realisiert wird. Zur Davis-Station sind es vom Wilkins Aerodrome 1’400 Kilometer und zur Station Mawson über 2’000 Kilometer. (Grafik: AAD)

Die Höhe der Ausgaben für Planung und Expertisen erschreckten einige Regierungsvertreter. Gemäss ABC-News fragte Senatorin Catryna Bilyk wie viel Geld für Berater ausgegeben wurde. Die Antwort lautete, dass im Zeitraum 2020–2021 der Betrag von 20’622’637 AUS-Dollar investiert wurde. Darauf fragte die Senatorin, ob es sich um einen Tippfehler handelt, oder ob dies so richtig sei?

Kürzlich veröffentlichte Dokumente zeigen, dass die Zahlen korrekt waren. Denn die Untersuchung des Senats zur Finanzierung der Australian Antarctic Division ergab, dass die Abteilung über 19 Millionen AUS-Dollar für 13 verschiedene Beratungsfirmen ausgegeben hatte, um Gutachten für die geplante Landebahn erstellen zu lassen.

Das Projekt war schon vor der eigentlichen Absage in Kritik geraten. Besonders die Lage und der Einfluss auf das empfindliche antarktische Landökosystem wurden stark kritisiert. Doch nicht nur Umweltverbände und Naturschützer waren die Kritiker. Auch im Parlament wehte von der Opposition ein kräftiger Gegenwind. Und diese Stimmen waren auch jetzt nach den Anhörungen wieder laut geworden und meinten, dass das Geld besser für wissenschaftliche Projekte investiert worden wäre, die von der AAD vor kurzem auf Eis gelegt worden waren.

Die Geschichte ist jedoch noch nicht vorbei, wie australische Medien schreiben. Der Senatsausschuss wird seinen Abschlussbericht im März 2024 vorlegen. Da dürften eventuell noch Überraschungen zu erwarten sein.

Der Wilkins Aerodrome kann nur zwischen Oktober und März genutzt werden, wenn die Eistemperaturen für die Landung optimal sind. (Foto: AAD / Chris Crear)

Wilkins Aerodrome

Australien betreibt zwar drei Stationen in Antarktika, doch verfügt mit dem Wilkins Aerodrome nur über eine Eislandebahn. Der Flugplatz liegt 70 Kilometer südwestlich der australischen Forschungsstation Casey und bietet Interkontinentalflüge nur zu Beginn und am Ende des Südsommers an. Im Winter kann der Flugplatz in der Regel aufgrund mangelnder technischer Einrichtungen nicht angeflogen werden. Anders als die geplante und geschredderte Landepiste bei der Davis-Station besteht die Casey-Piste aus Eis und Schnee. Der Name der Landebahn geht auf den 1958 verstorbenen Flugpionier und Entdecker Sir George Hubert Wilkins zurück.

Die auch als Wilkins Runway bekannte Piste ist 3’200 Meter lang und 45 Meter breit und wird für interkontinentale Flüge mit einem Airbus A319 und Transportmaschinen vom etwa 3’400 Kilometer entfernten Hobart International Airport aus angeflogen.

Die ursprünglich geplante Anzahl von jährlich bis zu 20 Flügen von Hobart zum Wilkins Runway in einwöchigem Abstand konnte bisher nicht erreicht werden. Zusätzlich zu wetterbedingten Behinderungen machte ab 2011 ein unerwartetes Schmelzen der Oberfläche aufgrund zu milder Temperaturen den Flugplatz zeitweise unbenutzbar. Durch diese Auswirkung des Klimawandels wird die langfristige Nutzbarkeit von Eislandebahnen wie des Wilkins Runway in Frage gestellt.

Heiner Kubny, PolarJournal

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