Geringe Belastung von Antarktischem Krill mit Mikroplastik | Polarjournal
Der Antarktische Krill (Euphausia superba) kommt rund um die Antarktis in riesigen Mengen vor. (Foto: Alfred-Wegener-Institut)

Der Antarktische Krill ist nur wenig mit Mikroplastik belastet und eignet sich daher gut für die Überwachung der Kontamination des Südlichen Ozeans mit Mikroplastik. Das zeigt eine Studie, in der Forschende die Mägen der weit verbreiteten Garnelenart analysierten. Das Team unter Leitung des Alfred-Wegener-Instituts warnt in der Fachzeitschrift Science of the Total Environment vor falsch positiven Ergebnissen, wenn Extraktionsschritte bei der Probenaufbereitung ausgelassen würden.

Krill-Probenahmestellen. BSW: Bransfield Strait West; EIN: nördlich von Elephant Island; NWWS: nordwestliches Weddellmeer. (Grafik: Primpke et al. 2024 / Heiner Kubny)

Der Antarktische Krill (Euphausia superba) kommt rund um die Antarktis in riesigen Mengen vor und bildet die Grundlage des dortigen Nahrungsnetzes. Die Leuchtgarnelen ernähren sich, indem sie Nahrungspartikel aus dem Wasser filtrieren. Da Mikroplastikpartikel dieselbe Größenordnung wie die Nahrung haben, hat ein Forschungsteam um Prof. Bettina Meyer und Dr. Sebastian Primpke vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), Krill-Mägen analysiert. Das Ergebnis: Lediglich 4 von 60 Mägen enthielten Mikroplastik-Partikel. In einer aufwendigen Versuchsreihe verglichen die Forschenden verschiedene Analysemethoden, um die Einführung geeigneter, international standardisierter Protokolle für die Probenahme und Analyse von Mikroplastik in Organismen und ihren Lebensräumen im Südpolarmeer und weltweit zu unterstützen.

Prof. Bettina Meyer und Dr. Sebastian Primpke und ihr Team haben Krill-Mägen analysiert. (Fotos: AWI)

Das Team legte bei der Untersuchung besonderen Wert auf die Qualitätskontrolle bei der Detektion von Mikroplastik-Partikeln mit Hilfe der hyperspektralen bildgebenden Fourier-Transform-Infrarotspektroskopie. Die Forschenden fanden heraus, dass gepoolte Magenproben eine große Menge an partikulärem Material aufwies, die nach näherer Analyse jedoch kein Mikroplastik waren. Selbst bei einzelnen untersuchten Mägen fanden sie beispielsweise unverdaute Rückstände wie Chitin, die mit Mikroplastik verwechselt werden können. Andere Rückstände, die wahrscheinlich von der lipidreichen Nahrung des Krills stammen, bildeten teilweise einen Film und erschwerten die Detektion zusätzlich. Sie empfehlen daher ausgewählte zusätzliche Filtrations- oder Verdauungsschritte der Proben, um falsch positive Ergebnisse zu verhindern. Dies sei notwendig, um standardisierte Protokolle für die Probenahme und Analyse zu entwickeln, so dass der Antarktische Krill als Indikatorart für den Eintrag von Mikroplastik in antarktische Gewässer dienen kann.  

Pressebericht des AWI, Bremerhaven

Originalpublikation:

Primpke, S., Meyer, B., Falcou-Préfol, M., Schütte, W., Gerdts, G., At second glance: The importance of strict quality control – a case study on microplastic in the Southern Ocean key species Antarctic krill, Euphausia superba, Science of the Total Environment (2024). DOI: https://doi.org/10.1016/j.scitotenv.2024.170618

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