Hanwha verkauft mit „russischem Zaubertrick“ LNG-Tanker nach Dubai | Polarjournal
Das Schiff «Pyotr Kapitsa» befindet sich derzeit in der Hanwha-Werft auf der Insel Geoje. (Foto: Wladimir Lappino)

Die Anlage auf der Halbinsel Gydan ist das zweite Grossprojekt von Novatek und gilt als entscheidend für Russlands Ziel, seine LNG-Produktion bis zum Ende des Jahrzehnts auf 100 Millionen Tonnen zu erhöhen und damit mehr als zu verdreifachen. Um diese Ziele zu erreichen, benötigt Novatek eisgängige LNG-Tanker. Sechs solche neu gebauten Tanker, die für russische LNG-Projekte bestimmt sind, aber aufgrund von US-Sanktionen festsitzen, gerieten zunehmend unter internationale Kontrolle.

Das russische Erdgasunternehmen Novatek macht nun einen wichtigen Schritt vorwärts und dürfte schon bald, trotz der US-Sanktionen, mit Lieferungen von LNG aus dem Arctic LNG 2-Projekt beginnen.

Not macht erfinderisch, heisst es. Der Arc7-LNG-Tanker Pyotr Kapitsa, der von der südkoreanischen Werft Hanwha Ocean gebaut wurde, wechselt den Besitzer. Aufzeichnungen aus dem Schiffsregister deuten darauf hin, dass das Schiff am 1. Februar 2024 an ein Unternehmen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten übertragen wurde. So umgeht Hanwha Ocean die Gefahr gegen US-Sanktionen zu verstossen.

Hanwha Ocean baut spezialisierte eisbrechende LNG-Tanker, die ursprünglich für das russische Arctic LNG 2-Projekt bestimmt waren. (Foto: Hanwha Ocean)

Bei den Arc7-LNG-Tankern handelt es sich um spezielle eisbrechende Schiffe, die in der russischen Arktis eingesetzt werden sollen. Sie werden gebaut, um einige der riesigen, noch in der Entwicklung befindlichen LNG-Projekte des Landes zu bedienen, darunter Novateks Arctic LNG 2-Projekt.

Der LNG-Frachter Pyotr Kapitsa war ursprünglich Teil eines Auftrags von drei Schiffen der russischen Sovcomflot. Der Vertrag wurde aufgrund sanktionsbedingter Zahlungsprobleme im Jahr 2022 aber gekündigt. Trotzdem stellte Hanwha Ocean alle drei Schiffe fertig und war Berichten zufolge auf der Suche nach einem Käufer. Nicht zum Verkauf stehen die beiden anderen LNG-Frachter Lev Landau und Zhores Alferov. Diese sollten angeblich bei Hanwha verbleiben.

„Novatek wird sicherlich alles in seiner Macht Stehende tun, um diese Tanker für Transporte zu erhalten, die nur für ihr Arctic LNG-2 verwendet werden können, da sie selbst für Sachalin zu teuer für den Betrieb in offenen Gewässern sind“, meint Hervé Baudu, Arktis-Schifffahrtsexperte und Professor für maritime Ausbildung an der Französischen Maritimen Akademie (ENSM) gegenüber der Presse. Er nannte im Artikel die Registration der Pjotr ​​Kapitsa in den VAE einen „russischen Zaubertrick“. 

Hervé Baudu zum Kauf des Schiffes indirekt über ein Unternehmen in den VAE: „Die Welt der Schifffahrt ist so. Nun bleibt nur noch, eine qualifizierte Crew zu finden“. (Foto: Screen Shot Vimeo)

New Transshipment FZE aus Dubai wird als neuer Eigner für den LNG-Frachter aufgeführt. Laut Online-Aufzeichnungen fungiert das Unternehmen als Holdinggesellschaft und Investitionsvehikel für Projekte, Partnerschaften und Joint Ventures im Bereich Seetransport, Lagerung und Logistik, einschliesslich der Entwicklung von Seetransportlösungen für LNG, sowie Umschlag- und Lagerdienstleistungen für LNG. 

Novatek konnte sich in der Vergangenheit immer auf Unternehmen in den VAE verlassen, um Sanktionen zu umgehen. Im Jahr 2023 ging das Unternehmen eine Partnerschaft mit Green Energy Solutions LLC aus Abu Dhabi ein, um sanktionierte westliche Technologie zu beschaffen. Dieser Deal ging jedoch schief, da das Unternehmen im September 2023 von den USA blockiert wurde.

Heiner Kubny, PolarJournal

Mehr zum Thema

Print Friendly, PDF & Email
error: Content is protected !!
Share This